Schrottkultur

Das Monatsblatt Konkret gehört immer noch zu den meistgelesenen Zeitschriften des linksextremistischen, antideutschen Spektrums. Die Mehrzahl der Texte darin sind zumal für außerhalb linker Zirkel stehende Leser zwar nur schwer verdaulich und eine Zumutung. Doch finden sich auch hier immer wieder Beiträge, die durchaus lesenswert und diskussionswürdig sind. So beispielsweise in der aktuellen Ausgabe (Heft 10/Oktober 2008) ein Text des Jungle World-Redakteurs Jörn Schulz über das inzwischen nicht mehr vom Militär sondern von zivilen Oligarchen regierte Pakistan: „Szenen einer Ehe“. Der Autor zitiert den belutschischen Senator Isarullah Zehri zur Ermordung von fünf jungen Frauen, deren einziges Vergehen es war, Männer ihrer Wahl heiraten zu wollen: Frauen lebendig zu begraben, seien „jahrhundertealte Traditionen, und ich werde sie weiter verteidigen!“ Interessant dabei ist auch, daß der Hauptverdächtige in diesem Fall der Bruder des Bauministers und zudem Mitglied der Pakistan People’s Party (PPP) ist, die sich gerne als säkulare und demokratische Alternative zur Militärherrschaft und zum Islamismus aufspielt. Zwar scheint sich in der Oligarchie langsam die Ansicht zu verbreiten, daß die Dschihadisten zu gefährlich geworden sind, doch ist die Unterwanderung von Armee, Polizei, Justiz und vor allem des Geheimdienstes ISI durch die Islamisten bereits so weit fortgeschritten, daß es wohl nur noch eine Frage der Zeit ist, bis es zu einem Putsch kommt, und das Militär wieder die Macht im Atomstaat Pakistan übernimmt. In der Reihe „’68 — What’s left“ kommentiert Magnus Klaue den „Sturm auf die Ordinarienuniversität“ als „geistes- und bildungsfeindlichen Affekt der Studentenbewegung“, die sich später im notorischen „Busen-Attentat“ auf Adorno „in all seiner antisemitischen Verve selbst Bahn brechen sollte“. Nicht zufällig sei Adorno, „der wie kein anderer auf zum Fetisch erstarrte Traditionen aversiv reagierte, zugleich der schärfste Kritiker jener wütend unmittelbaren Praxisbegeisterung, die alles Alte und Nutzlose vom Feld fegen will und in deren linken Erscheinungsformen er den Widerholungszwang des autoritären Charakters zu erkennen glaubte — genau jenes Fortleben des Faschismus innerhalb der Demokratie, vor dem er am meisten Angst hatte und das die 68er nur bei ihren Vätern, aber nie bei sich selbst zu sehen vermochten“. Wenn Konkret sich jetzt auch noch zu dem Eingeständnis durchringen könnte, daß ’68 in der Tat eine Leere der Vermassung schuf und eine auf einem pluralistischen Totalitarismus beruhende egalitäre Massengesellschaft hervorbrachte, wäre man schon ein gutes Stück weiter. Doch wird es dazu wohl leider nicht kommen, auch wenn Michael Scharang, ehedem Mitglied der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ), in seinem Beitrag „Das Ende der Kultur — endlich“ einige Thesen über Mythos, Kultur und Kulturindustrie verbreitet, die durchaus auch für Rechtskonservative von Interesse sind. So bedeute die „Imagination einer materiellen Gleichheit“ in einer von Konkurrenzkampf und Profitstreben beherrschten Gesellschaft frei nach Ador-no zwangsläufig, daß auch die Kultur, einschließlich der Kritik daran, Schrott ist. Anschrift: Konkret. Ehrenbergstr. 59, 22767 Hamburg. Das Einzelheft kostet 4,80 Euro, das Jahresabo 53 Euro. Internet: konkret-verlag.de

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