„Spirituelle Anstrengung“

In der EU gibt es Bestrebungen, die Terminologie zum islamisch motivierten Terrorismus zu säubern. Wie die Nachrichtenagentur Reuters jüngst meldete, bereitet die Brüsseler Kommission ein „Lexikon“ mit Ausdrücken vor, die EU-Beamte und Politiker nicht mehr verwenden sollen. Allen voran die Wendung „islamic terrorism“ dürfe nicht mehr ausgesprochen werden. Statt dessen sollte man sich um „sensible Sprache“ bemühen. So sollte stets nur von Terroristen die Rede sein, die „mißbräuchlich“ den Islam anriefen. Auch das Beiwort „fundamentalistisch“ für bestimmte islamische Gruppen sei in offiziellen Dokumenten problematisch und daher zu vermeiden. Erstaunlich ist, welche Umwertung der Begriff „Dschihad“ durch das EU-„Lexikon“ offenbar erfährt. Während allgemein der „Dschihad“ mit „Heiliger Krieg“ übersetzt und als militärische Aggression gegen die „Ungläubigen“ interpretiert werde, bedeute der Begriff in Wahrheit etwas ganz anderes, nämlich eine „spirituelle Anstrengung“: „Dschihad ist ein absolut positives Konzept, der Versuch, das Böse in einem selbst zu bekämpfen“, zitiert Reuters einen hohen EU-Beamten, der aber anonym bleiben möchte. Ohnehin, so die Nachrichtenagentur, sei das geplante „Lexikon“ nur zum internen Gebrauch bestimmt und solle der Öffentlichkeit nicht bekanntgemacht werden. Hinter den Bemühungen um ein Orwellsches „Neusprech“ zum Islam steht mit hoher Wahrscheinlichkeit der Vizepräsident der Europäischen Kommission und EU-Justizkommissar Franco Frattini (49). Schon während des Karikaturenstreits hatte der Italiener als einer der ersten die Partei der von Klerikern aufgehetzten muslimischen Massen ergriffen. In einem Interview mit dem Daily Telegraph im Februar hatte der EU-Kommissar die europäischen Medien aufgefordert, mehr „Selbstregulierung“ zu betreiben und einen „Verhaltenskodex“ zum Thema Islam zu erarbeiten. Nachdem diese Bemerkungen für einige Irritationen sorgten, korrigierte der Jurist Frattini, er habe nicht die Pressefreiheit in Frage stellen wollen. „Es gab niemals, noch wird es jemals Pläne von der Europäischen Kommission geben, irgendeine Art EU-Regulierung zu haben, zudem gibt es gar keine rechtliche Basis für so etwas“, verkündete er damals. Nun wird doch EU-intern die Sprache bereinigt und „Selbstregulierung“ betrieben. Die clevere semantische Differenzierung im Deutschen zwischen „islamisch“ (gut) und „islamistisch“ (böse) ist im Englischen, der Amtsprache der Eurokraten, wenig bekannt. Frattini gehört in Brüssel zu den eifrigen Warnern vor angeblich irrationaler „Islamophobie“ in Europa. Konflikte mit der islamischen Welt und islamischen Einwanderern möchte der EU-Kommissar für „Justiz, Freiheit und Sicherheit“ entschärfen, indem er die westlich-europäische Seite zur Mäßigung und politisch korrekten Sensibilität anhält, während Maßlosigkeit und verbale wie physische Aggression der muslimischen Seite heruntergespielt werden. Foto: EU-Kommissar Frattini

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