SWR-Intendant Kai Gniffke
SWR-Intendant Kai Gniffke Foto: picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa
SWR-Intendant

Gniffke: ARD sollte breiteres Meinungsspektrum abbilden

HAMBURG. Die ARD sollte sich nach Ansicht von SWR-Chef Kai Gniffke um ein breiteres Meinungsspektrum bemühen. „Wir sehen durchaus, daß wir noch stärker ein divergierendes Meinungsbild abgeben müssen“, sagte der Intendant der zweitgrößten ARD-Anstalt der Zeit.

„Ich weiß auch, daß wir bestimmte Haltungen in unserer Belegschaft vielleicht nicht abbilden“, zeigte sich der frühere Chefredakteur von ARD-aktuell selbstkritisch.

Auf die Frage, wer beispielsweise in der ARD Ansichten und Meinungen von Konservativen vertrete, die kritisch zur Energiewende, der „Fridays for Future“-Bewegung, der Frauenquote oder dem Adoptionsrecht für Homosexuelle stehen, antwortete Gniffke: „Was wir lernen müssen, ist, respektvoll mit diesen Haltungen umzugehen und den Leuten nicht unterschwellig mitzugeben: Ihr müßt euren Lebensstil ganz furchtbar finden. Ich glaube, daran müssen wir arbeiten.“

Gniffke: ARD hat aus Fehlern gelernt

Das bedeute aber nicht, daß „wir jetzt krampfhaft jemanden suchen müssen, der das in den Kommentaren abbildet“. Er mache sich keine Sorgen, daß die Rolle des konservativen Kommentators bei der ARD vakant bleibe.

Auch glaube er nicht, daß die ARD Fehler aus der Vergangenheit wiederholen werden, als sich Sendungen zu einseitig positioniert hätten. „Was die Flüchtlingskrise betrifft, teile ich durchaus manche Kritik an unserer Berichterstattung. Aber bei Corona haben wir es deutlich besser gemacht, finde ich.“

Gniffke sprach sich zudem dagegen aus, Politiker der AfD nicht mehr in Talkshows und politische Gesprächsrunden einzuladen. „Davon würde ich abraten. Wenn wir anfangen, zu unterscheiden, wer bei uns auftreten darf und wer nicht, kommen wir argumentativ ganz schnell in den Wald“, warnte er. „Die AfD ist die größte Oppositionspartei im Bundestag. Deswegen haben wir diese Leute nicht nur abzubilden, sondern auch mit denen zu reden.“

Das ZDF hatte im vergangenen Jahr beschlossen, den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke nicht mehr in Talksendungen einzuladen. ZDF-Chefredakteur Peter Frey begründete das in einem Streitgespräch mit drei Zuschauern damit, daß Medien niemanden zu erziehen hätten.

„Aber wir müssen zeigen, wo die Grenzen demokratischer Gesinnung verlaufen.“ Auf die Frage, ob Höcke für das ZDF noch ein potentieller Talkshow-Gast sei, antwortete der Chefredakteur: „Nein.“

Gniffke gegen Höcke-Bann

Auch der Redaktionsleiter des vom WDR verantworteten ARD-Politmagazins „Monitor“, Georg Restle, hatte sich kritisch zu der Frage geäußert, ob Politiker wie Höcke noch eingeladen werden sollten. Der für öffentlich-rechtliche Sender verpflichtende Grundsatz der Ausgewogenheit ende da, „wo es um Parteien oder Politiker geht, die unseren demokratischen Freiheiten und Grundrechten feindlich gegenüberstehen“, sagte er im August der Zeit.

Schon 2018 hatte die Redaktion der ARD-Talksendung „hart aber fair“ AfD-Fraktionschef Alexander Gauland zur unerwünschten Person erklärt und angekündigt, ihn nicht mehr einzuladen. Darauf angesprochen sagte Gniffke nun: „Ich halte nichts von einem Bann über einzelne Personen. Was macht man denn, sollte Höcke thüringischer Ministerpräsident werden? Ihn nicht zu Wort kommen lassen? Das wird schwer …“

Die ARD habe den Auftrag, die Gesellschaft zusammenzuhalten, erläuterte Gniffke und verteidigte in dem Zusammenhang auch sein Interview mit der JUNGEN FREIHEIT sowie eine öffentliche Diskussion mit Vertretern der AfD. „Das bedeutet für mich, den Dialog nicht abreißen zu lassen – auch mit denen nicht, die uns ganz schrecklich finden oder die uns gar abschaffen wollen. Solange es uns gelingt, mit denen eine halbwegs respektvolle Debatte zu führen, werde ich die führen.“ (krk)

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