Offener Geheimbund

Nicht erst seit Dan Browns erfolgreichem Roman „Sakrileg“ steht das 1928 gegründete Opus Dei („Werk Gottes“) im Kreuzfeuer der Kritik liberaler und linker Medien, aber auch modernistischer Kirchenkreise. Während der US-Autor in seinem Bestseller ein Mitglied des Opus Dei als Serienmörder im Auftrag des Vatikans meucheln läßt und auch sonst allerlei historisch und theologisch Unhaltbares verkündet, handelt es sich bei der in den Medien verbreiteten Kritik in der Regel um die immer gleichen Vorwürfe: Opus Dei sei eine „Geheimorganisation“ mit streng hierarchischem Aufbau, sei „eng verbündet“ mit mächtigen Wirtschaftsgruppen, habe während der Regierungszeit Francos in Spanien „beste Kontakte“ gepflegt und praktiziere nach wie vor „mittelalterliche Bußübungen“ wie das Tragen eines sogenannten Bußgürtels. Wer dagegen ernsthaft an Informationen über Opus Dei interessiert ist, bekommt diese auch ohne weiteres, und ist dann recht erstaunt, daß von den Vorwürfen wenig übrigbleibt. Weder ist Opus Dei eine Geheimorganisation (es können sowohl Kleriker als auch Laien dort Mitglied werden, wobei die Laien aus den verschiedensten Berufsgruppen kommen) noch ist das Tragen eines Bußgürtels Pflicht, sondern geschieht – wenn überhaupt – nur auf freiwilliger Basis. Im Franco-Spanien waren Opus-Dei-Mitglieder sowohl in der Regierung als auch in der Opposition zu finden. Und die von Opus Dei mehrfach angebotenen Diskussionen über die Verfilmung von Dan Browns Buch wurden von den Filmemachern, allen voran Regisseur Ron Howard, brüsk abgelehnt. Im übrigen kann man gerade Opus Dei nicht zu den traditionalistischen bzw. konservativen Bewegungen innerhalb der Katholischen Kirche zählen, weil es vorbehaltlos zu den umstrittenen Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils steht und in jeder Hinsicht als „papsttreu“ gilt. Wohl kaum wäre der Gründer von Opus Dei, Josemaria Escrivá, sonst von Johannes Paul II. 1992 selig- und am 6. Oktober 2002 heiliggesprochen worden. Da der „gewöhnliche Gläubige“ nicht „in der Kirche“ lebt, sondern in seiner Familie, in der Gesellschaft, an seinem Arbeitsplatz, muß der „christliche Glaube“ sich aus der Sicht von Opus Dei „in dieser Welt bewähren“. Einmal abgesehen davon, daß es keinen „christlichen Glauben“, sondern nur eine christliche Religion gibt, enthalten solche Äußerungen nichts Sensationelles, die allerdings, wenn man sie genauer reflektiert, durchaus auch düstere Perspektiven eröffnen können. Gutes zu tun, Böses zu unterlassen und sich um Gerechtigkeit zu bemühen, wer wollte das nicht? Was aber macht der moderne und aufgeklärte Christ, wenn er nicht mehr weiß, was das alles ist? Am irritierendsten im aktuellen „Newsletter“ ist jedoch die Aussage des Augsburger Bischofs Walter Mixa, daß „Jesus uns in allen Menschen begegne“. Wenn schon ein katholischer Bischof nicht mehr weiß, daß man in einigen Menschen auch etwas ganz anderem begegnen kann, nämlich Jesu altem Widersacher, dann ist allerdings höchste Vorsicht geboten. Internet: www.opusdei.org

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