Manipulationen des Bewußtseins

Der auf Militär- und Sicherheitsfragen spezialisierte britische Autor und Dokumentarfilmer Dominic Streatfeild wagt sich mit seinem neuen Buch in die zwielichtige Welt der Geheimdienste, Wahrheitsdrogen, Halluzinogene, religiösen Kulte, Hypnose, unterschwelligen Botschaften und falschen Erinnerungen. Beginnend mit den Interviews militärischer Verhörspezialisten der US- und britischen Armee berichtet Streatfeild rückblickend über die Moskauer Schauprozesse in den 1930er Jahren, in denen die unter Drogen gesetzten Angeklagten begeistert ihren eigenen Tod forderten, und den Schauprozeß gegen den ungarischen Kardinal József Mindszenty im Oktober 1948, der während seiner Verhandlung den Raub der Kronjuwelen, die Planung des Dritten Weltkriegs und die beabsichtigte Krönung Ottos von Habsburg zum Kaiser Ostmitteleuropas gestand. Doch verfügten längst nicht nur die kommunistischen Diktaturen über Mittel und Technik, die sie in die Lage versetzten, Geständnisse zu erreichen und Gefangene gefügig zu machen. Unerschrocken beschreibt der Autor auch die Mißhandlungen deutscher Kriegsgefangener durch die Briten 1945, bei denen Wehrmachts- und Waffen-SS-Angehörigen durch Anwendung psychologisch ausgefeilter Verhörmethoden ihre Willenskraft gebrochen und sie zu völlig absurden Geständnissen gezwungen wurden. Mehr ist heute bereits über die LSD-Experimente des MI 6 und die geheime Hypnose- und Drogenforschung der CIA mit nichtsahnenden Zivilisten als Versuchskaninchen bekannt. Ausgehend von den Berichten ehemaliger Kriegsgefangener aus Nordkorea, die während des Koreakriegs von chinesischen Verhörspezialisten in ihrer langen Isolationshaft indoktriniert und teilweise zu sogenannten „Schläfern“ ausgebildet worden waren, begannen zivile und Militär-Psychologen die Auswirkung von Konditionierung der menschlichen Persönlichkeit und ihrer Psyche zu erforschen. Die erklärte Absicht war, das Gehirn so radikal zu verändern, bis die behandelte Person als lebende Marionette die erwünschten Geständnisse abspulte. Im Ostblock wurde die Pawlowsche Gehirnwäschemethode bevorzugt, die vor allem auf Reflexreaktionen und Angsterzeugung beruhte, während man im Westen mehr und mehr auf die Potenz von Wahrheitsdrogen und „Narkoanalysen“ setzte. Zum Einsatz kamen dabei Barbiturate, Meskalin, Scopolamin, synthetische Cannabinoide und schließlich auch LSD. Dominic Streatfeild: Gehirnwäsche. Die geheime Geschichte der Gedankenkontrolle. Zweitausendeins. Frankfurt 2008, broschiert, 454 Seiten, 24,90 Euro

Probeabo JF 2021 Gratis lesen

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
Hierfür wurden keine ähnlichen Themen gefunden.
aktuelles