Hans-Olaf Henkel
Hans-Olaf Henkel, EU-Kandidat der AfD in der Sendung Foto: rg
„Hart aber fair“

Warum Elmar Brok um seine Enkel fürchtet

Wie wird eine Pizza richtig zubereitet? Der geknetete Teig muß von innen nach außen verteilt werden. Die Pizza darf nicht größer als 35 Zentimeter sein. Und die Tomatensoße muß spiralförmig auf dem Boden verteilt werden. Alles andere wäre ein Verstoß gegen eine EU-Verordnung.

Kein Ausrutscher, keine Ente aus einem Internetblog. Diese Vorschrift existiert wirklich. Frank Plasberg brachte bei „Hart aber fair“ am Montag diese Brüsseler Regelungswut zur Sprache. Die beiden Brüssel-Versteher, der Leiter des ARD-Studios in Brüssel Rolf Krause und der EU-Abgeordnete Elmar Brok (CDU), sahen da schlecht aus. „Das ist Verbraucherschutz“, stammelte Brok. Und der müsse doch EU-weit einheitlich geregelt werden.

Wer bislang gedacht hatte, Martin Schulz sei die Inkarnation des provinziellen deutschen EU-Bonzen, wurde durch diese Sendung eines besseren belehrt. Der Langezeitabgeordnete Brok präsentierte sich den deutschen Zuschauern als christdemokratische Version des charismafreien EU-Politikers.

Deutsche zahlen für Zockerbanken

Und er bekam Feuer von der ersten Minute an. Plasberg fragte ihn nach einer wichtigen Entscheidung, die das EU-Parlament getroffen habe. Schon hier wußte Brok keine Antwort. Da hatte Hans-Olaf Henkel leichtes Spiel. Der Ex-BDI-Chef kritisierte die Vergemeinschaftung von Banken. „Es gab eine wichtige Entscheidung, die falsch war: nämlich die Bankenunion. Deutsche Sparer zahlen jetzt für Zockereien der Banken.“

Sekundiert wurde der Kandidat der Alternative für Deutschland (AfD) von Henryk M. Broder, der einen Schnuller mitsamt Kette herausholte und ihn Brok zeigte: „Experten haben jahrelange an der Richtlinie für diese Schnullerketten gearbeitet.“ Diesmal wehrte sich Brok. „Meine Enkelkinder sollen keine giftigen Dinge in den Mund nehmen“, feuerte er zurück. Hier hätte jemand sagen müssen, daß er dann einfach keine kaufen soll. Aber auch so, sah Brok in diesem Moment schlecht aus.

Er konterte diese und andere Fakten mit der Behauptung, dies sei „nur Kleinkram“. In Wahrheit sei die EU eine riesige „Antibürokratisierungsveranstaltung“. Broder dazu: „Dann ist ein Puff eine Klosterschule.“ Er legte weiter nach. Das EU-Parlament habe keine Macht, weil es keine Regierung wähle. Die Luxemburger seien über- und die Deutschen massiv unterrepräsentiert. „Wenn das ein Parlament ist, dann ist der Rosenmontagsumzug eine Eucharistiefeier.“ Broder liebt diese drastischen Vergleiche.

Auch für die AfD fand Broder klare Worte, weil ihm der Schmusekurs von Teilen der Partei mit Rußland nicht paßt. Er habe zwar bei der Bundestagswahl AfD gewählt, bekundete er. „Aber diesmal wähle ich die Tierschutz.“ Hans-Olaf Henkel wirkte geknickt.

Krause verteidigte EU-Vorgaben

Doch dann ging es wieder zur Sache und Moderator Plasberg legte noch einmal nach: Er fragte Brok, ob er nach EU-Gipfeln von der Kanzlerin per SMS informiert werde, was dort alles beschlossen worden sei. Brok: „Das Parlament war an allen wichtigen Entscheidungen beteiligt.“ In Wahrheit konnte kein Zuschauer Brok, der nach dem Tsunami 2011 gefordert hatte, Japaner massenhaft mit der Bundesmarine zu evakuieren, noch ernstnehmen.

Auch Rolf Krause, der öffentlichrechtliche Brüssel-Propagandist, der immer wieder als Talkshowgast herhalten muß, um die EU zu verteidigen, konnte gegen Broder und Henkel nicht punkten. Er verteidigte Kaffeemaschinen-, Glühbirnen- und Staubsaugerverbote als umweltverträgliche Notwendigkeiten.

Die grüne EP-Kandidatin Theresa Reintke saß zwischen den Stühlen. Sie kritisierte zwar Brüssel, forderte aber doch „mehr Europa“ und warnte vor einer Rückkehr zu nationalen Währungen. Dies würde die Pleitestaaten in Südeuropa nur weiter destabilisieren.

Henkel forderte indessen die Rückkehr zu einer harten Währung Deutschlands und seiner Anrainer, wenn die Südeuropäer nicht freiwillig gingen. Er rechnete zudem vor, daß der deutsche Export auch ohne Euro leben könne: „66 Prozent unserer Exporte gehen nicht in die Eurozone.“ Früher habe der Anteil der deutschen Ausfuhren in die heutigen Euroländer höher gelegen (46 Prozent statt jetzt 33).

Ist die Alternative für Deutschland rechts?

Am Ende feuerte Plasberg dann aber auch noch einmal gegen Henkel und die Alternative für Deutschland. In einem Einspieler wurden UKIP, Front National, die griechische Syriza und die AfD zu einem großem Euroskeptiker-Paket zusammengeschnürt. Das paßte Henkel nicht, und so forderte er, daß die AfD differenziert gesehen werden müsse. Gleichzeitig distanzierte er sich, selbst wenig differenzierend, von sämtlichen Rechtsparteien in Europa und wiederholte das Parteidogma, die AfD sei weder rechts noch rechtspopulistisch.

Als emotionalen Höhepunkt präsentierte Plasberg nun einen letzten Einspieler, in dem ein 88jähriger Greis erzählte, wie er in den Fünfziger Jahren den Schlagbaum an der deutsch-französischen Grenze entfernt hat. Der Kurzfilm wirkte aus der Welt gefallen – er kam nur Sekunden, nachdem Broder und Henkel in den Publikumsreaktionen als Senioren verspottet wurden, deren Meinung für junge Leute irrelevant sei. Henkel bedankte sich auf seine Weise, indem er Großbritannien als „das einzige Land mit einem gesunden Menschenverstand“ bezeichnete, das leider wegen des zunehmenden Zentralismus den EU-Austritt plane. Plasberg verwies darauf, daß Henkel mit großer Sicherheit dem nächsten EU-Parlament angehören dürfte.

Plasberg beendete die Sendung mit der Frage, wer sich im EU-Parlament wohl mehr wundern würde: Henkel über das Parlement oder das Parlament über Henkel. Auch Rolf Krause wußte darauf keine richtige Antwort. (vg)

Hans-Olaf Henkel, EU-Kandidat der AfD in der Sendung Foto: rg

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