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Unsichtbare Mächte

In Zeiten des Übergangs, der Unsicherheit und Krisen schlägt regelmäßig auch die Stunde der Obskuranten, Harlekine und Subjekt-Feuilletonisten der verschiedensten Couleur, mit einem Wort: der Verschwörungstheoretiker. Wobei das Fatale an den meisten Verschwörungstheorien ist, daß zumindest ein Körnchen Wahrheit in ihnen steckt. Zwar ist der Begriff selbst ein schillernder, oberflächlicher und bloß modischer, aber gleichzeitig handelt es sich dabei um eine Ausdrucksform, die vor dem ökonomischen Hintergrund des globalen Kasino-Kapitalismus durchaus ihre Konjunktur hat. Ein schönes Beispiel dafür liefert die aktuelle Ausgabe (November/Dezember 2008) der zweimonatlich mit einem Umfang von ca. hundert Seiten erscheinenden Zeitschrift Magazin 2000 plus, deren Herausgeberin und Chefredakteurin bereits in ihrem Editorial keinerlei Zweifel daran aufkommen läßt, daß die jetzige Weltwirtschafts- und Finanzkrise nur der Vorbote für noch turbulenter werdende kommende Zeiten ist. Hinter den kollabierenden Finanzmärkten, dem katastrophalen wirtschaftlichen Verfall und dem finanziellen Kataklysmus erkennt man hier „dieselbe unsichtbare Hand, die hinter allem steht“. Sie kontrolliert nicht nur die Medien und verfolgt „einen vorgefaßten Plan, die Völker um ihr Vermögen zu bringen“, sondern arbeitet auch an der Entstehung „einer immerwährenden globalen Sklavenfarm“. Und natürlich lautet dann die wichtigste Frage in diesem Zusammenhang: Qui bono? — Wem nützt es? Mit der Antwort ist man selbstredend schnell bei der Hand: Es sind „dieselben Charaktere, die hinter den Ereignissen des 11. September 2001 standen“. Deutlich werde dies bereits am Datum und am Ort, denn auch der „vorausgeplante Kollaps der amerikanischen (und globalen) Finanz- und Wirtschaftssysteme“ fand „natürlich wieder die Tage um den 11. September herum in New York City und natürlich Washington, D.C.“ statt. Die „vorgetäuschten synthetischen Terroranschläge“ und der „neue Finanz-9/11 des Jahres 2008“ als Schemata eines „kontrollierten Abbruchs“, gehören nach dieser Lesart zu einem „gottlosen Plan, der Welt den Dritten Weltkrieg aufzuzwingen“. Doch haben viele diese „schmerzliche Erkenntnis“ noch nicht gewonnen und gehen weiter den Lügen der „kriminellen Lobby“ auf den Leim. Tatsächlich werde jedoch mittlerweile eingeräumt, daß „der Euro im Hochofen der Inflation verbrennen wird“, wie Klaus Zimmermann, Chef des angesehenen Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, in einem Gespräch mit der FAZ bereits durchblicken ließ. Allerdings naht Rettung in Form neuer Bündnisse mit dem „lobbyfreien Rußland“, und der von der „Lobby“ verhinderte US-Präsidentschaftskandidat Ron Paul habe ebenfalls keinen Hehl daraus gemacht, was getan werden müsse: nämlich die Zerschlagung der US-Notenbank Fed, deren früherer Chef Alan Greenspan die alleinige Schuld für den Weltzusammenbruch trage, weil er unaufhörlich ungedecktes Papier (Dollar) drucken ließ, das vom Rest der Welt durch echte Währungen eingelöst werden mußte. Anschrift: Argo-Verlag. Sternstr. 3, 87616 Marktoberdorf. Das Einzelheft kostet 8 Euro, das Jahresabo 40 Euro. Internet: www.magazin2000plus.de

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