Raffinierte innerkirchliche Großintrige

Was im Jahre 2004 geschah und wochenlang im Blätterwald rauschte, kann heute noch von großem Interesse sein, wenn das Thema über den Tag hinausweist. Dies ist beim „Skandal von St. Pölten“ zweifellos der Fall, als Kurt Krenn, Bischof von St. Pölten, weit über Österreich hinaus ins Fadenkreuz liberaler bis kirchenfeindlicher Medien geriet, weil es in seinem konservativ geführten Priesterseminar angeblich zu „Sex-Skandalen“ mit homosexuellem Hintergrund gekommen sein soll. Der attackierte Bischof ließ sich zunächst monatelang von Anfeindungen nicht beirren und trat erst zurück, als er sich mit entsprechendem Druck aus dem Vatikan konfrontiert sah. Offenbar hatte der Vernichtungsfeldzug zahlreicher Medien auch in Rom seine Spuren hinterlassen, und man wünschte dort – wie in solchen Fällen üblich – „Ruhe im Karton“, wofür man durchaus einen glaubenstreuen Bischof „opferte“, der sich zuvor jahrzehntelang für römische Positionen hatte „verprügeln“ lassen. Um – besonders gegenüber Krenn-Anhängern – den Eindruck zu erwecken, daß durchaus alles mit rechten Dingen zugeht, war Klaus Küng, ein als konservativ beklatschter Bischof und Opus-Dei-Mitglied, zum Visitator des „Skandals“ von St. Pölten ernannt worden. Von seinem vermeintlichen Konservatismus blieb bald wenig übrig, er erntete zunehmenden Beifall von linker Seite und ausgewiesenen Krenn-Gegnern wie dem Dauer-Querulanten Pater Udo Fischer oder dem progressistischen Magazin Kirche in. Diese und andere Zusammenhänge und Hintergründe werden in dem kritischen Sachbuch „Der Wahrheit die Ehre!“ akribisch untersucht und durchleuchtet, teils durch Gutachten von Fachleuten, vor allem durch eine profunde sprachwissenschaftliche und medienanalytische Studie von Gabriele Waste, einer ehemaligen Mitarbeiterin der vatikanischen Kurie. Ihr Resultat ist eindeutig: Der „Skandal von St. Pölten“ erweist sich als raffiniertes Konstrukt innerkirchlicher Kreise in Österreich, als Großintrige gegen den unbequemen, weil kämpferisch-glaubenskonservativen Bischof Krenn. Linkslastige Medien dienten dabei als verlängerter Arm jener klerikalen Drahtzieher, zu denen auch Bischöfe zählen, darunter Chrstoph Kardinal Schönborn aus Wien oder Weihbischof Heinrich Fasching aus St. Pölten, vor allem aber „Visitator“-Bischof Klaus Küng, der nach getaner „Saubermann-Arbeit“ die Nachfolge des geschaßten Bischof Krenn antrat und sich schon bald linksmodernistischen Kreisen in die Arme warf, etwa dem „Forum XIII.“. Das Buch deckt zahlreiche Medien-Lügen und klerikale Intrigen auf, mit denen Bischof Krenn zu Fall gebracht wurde, es verweist auch auf Tatsachen, die von interessierter Seite gern verschwiegen werden, so etwa auf den siegreichen Medienprozeß von Prälat Ulrich Küchl, dem attackierten Regens des Priesterseminars von St. Pölten. Im Dezember 2007 gewann er in letzter Instanz und nunmehr rechtskräftig gegen das linksliberale Magazin Profil, das ihn und seinen Mitbruder, Subregens Wolfgang Rothe, im Juni 2004 öffent-lichkeitswirksam verleumdet hatte. Damit wurde jener Vernichtungsfeldzug auch juristisch entlarvt und die Ehre der Seminarleitung wiederhergestellt – allerdings leider nur rechtlich. Seitens der meisten Medien und modernistischer Kirchenkreise fand dieser Sieg kaum Beachtung. Wer kennt solche Vorgänge nicht in ähnlicher Form auch aus anderen Kampagnen gegen unliebsame Persönlichkeiten in Politik und Kirche? Felizitas Küble Reinhard Dörner (Hrsg.): Der Wahrheit die Ehre! Der Skandal von St. Pölten. Verlag des Kardinal-von-Galen-Kreises, Stadtlohn 2008, broschiert, 196 Seiten, 15,50 Euro

Unterstützung

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen

Hierfür wurden keine ähnlichen Themen gefunden.