Kahlschlag ist kein Klimaschutz

Um auf die drohende Zerstörung der Regenwälder aufmerksam zu machen, gründete sich 1986 die Umweltorganisation „Rettet den Regenwald e.V.“, die als Teil ihrer Öffentlichkeitsarbeit viermal im Jahr die Zeitschrift Regenwald-Report herausgibt. Neben der Informationsarbeit in Deutschland engagieren sich die „Wächter des Waldes“ direkt in den Regenwaldländern. So kaufen sie beispielsweise Land, auf dem Sperrgrundstücke gegen die Vernichtung der Wälder angelegt werden, helfen finanziell bei juristischen Auseinandersetzungen, dokumentieren Menschenrechtsverletzungen und bringen Naturschützer zusammen, damit der Widerstand mehr Kraft bekommt – und die Regenwälder für die nächsten Generationen erhalten bleiben. So werden in Argentinien zwei alternative Radioprogramme finanziell unterstützt, die eine landesweit wachsende Zuhörerschaft über die katastrophalen Sozial- und Umweltfolgen der Agrarindustrie aufklären. Inzwischen verstehen bereits zahlreiche Menschen, daß die Zerstörung der für unser Ökosystem lebenswichtigen Regenwälder für die Gewinnung von Treibstoff und Strom eine irrsinnige Idee ist, die zudem jeder ökologischen und humanitären Logik entbehrt. Der bayerische Europaminister Markus Söder (CSU) bezeichnete es daher auch völlig zu Recht als „ökologischen Unfug, wenn in Brasilien der Regenwald abgeholzt wird, um Autofahrer in Europa mit Biosprit zu versorgen“. Die EU habe bei den Agrarsprit-Zielen die Folgen für den Regenwald sträflich unterschätzt. In der Tat hat ein aktueller Bericht der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission an die EU den europäischen Agrarsprit-Plänen ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt und eindringlich vor den verheerenden ökologischen und sozialen Problemen und Folgen gewarnt. Erfreulicherweise verhindern jedoch massive Proteste immer öfter die Pläne der Agrar-Industriekonzerne, Minengesellschaften und Holzhändler. So konnte in Papua-Neuguinea das Großprojekt eines malaysischen Konzern gestoppt werden, 60.000 Hektar Palmöl-Plantagen auf der nur 85.000 Hektar großen Insel Woodlark anzulegen. Der gemeinsame Widerstand der Inselbewohner gegen den geplanten Kahlschlag ihrer Regenwälder und der internationale Druck von Naturschutzverbänden zeigte diesmal Wirkung. Auch die Regierung von Ecuador erklärte im Januar 2008 fast 600 Bergbaukonzessionen für nichtig und verhinderte damit den drohenden Kupferabbau in den Bergnebelwäldern der Region Intag nordwestlich der Hauptstadt Quito. Doch treiben Regierung und private Investoren andererseits den Anbau von Agrarkraftstoffen voran, kaufen die fruchtbaren Böden auf und verdrängen die lokale Bevölkerung von ihrem Land, um aus Palmöl Agrardiesel für den Export herzustellen. Dafür werden nun auch noch die letzten Reste des Chocó-Regenwaldes gerodet. „Rettet den Regenwald“ unterstützt daher mit Spenden und Kampagnen die einheimischen „Wächter des Waldes“, Kleinbauern und Waldvölker, die sich gegen den Landraub und die Plünderung ihres Lebensraums oft unter Einsatz ihres Lebens mutig zur Wehr setzen. Anschrift: Rettet den Regenwald e.V., Friedhofsweg 28, 22337 Hamburg. Jahresabo 10 Euro. Internet: www.regenwald.org

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