Rückkehr zu mehr Ehrfurcht

Joseph Ratzinger war schon als Kardinal für seine kritische Haltung zu einigen Punkten der nicht nur von der zu Bekanntheit gelangten Piusbruderschaft abgelehnten Liturgiereform der sechziger Jahre bekannt. Als Papst hat er nun die Möglichkeit, eine wirkliche Kurskorrektur zu bewirken. Wichtige Meilensteine wurden von ihm schon gesetzt. So hat er betont, daß die alte Messe nie verboten war, und ermöglicht, daß diese jetzt ohne bischöfliche Genehmigung gefeiert werden kann. Ebenso hat er einige Landesbischofskonferenzen aufgefordert, die Wandlungsworte „pro multis“ wieder korrekt mit „für viele“ – statt „für „alle“ – zu übersetzen.

Seit dem Fronleichnamsfest 2008 benutzt der Papst in jeder heiligen Messe auch wieder die Kommunionbank. Dieses liturgische Mobiliar, das den Kommunionempfang im Knien erleichtern soll, ist aus den meisten Kirchen in den siebziger Jahren entfernt worden. Es wurde argumentiert, der mündige Christ solle die Kommunion im Stehen und mit der Hand empfangen. Aber was hier empfangen wird, ist mehr als ein gesegnetes Brot. Es ist der Herr Jesus Christus selbst – „wahrhaft, wirklich und wesenhaft“, wie die katholische Kirche lehrt. Diesen Titel trägt daher auch das vorliegende Buch des deutschstämmigen Weihbischofs von Karaganda in Kasachstan. Der noch recht junge Bischof Athanasius Schneider (Jahrgang 1961) war schon immer ein Verfechter der knienden Mundkommunion. Jetzt hat er ein Buch vorgelegt, das als sein persönliches Glaubenszeugnis gelesen werden kann. Er erinnert daran, daß die Kommunion nicht irgendein geistiges Mahl ist, sondern daß hier eine persönliche Begegnung mit Jesus Christus selbst stattfindet. Damit diese Begegnung fruchtbar wird, sind aber Demut und Ehrfurcht unerläßlich.

Bischof Schneider verdeutlicht die von ihm geforderte Ehrfurcht am Beispiel dreier Frauen zur Zeit der kommunistischen Diktatur in der Sowjetunion. Dann zeigt er die historische Entwicklung des Kommunionempfangs auf, wobei er mit reichem Detailwissen und vielen Zitaten aufwartet und dadurch weitverbreitete Irrtümer korrigieren kann. Immer wieder verweist der Autor auf den heiligen Augustinus, der gesagt hat, daß wir sündigen, wenn wir den Leib Christi empfangen, ohne ihn zuvor anzubeten.

Für dieses äußerst lesenswerte Büchlein hat Malcom Ranjith, der Sekretär der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, das Vorwort geschrieben.

Athanasius Schneider: Dominus est – Es ist der Herr. Gedanken eines Bischofs aus Zentralasien über die heilige Kommunion. SJM-Verlag, Neusäß 2008, gebunden, 67 Seiten, 8 Euro

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