Farid Hafez
Der Politikwissenschaftler Fariz Hafez kommentierte bereits in der Vergangenheit für TRT Foto: picture alliance / AA
TRT-Deutsch

Türkisches Staatsfernsehen startet in Deutschland

BERLIN. Die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt der Türkei, TRT (Türkiye Radyo ve Televizyon Kurumu), hat eine deutschsprachige Nachrichtenplattform gestartet. „Wir durchleuchten aktuelle Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven und legen alternative Themen auf den Tisch, die in den Mainstream-Medien kaum Beachtung finden“, teilte der Sender am Dienstag mit.

Ziel sei es, sich als „vertrauenswürdige Informationsquelle“ zu etablieren und mit „gut recherchierten Fakten, interessanten Interviews, spannenden Reportagen und Videobeiträgen aus der ganzen Welt“ aufzuwarten. Der Kanal durchlaufe zunächst eine Testphase. TRT-Deutsch ist auch in sozialen Medien wie Facebook, YouTube, Instagram und Twitter aktiv. Der Redaktionssitz befindet sich in Berlin. Als Chefredakteur arbeitet Kaan Elbir.

Gegen Rechtsradikalismus, Islamophobie und jede Form der Diskriminierung

Das Nachrichtenportal positioniere sich „ganz klar gegen Rechtsradikalismus und Islamophobie sowie jegliche Form der Diskriminierung“ und trete für eine „plurale, freiheitlich-demokratische Gesellschaft“ ein, heißt es in der Pressemitteilung. Bereits im Oktober hatte der Sender bekannt gegeben, nach Deutschland expandieren zu wollen. Programmdirektor Serdar Karagöz hatte dazu auf Twitter angekündigt: „TRT Deutsch wird bald die sozialen Probleme und Mißstände in Deutschland und Europa unter die Lupe nehmen.

Bislang sind Nachrichten auf der Internetseite den Kategorien „Inland“, „Europa“, „Welt“ und „Türkei“ zugeordnet. Als Quellen sind türkische und deutsche Nachrichtenagenturen angegeben. Neben den Rubriken Politik, Wirtschaft, Lifestyle, Sport, Technik und Kultur finden sich auch Meinungsbeiträge.

Gesellschaftskritik aus moslemischer Sicht 

Der in Österreich geborene Politikwissenschaftler Farid Hafez kritisiert dort beispielsweise die Unionsparteien, die ein Kopftuchverbot diskutieren. Die Überlegungen der Parteien offenbarten das Streben nach einem autoritären Nationalstaat, der „das Leben von Menschen bis in die Privatsphäre hinein regulieren solle“, falls die Person nicht der „sichtbar gemachten weißen Dominanzposition“ entspreche. Die Meinung von Mosleminnen werde „als minderwertig erachtet“, unter anderem, weil sie die „Vorstellung einer homogenen nationalen Gemeinschaft in Frage stellen“. Der Text ist mit Sternchen gegendert.

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Hafez bringt nach eigenen Angaben seit 2010 ein Jahrbuch für Islamophobieforschung heraus. In einem 2013 für den Standard verfassten Beitrag, schrieb Hafez über demokratische Strömungen in der islamistischen Muslimbruderschaft. Er war Mitglied der Muslimischen Jugend Österreichs, die nach Selbstdarstellung eine „österreichisch-islamische Identität“ schaffen wolle. Den Vorwurf einer Nähe zur Muslimbruderschaft bestritt die Organisation jedoch.

In derselben Rubrik mahnt der Germanist und Historiker Turgay Yildirim zur Wahl des Grünen Belit Onay zum Oberbürgermeister Hannovers, man dürfe nicht der „Romantik verfallen“, der Politiker mit Migrationshintergrund vertrete nun „ausschließlich Interessen der türkischen Community“. Das „Mindeste“ sei aber, daß er sich für alle „Bürger, ob mit oder ohne deutschen Paß“ einsetze und nicht für „ein bestimmtes politisches Milieu“. Zudem stehen Beiträge zur großen Koalition, Annegret Kramp-Karrenbauers (CDU) Chancen als Kanzlerkandidatin und die Beziehung zwischen dem Iran und den USA online. (hr)

Der Politikwissenschaftler Fariz Hafez kommentierte bereits in der Vergangenheit für TRT Foto: picture alliance / AA

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