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Das E-Book läßt sich nicht vermöbeln

Viele freuen sich auf das „E-Book“, das elektronisch-digitale Buch für jedermann, das nun angeblich bald die herkömmlichen Papier- und Leinenungetüme aus der Gutenberg-Galaxis ersetzen wird. Aber wird es denn wirklich dazu kommen? Mancherlei Widerstand formiert sich. Nicht zuletzt die Möbeldesigner und Ausstattungs-Spezialisten melden Bedenken an. Was wird, so fragen sie, wenn das E-Book kommt, aus der Bücherwand?

Ja, was wird aus der Bücherwand? Diese ist doch aus der modernen Lebenswelt überhaupt nicht mehr wegzudenken, besonders in gehobenen Kreisen. Kein Politiker, kein Professor, kein Pastor (von Schriftstellern zu schweigen) läßt sich vom Fernsehen interviewen, ohne daß hinter ihm eine Bücherwand aufragt und sich in stattliche Längen zieht, ein Ausweis seines intellektuellen Daseins, ohne den er sich gar nicht mehr vor die Leute traut.

Die Bücherwand ist für das Publikum höchst angenehm anzusehen und stimmt fugengenau in anspruchsvolle Dialoge ein. Sie hat die Kaminecke ersetzt, in der früher die sogenannten Kamingespräche stattfanden. Hier und da gibt es auch heute noch Kamingespräche, doch sie kommen ohne Bücherwand nicht mehr aus. Die Bücherwand hingegen kommt spielend ohne Kamin aus. Sie hat einen ganz eigenen Kanon von Eleganz und wohnräumlicher Gediegenheit entwickelt, der mittlerweile die berühmtesten Designer fasziniert und sie zu verwegenen Zimmerausstattungen anregt.

Was nun, wenn Gedrucktes immer mehr durch Digitales ersetzt wird, wenn in naher Zukunft sogar das E-Buch an die Stelle des „richtigen“ Buches rückt? Es ist kaum größer als ein Zigarettenetui und sieht auch so aus. Ganze Bibliotheken sind eventuell in ihm gespeichert, aber es liegt zusammengeklappt auf dem Tisch neben dem Computer und denkt nicht daran, seinen Besitzer irgendwie vorab zu adeln, ihn Weisheit und Übersicht abstrahlen zu lassen. Und für das Publikum will sich partout keine Atmosphäre von gelassener Welterkundung mehr einstellen.

„Das E-Book läßt sich nicht vermöbeln“, konstatierte kürzlich ein Ikea-Fachmann. Er hatte leider recht. Den Schaden hat letzten Endes der Bücherfreund.

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