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Ex-Fußballprofi Stephan Loboué: „In Deutschland wird dunkelhäutigen Torhütern mit großer Skepsis entgegengetreten“
Ex-Fußballprofi Stephan Loboué: „In Deutschland wird dunkelhäutigen Torhütern mit großer Skepsis entgegengetreten“ Foto: picture-alliance / Pressefoto ULMER/Claus Cremer | Pressefoto ULMER/Claus Cremer

Fußball
 

Keine schwarzen Torhüter in Bundesliga: Studie spricht von Diskriminierung

BERLIN. Das Nichtvorhandensein von dunkelhäutigen Torhütern in der Fußballbundesliga ist laut einer Studie auf Diskriminierung zurückzuführen. Wenn einzelne Vereine keine schwarzen Torhüter beschäftigen, könne dies Zufall sein, erklärte die Integrationsforscherin Tina Nobis von der Humboldt-Universität in Berlin gegenüber dem Spiegel. „Daß es in der Bundesliga keinen einzigen schwarzen Torwart gibt, aber nicht.“

In der noch nicht veröffentlichten Untersuchung kategorisierten die Forscher Spieler der ersten und zweiten Bundesliga hinsichtlich ihrer Hautfarbe und ihrer Position. Unter den 121 Torhütern gibt es demnach keinen einzigen, der schwarz ist, und lediglich vier, die als „People of Color“ gewertet wurden. Insgesamt seien 20 Prozent aller Spieler in den beiden Ligen dunkelhäutig.

Auch im Mittelfeld befinden sich der Studie zufolge gemessen am Durchschnitt weniger schwarze Spieler. Im Sturm seien es 24 Prozent, auf den offensiven Außenbahnen 37 Prozent und damit deutlich mehr als im Schnitt.

„Racial Stacking“ setze sich bereits im Amateursport fest

Dies könne auf „Racial Stacking“ (auch „Racist Stacking“ genannt) zurückzuführen sein. Davon ist die Rede, wenn weiße Personen auf wichtigen Positionen überrepräsentiert sind, während Dunkelhäutige proportional öfter Plätze einnehmen, bei denen körperliche Merkmal eine relevante Rolle spielen.

Es sei davon auszugehen, daß die unterschiedliche Besetzung vor allem durch rassistische Zuschreibungen und Vorstellungen entstehe. Diese könnten auch unbewußt auftreten. Beispielsweise sei damit die unbegründete Annahme gemeint, daß hellhäutige Fußballer spielintelligent seien, schwarze vor allem athletisch.

Nobis vermutet, das „Racial Stacking“ setze sich bereits im Amateursport fest. Vermutlich würden schwarze Nachwuchsspieler für bestimmte Positionen erst gar nicht in Betracht gezogen, „weil es dort an schwarzen Vorbildern fehlt“. Diese Sichtweise unterstützt der frühere Stammtorwart des Zweitligisten Greuther Fürth, Stephan Loboué.

Schwarzer Torwarttrainer und Ex-Profi widerspricht

Obwohl ihn die Zeitschrift Kicker 2009 als zweitbesten Torhüter der Liga eingestuft habe und er ablösefrei die Mannschaft habe wechseln können, habe er kein Angebot aus der ersten Liga erhalten, sagte der dunkelhäutige Ex-Profi dem Spiegel. „In Deutschland wird dunkelhäutigen Torhütern mit großer Skepsis entgegengetreten. Ich glaube, man hat mir das dadurch nicht zugetraut.“

Widerspruch kommt von dem ehemaligen Spieler David Yelldell, der bis zum vergangenen Jahr Torwarttrainer der U18-Nationalmannschaft war und derzeit die Torhüter des Drittligisten SG Dynamo Dresden trainiert. Der Sohn eines schwarzen US-Amerikaners und einer Deutschen reagierte mit Zurückhaltung auf die Ergebnisse der Studie. „Ich habe in meiner gesamten Zeit nie erlebt, daß jemand davon abgehalten wurde, auf einer bestimmten Position zu spielen.“

Dem Nachrichtenmagazin zufolge gibt es zudem aktuell mehrere Nachwuchstorhüter, die vom Deutschen Fußball-Bund als „People of Color“ bezeichnet werden und in die Auswahlmannschaften drängen. (ls)

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