Ausverkauf des Deutschen

Je näher die Bundestagswahl rückt, desto mehr Lobbygruppen präsentieren ihre „Wahlprüfsteine“, die den vom jeweiligen Interessenverbund angesprochenen Wählern bei ihrer Entscheidungsfindung helfen sollen. Für Sprachschützer, die sich für die Erhaltung und Pflege einer lebendigen, klaren und verständlichen deutschen Sprache engagieren, hat jetzt Thomas Paulwitz, Schriftleiter der vom Verein für Sprachpflege vierteljährlich herausgegebenen Deutschen Sprachwelt, einige Prüfsteine formuliert.

In der aktuellen Frühjahrsausgabe schreibt er mit Blick auf die Wahlen zum Europaparlament (7. Juni) und zum Deutschen Bundestag (30. September), jeder Sprachfreund habe die Möglichkeit, nur solche Volksvertreter in die Parlamente zu wählen, die sich für die deutsche Sprache einsetzen, statt sie „dem Zeitgeist zum Fraß vorzuwerfen“. Jeder Wähler könne prüfen, ob ein Kandidat in seinen Reden und Texten auf eine verständliche und bürgernahe Sprache achtet, ob er mißverständliche und irreführende Ausdrücke vermeidet, ob er sich für den Gebrauch und das Ansehen der deutschen Sprache einsetzt.

Wahlprüfsteine sind zum Beispiel, so Paulwitz, „ob der Kandidat bereit ist, sich in seiner zukünftigen Parlamentsarbeit dafür einzusetzen, die Flut von Amerikanismen einzudämmen; ob er entsprechende fraktionsübergreifende Initiativen zum Schutz der Verbrauchersprache unterstützen würde; ob er für die Verankerung der deutschen Sprache in der Verfassung stimmen würde; ob er für die Stärkung des Deutschunterrichts in der Schule eintritt; ob er für die Stellung der deutschen Sprache in der Wissenschaft und in der Europäischen Union zu kämpfen bereit ist“. Wer hingegen der Verdrängung des Deutschen tatenlos zusehe, müsse auf die Stimmen von Sprachfreunden verzichten.

Gegen den Ausverkauf der deutschen Sprache wendet sich auch die neue Anti-SALE-Aktion der Deutschen Sprachwelt. In einer Aussendung zum Winterschlußverkauf hatte die Zeitung Geschäftsleute dazu aufgefordert, eine kundenfreundliche Sprache zu verwenden und auf Anglizismen in der Werbung wie „SALE“ zu verzichten. Für eine begleitende Protest-aktion ließen die Sprachwahrer 6.000 Aufkleber drucken, außerdem verbreiten sie ein Flugblatt; beides kann kostenlos bei der Redaktion der Sprachwelt angefordert oder im Internet heruntergeladen werden.

Parallel dazu unterstützt die Deutsche Sprachwelt gemeinsam mit Centaur, dem Kundenmagazin der Drogeriekette Rossmann, den Wettbewerb „Die besten deutschsprachigen Werbesprüche“ der Aktion Deutsche Sprache. Gesucht werden deutsche Werbesprüche in Industrie, Handel, Handwerk und Dienstleistung, die vom 1. April bis zum 31. Juli dieses Jahres verbreitet worden sind. Bewertet werden Ideenreichtum, Treffsicherheit und Humor. Für jede Kategorie können bis zu drei Vorschläge bei der Aktion Deutsche Sprache (Lothringer Str. 33 B, 30559 Hannover) eingereicht werden.

Anschrift: Deutsche Sprachwelt, Postfach 1449, 91004 Erlangen, Telefon: 0 91 31 / 48 06 61, Internet:www.deutsche-sprachwelt.de

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