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Verfrühte Bilanzen

Es gibt Menschen, die sich verpflichtet fühlen, Bücher, die sie gekauft haben, bis zum Ende zu lesen. Diesen Menschen kann man „Merkelland“ nicht empfehlen. Wer sich aber mit der Hälfte zufrieden gibt, findet in Richard Mengs Schrift eine sehr interessante Analyse der letzten Jahre Schröders sowie des Übergangs zur Merkel-Regierung. Meng, stellvertretender Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, befaßt sich insbesondere mit der psychologischen Stimmung in Deutschland in den letzten Jahren und der Frage nach ihren politischen Konsequenzen. Gleich am Anfang stellt er fest, daß „die rot-grüne Generationserfahrung einschließlich ihres konservativen Feindbildes kaum noch zu vermitteln“ sei. Nach Meng führt das zu einer Entfremdung der Wähler von Rot-Grün. Im Kapitel „Auszug aus Schröderland“ wird er noch deutlicher: „Mit Rot-Grün“ kollabiert binnen weniger Monate ein „Generationenprojekt“ – das der 68er.Die Stimmung im Lande sei immer schlechter geworden, und es habe sich eine Art Verweigerungshaltung in der Bevölkerung eingestellt. Die Bürger wollten nichts mehr von Schröder & Co. wissen, egal was sie unternahmen. Merkel hatte das große Glück, ein Volk vor sich zu haben, das auf jeden Fall in guter Stimmung sein wollte. Deshalb durfte sie Härten wie Steuererhöhung, Streichung diverser Steuerbegünstigungen usw. durchsetzen, die Schröder nie gewagt hätte. Mit Merkel setzt sich eine neue, etwas konservativere, aber vor allem pragmatischere Generation durch. Wobei pragmatisch bedeutet: „Wie bleibe ich an der Macht?“ Damit erklärt Meng die vielen Widersprüche und die diskrete Kommunikationspolitik der Bundeskanzlerin. Mengs Analyse umfaßt etwa die Hälfte des Buches, danach versucht er die tagespolitischen Themen und ihre Protagonisten zu analysieren, um schließlich prophetisch zu werden. Diesen Teil, wesentlich sperriger und langweiliger geschrieben, kann man sich getrost schenken. Man sollte ohnehin abwarten, wie sich 2007 die Gesundheitsreform, die Unternehmensbesteuerung und die wirtschaftliche Lage insgesamt entwickeln, um eine aufschlußreichere Analyse vornehmen zu können. Richard Meng: Merkelland. Wohin führt die Kanzlerin? Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2006, 256 Seiten, broschiert, 8,95 Euro

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