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„Smoke on the Water“: G – Ais – C | G – Ais – Cis – C

„Smoke on the Water“: G – Ais – C | G – Ais – Cis – C

„Smoke on the Water“: G – Ais – C | G – Ais – Cis – C

Deep Purple
Deep Purple
Deep Purple erhalten 1971 in Berlin die Goldene Schallplatte Foto: picture alliance / AP Photo | Edwin Reichert
„Smoke on the Water“
 

G – Ais – C | G – Ais – Cis – C

Vor fünfzig Jahren nahmen Deep Purple das Lied „Smoke on the Water“ auf und schrieben damit Rockgeschichte. Das eingängig-hämmernde Riff wurde nicht zu zum Pflichtstück für jeden künftigen Gitarrero, sondern fegte nebenbei auch die letzten musikalischen Hippieträumereien davon.
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Es sind nur vier Töne, die ein neues Kapitel der Rockgeschichte aufschlugen, erstmals kreiert und aufgenommen vor fünfzig Jahren, im Dezember 1971. Die Rede ist hier von Deep Purples Lied „Smoke on the Water“ und seinem wuchtigen Eröffnungsriff. Gemeinsam mit den ohrenbetäubenden Drum- und Baßwalzen von Led Zeppelin oder Black Sabbath fegte es die letzten Reste an Hippieträumereien aus der Arena, also Sachen wie sie die Beatles auf ihrem letzten Album „Let It Be“, ebenfalls 1971, noch einmal evozierten, etwa mit John Lennons „Across the Universe“, einem Song aus der indischen Maharishi-Phase.

Nebenbei: Meine Geschichte des Pop ist einfach. Es gibt nur die Beatles, und die trostlose Zeit ohne sie. Basta! Bestätigt wird das gerade in den Kinos mit Peter Jacksons Dokumentarfilm „The Beatles: Get Back“, von dem die Kritiker hingerissen sind.

Aber das ist ein anderes Kapitel, zurück zu den vier Tönen: Ritchie Blackmore sagte später einmal, das Hauptriff von „Smoke on the Water“ sei eine Interpretation der Umkehrung des Anfangsmotivs der 5. Sinfonie von Ludwig van Beethoven, der sogenannten Schicksalssinfonie. Ta-ta-ta-taaaaa. Vielleicht das erste Riff der Musikgeschichte überhaupt, niedergeschrieben vor über zweihundert Jahren, jedenfalls das wirkmächtigste.

Einstiegsdroge für jeden künftigen Gitarrengott

Blackmore, der ein Faible für Beethoven hat, spielt das Leitmotiv von „Smoke on the Water“ zu Anfang zweimal. Dann fällt John Lord mit verzerrten Orgeltönen ein, und Drummer Ian Paice treibt das Ding im Sechzehntel-Rhythmus vorwärts. Und für diejenigen, die Noten lesen können (John Lennon konnte es nicht): Das alles kommt in g-Moll im 4/4-Takt daher.

Moll, soviel weiß jeder, ist nicht erst seit Mozart die Tonart für Trauer und Tragödie, und der Song handelt genau davon.

Die Gruppe hatte sich nämlich im Gastgebäude des Casinos von Montreux am Genfer See einquartiert, wo gerade Frank Zappas Mothers of Invention gastierten. Irgendein Depp („some stupid with a flare gun“, sang Ian Gillan) hatte offenbar während des Konzerts eine Signalpistole abgefeuert. Binnen kurzem stand das Gebäude in Flammen, und der ebenfalls im Song erwähnte Direktor des Jazz-Festivals Claude Nobs („Funky Claude“) war damit beschäftigt, die Konzertbesucher zu retten („running in and out/ Pulling kids out the ground“), während sich über dem Genfer See eine gigantische Rauchwolke ausbreitete – „smoke on the water, a fire in the sky“.

Dieses Anfangsriff (ramm-bamm-bamm, ramm-bamm-badamm) ist die Einstiegsdroge für jeden Rocklehrling und künftigen Gitarrengott und das eingängigste aller Zeiten. Tatsächlich soll der Song nach der Nationalhymne die bei US-Kids bekannteste Melodie sein, und selbstverständlich führt ihn das Musikmagazin Rolling Stone in seiner Liste der 500 besten Songs aller Zeiten. Veröffentlicht wurde er übrigens erstmals im März 1972 auf dem Album „Machine Head“. Drei Jahre später verließ Ritchie Blackmore zum erstenmal Deep Purple.

