Hochwasserkatastrophe, WDR-Studio: „Sich auf den WDR zu verlassen, kann lebensgefährlich sein“
Hochwasserkatastrophe, WDR-Studio: „Sich auf den WDR zu verlassen, kann lebensgefährlich sein“ Fotos: picture alliance / Geisler-Fotopress | Christoph Hardt/Geisler-Fotopres / Boris Roessler / JF-Montage

Flutkatastrophe in Westdeutschland
 

Harsche Kritik an Berichterstattung: WDR räumt Versäumnisse ein

DÜSSELDORF. Der WDR hat teilweise Versäumnisse bei der Berichterstattung über die Flutkatastrophe in der Nacht zu Donnerstag in Westdeutschland eingeräumt. „Wir teilen die Einschätzung, dass der WDR noch umfangreicher aus Wuppertal hätte berichten müssen“, sagte ein Sprecher der Landesrundfunkanstalt der Bild-Zeitung.

Jedoch sei das dortige WDR-Studio „selbst so stark vom Unwetter betroffen, daß es ab 3 Uhr in der Nacht nicht mehr selber senden konnte“. Der Sender habe im Radio halbstündlich in „monothematischen Sonderausgaben“ sowie auf der Internetseite in einem Newsticker über die Entwicklungen berichtet. Im Deutschlandfunk bereute der Verantwortliche für „Aktuelles“, Stefan Brandenburg, nicht auf allen Wellen aus dem Programm der ARD ausgestiegen zu sein und ein eigenes Sonderprogramm gesendet zu haben. „Im Nachhinein ist man immer klüger“, ergänzte er im Interview mit dem Branchendienst DWDL.de.

„WDR unterläßt jede Hilfeleistung“

Dieser hatte zuvor scharfe Kritik an dem Sender unter Leitung von Intendant Tom Buhrow geäußert. „Der WDR war beinahe ein Totalausfall“, kommentierte der DWDL-Gründer Thomas Lückerath. „Während die Talsperren überlaufen, mehrere Städte nächtliche Evakuierungen einleiten und Bürgerinnen und Bürger möglicherweise erstmals in ihrem Leben von den Sirenen des Katastrophenalarms aus dem Schlaf gerissen werden und möglicherweise verstört wissen wollen, was gerade los ist – unterläßt der WDR jede Hilfeleistung.“

Während ein Privatradio bis spät in die Nacht hinein live über die Hochwasser und drohenden Gefahren berichtet habe, sei beispielsweise im WDR 2 die ARD-„Popnacht“ übertragen worden. Im WDR-Fernsehen lief demnach eine Dokumentation über das Olympia-Attentat 1972 in München. „Sich auf den WDR zu verlassen, kann lebensgefährlich sein. Das mußten in der Nacht zu Donnerstag die Menschen in Nordrhein-Westfalen erleben, die für ihren Rundfunkbeitrag wenig von dem bekamen, wofür sich die ARD sonst rühmt: Die regionale Information“, faßte Lückenrath zusammen. Er erinnerte an die Unwetter vom Pfingstmontag 2014, das mehrere Menschen das Leben kostete. Damals hatte es Kritik am WDR gegeben, der anschließend Besserung gelobte.

Kritik von Kachelmann und Ex-ARD-Hauptstadtstudioleiter

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Auch der Meteorologe Jörg Kachelmann fand harsche Worte über die aktuelle WDR-Berichterstattung: „Ich hätte mich gefreut, wenn es diesmal anders gewesen wäre. Es tut weh, wenn genau die, die die Mittel hätten, um eine solche Wetterlage 24/7 zu begleiten, nichts tun, um Leben zu retten. Aber sie senden irgendeinen Scheiß und lassen die Leute ersaufen.“ Der WDR ist mit rund 4.200 Mitarbeitern und 1,63 Milliarden Euro Zwangsgebühren jährlich die größte Landesrundfunkanstalt Deutschlands.

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In die Kritik geriet auch die ARD insgesamt. „Die schwersten Unwetter in Deutschland und im Ersten der ARD gibt es keinen Brennpunkt! Ist das die neue ‚Informations-Offensive‘ der neuen Programmdirektion? So beschädigt man die Informationskompetenz der ARD“, kommentierte der frühere Chefredakteur des ARD-Hauptstadtstudios, Ulrich Deppendorf auf Twitter. (ls)

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