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Kaltgestellt

Lorenz Jäger gehört in der deutschen Journalistenzunft zum kleinen Häuflein derer, die kaum je ein Blatt vor den Mund nehmen, wenn es darum geht, Sachverhalte zu beschreiben oder die eigene Haltung zu markieren; seine Texte zählen zu den interessantesten und besten, die das Feuilleton der FAZ nach diversen personellen Aderlässen noch zu bieten hat. Zuweilen jedoch muß selbst ein so honoriger Autor wie Lorenz Jäger Rücksicht walten lassen. So geschehen vorigen Freitag in seiner Würdigung des Berliner Historikers Ernst Nolte zu dessen 85. Geburtstag. Natürlich weist Jäger darauf hin, daß der Historikerstreit 1986 mit einem Artikel Noltes in der FAZ („Vergangenheit, die nicht vergehen will“) begann, und er erwähnt auch die Ächtung, der Nolte infolge dieser geschichtspolitischen Großkontroverse in Deutschland anheimgefallen ist. Daß die FAZ, die sich im Untertitel mit selbstbewußtem Anspruch „Zeitung für Deutschland“ nennt, hierbei eine ausgesprochen unrühmliche Rolle spielte und Nolte ebenfalls kaltstellte bzw. abservierte, muß Jäger ganz im Sinne seines Brötchengebers allerdings verschweigen. Dabei war der 1923 in Witten an der Ruhr geborene, später zunächst als Gymnasiallehrer für Deutsch und Griechisch an verschiedenen Schulen unterrichtende und 1964 mit der bahnbrechenden Studie „Der Faschismus in seiner Epoche“ habilitierte Ernst Nolte viele Jahre lang ein gefragter und immer wieder gern gedruckter Autor der FAZ – bis er eben auch dort zu einer persona non grata, einer unerwünschten Person erklärt wurde. Das blieb selbst der Linken nicht verborgen. Als Nolte vor zehn Jahren seinen 75. Geburtstag feiern konnte, erschien in dem ehemaligen FDJ-Organ Junge Welt ein (ansonsten recht dümmliches) Porträt von ihm, in dem es hieß, Nolte sei seit ein paar Jahren „mega-out“. Den Grund dafür lieferte Autor Georg Fülberth unter ausdrücklicher Bezugnahme auf die FAZ gleich mit: „Das liegt nicht daran, daß ihn etwa die Linken erfolgreich bekämpft hätten, sondern ihn haben seine eigenen Kumpane fallengelassen.“ Den „reputier­lichen bürgerlichen Meinungsmachern“ sei Nolte „zur Zeit unheimlich“. Während der 1991 emeritierte Geschichtsprofessor im Ausland, insbesondere in Italien, weiterhin ein wohlgelittener Autor und Vortragsredner war und er hierzulande mehr als ein halbes Dutzend Bücher veröffentlichte, blieb Nolte nicht nur für die FAZ, sondern für die meisten deutschen Printmedien tatsächlich ein Unberührbarer. Daran änderte auch die Verleihung des Konrad-Adenauer-Preises für Wissenschaft der CDU-nahen Deutschland-Stiftung im Juni 2000 und die Laudatio des Direktors des renommierten Münchner Instituts für Zeitgeschichte (IfZ), Horst Möller, nichts. Im Gegenteil, die Invektiven gegen Nolte setzten erneut ein. Inzwischen scheint Ernst Nolte damit recht gelassen umzugehen. Seit 2004 unterhält er eine eigene Internetseite (www.ernst-nolte.de), die Interessierten einen ungefilterten Einblick in sein Lebenswerk bietet, das „an das Nachdenken der Einzelnen appelliert“. Foto: Ernst Nolte: Der Geschichtsdenker will Motive verstehbar machen

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