Lied als Gute-Hilfe-Projekt

Das Stück fiel damit genau in jene Zeit, in der wir begannen, elaboriertere Wege in Konzerte zu finden, statt nur einen von uns mit einer echt gekauften Karte in die Hallen zu schicken, der dann in irgendwelchen Untergeschossen ein Klo fand, dessen Fester man öffnen konnte, durch das dann die draußen lagernden Horden quollen.

Also mittlerweile kunstvolle Nachzeichnungen der noch relativ primitiven Eintrittskarten mit Rapidographen und Xerox-Kopien, die den flüchtigen Blicken der Eingangskontrolleure standhielten, und so habe ich sie damals erleben können. Den kapitalistischen Gaunerbetrieb tatsächlich mit unseren ohnehin nicht vorhandenen Groschen zu füttern, das kam selbstverständlich nicht in Frage.

Wir lebten damals in einem als „Projekt“ geförderten wunderschönen Haus in Stuttgarter Hanglage für lau, gemeinsam mit einem desertierten US-Soldaten-Junkie und Maoisten und vielen Schulschwänzern, bevor dann erste minderjährige RAF-Sympathisanten und Trebegänger einzogen und das „Projekt“ in die Knie ging und ich nach Indien zog, wohin sich die restlichen Hippie-Herden in jenen Tagen aufmachten.

Tatsächlich aber war ausgerechnet das vorschlaghämmernde „Smoke on the Water“ ein Song, der in wahrhaftiger und echter Hippie-Tradition für Love & Peace und gegenseitige Hilfe Jahre später, 1989, genutzt werden sollte für das „Rock Aid Armenia“, das ins Leben gerufen wurde, nachdem ein fürchterliches Erdbeben Armenien heimgesucht hatte. Die komplette damalige Rock-Aristokratie hatte sich versammelt, um den Song noch einmal einzuspielen und Geld zu sammeln für die gute Sache.

Ausgerechnet David Gilmour, Gitarrist und Sänger der psychedelischen Hippies Pink Floyd, unterstützte tatkräftig das Zustandekommen dieses Rock-Gipfeltreffens mit so unterschiedlichen Halbgöttern wie Keith Emerson mit seinem Moog-Synthesizer und dem Konzertflügel, den er mit einem Bowie-Messer zu bearbeiten pflegte, mit Brian May und Roger Taylor von Queen sowie Tony Iommi von Black Sabbath, den zu hören mir tatsächlich noch vor ein paar Jahren in der Waldbühne vergönnt war und der, so ist gerade zu lesen, einen neuen Song für Ozzy Osbourne geschrieben hat – entweder, das ist offenbar die Lehre im Rockbusiness, sie sterben früh an diversen Überdosen oder gar nicht mehr.

Unfaßbar viele Coverversionen

Aber noch einmal zum besten Riff der Rockgeschichte: Ich hatte damals in einer sehr erbittert geführten Rangelei mit Christoph Schwennicke, seinerzeit Chefredakteur des Cicero, in meiner Eigenschaft als Alt-Hippie für „Sunshine of Your Love“ der britischen Rockband Cream plädiert; wir hauten uns („bababbabababammm“) unsere Favoriten buchstäblich um die Ohren, und da ich lauter bin, dachte ich, der Sieg sei meiner.

Nun aber, nach mehrmaligem Wiederhören und einer eigentlich unerbetenen Einmischung jenes JF-Redakteurs, der mich um diesen Text gebeten hat, muß ich zugeben, daß das Eingangsriff von „Smoke on the Water“ genial ist, im Sinne von genial simpel, so wie ein Riff zu sein hat. Es gibt mittlerweile unfaßbar viele Coverversionen und längst auch eine Videodokumentation über das „Making of“ dieses Jahrhundertsongs.

Ein Unglücksfall, die berückend einfach erzählte Geschichte darüber und – wie die findigen Salzburger Nachrichten bereits zum 40. Jubiläum feststellten: „Vier Töne für die Ewigkeit“: Smoke on the Water!

JF 49/21

Deep Purple erhalten 1971 in Berlin die Goldene Schallplatte Foto: picture alliance / AP Photo | Edwin Reichert
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