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Dialog nach Diktat

Im Kern ist es ein einziges Zitat aus seiner Regensburger Vorlesung von vergangener Woche, das Papst Benedikt XVI. in den Fokus wütender Proteste in der islamischen Welt rücken ließ. Es handelt sich um eine Einlassung des byzantinischen Kaisers Manuel II. Palaeologos in einem Dialog mit einem gebildeten Perser über das Christentum und den Islam. Als das Gespräch auf das Thema „Religion und Gewalt“ kommt, provoziert Manuel II. seinen Gesprächspartner mit der rhetorisch zugespitzten Bemerkung: „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, daß er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten.“ Dieses Gespräch soll 1391 stattgefunden haben; in einer Zeit also, in der die Expansion des Osmanischen Reiches schnell voranschreitet und Byzanz in einen hundertjährigen Existenzkampf verwickelt ist, an dessen Ende die blutige Eroberung Konstantinopels im Jahre 1453 steht. Dieser Hintergrund beleuchtet die von Benedikt XVI. selbst als „schroff“ bezeichnete Form der Ausführungen Manuels II. Hätte der Papst voraussehen können, was aus dieser Passage seiner anspruchsvollen und hochreflektierten Ausführungen zum Thema „Glaube und Vernunft“ in bestimmten islamischen Kreisen gemacht werden würde? Wohl kaum, denn es kann in keiner Weise davon die Rede sein, daß der Islam oder auch nur irgendein Moslem beleidigt worden sein könnte. Und außerhalb aller Vorstellungen für alle, die im Auditorium Maximum der Regensburger Universität anwesend waren, lag wohl die Art und Weise, wie diese Rede nun für haßerfüllte Tiraden instrumentalisiert wird. Um hier nur einige Beispiele aus der laufenden Berichterstattung zu nennen: Die Terrororganisation al-Qaida nahm die Vorlesung des Papstes zum Anlaß, zum „Krieg gegen die Christen“ aufzurufen. Irans geistliches Oberhaupt Ajatollah Ali Khamenei sieht in den umstrittenenen Passagen der Papst-Rede das „letzte Glied eines Komplotts für einen Kreuzzug“ und nennt den Papst selbst einen „Kreuzzügler“. Der einflußreiche islamische Rechtsgelehrte Scheich Jussuf al-Karadawi ruft weltweit zu einem „Tag des friedlichen Zorns“ auf; Muslime sollen nach der Freitagspredigt in den Moscheen gewaltlos gegen das katholische Kirchenoberhaupt protestieren. Karadawi, der bereits während des „Karikaturenstreites“ einen „Tag des internationalen Zorns“ forderte, war es auch, der die Klarstellung Benedikts XVI. am vergangenen Sonntag mit der Bemerkung vom Tisch wischte: „Das sind keine Entschuldigungen. Das ist ein an die Muslime gerichteter Vorwurf, daß sie seine Worte nicht verstanden haben“, und ultimativ forderte, daß der Dialog zwischen Muslimen und Christen eingestellt werde, solange Benedikt XVI. seine Worte nicht zurückziehe. In dieser aufgeheizten Atmosphäre steht nicht zu erwarten, daß die Versuche des Vatikans, die Lage zu entschärfen, wirklich greifen. So sind die Botschafter des Kirchenstaates in den muslimischen Ländern angewiesen worden, den Text der Papst-Rede bekanntzumachen. Sie sollen die „bisher nicht beachteten Elemente hervorheben“, erklärte Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone der italienischen Tageszeitung Corriere della Sera. Der Vatikan und an seiner Spitze der Papst sehen sich als Opfer einer „schweren Manipulation“ des Textes. In der Tat spielt das, was wirklich gemeint war oder gesagt wurde, eine ähnlich marginale Rolle wie bei vorhergegangenen Empörungswellen, die seit 1989 („Fall Rushdie“) die islamische Welt durchlaufen. Wir haben uns angewöhnt, dieses Phänomen unter die Rubrik „Kampf der Kulturen“ zu subsumieren. Nach den Thesen des US-Politikwissenschaftlers Samuel P. Huntington stehen wir heute nicht vor Auseinandersetzungen, die politischer, ideologischer oder wirtschaftlicher Natur sind, sondern vor Konflikten zwischen Angehörigen unterschiedlicher Kulturkreise. Für den Westen sieht Huntington vor allem zwei Herausforderungen: einen wiedererstarkten Islam und den Aufstieg Chinas. Die Beziehungen des Westens zu diesen „Herausforderer-Kulturen“ gestalteten sich besonders schwierig. Eine Folge dieser Auseinandersetzungen sei ein Verlust von relativer Macht, den der Westen zu gewärtigen habe. Hier liegt wohl ein Erklärungsansatz für die Heftigkeit der Reaktionen in der islamischen Welt, die nicht nur fanatische Islamisten umfaßt. Es sind aber die Islamisten, die in diesen Empörungen den idealen Resonanzboden für ihre politischen Ziele sehen. Ihnen geht es darum, Geschlossenheit herzustellen bzw. den Muslimen begreifbar zu machen, daß sie sich in einem schicksalhaften Kampf mit einem ihnen feindlich gesonnenen Westen befinden. Diese Botschaft zu verbreiten, ist eines der Kernziele von al-Qaida, das bestrebt ist, diesem Ziel soviel Medienaufmerksamkeit wie nur möglich zu verschaffen. Osama bin Laden und die Seinen bedienen sich ganz bewußt der modernen Massenmedien, wie die beiden französischen Politikwissenschaftler Gilles Keppel und Jean-Pierre Milelli feststellten: „Bin Laden setzt sehr viel mehr auf Fernsehbilder als auf ideologische Statements, denn sie kommen bei einem jungen arabischen Publikum an, das sehr viel stärker vom Fernsehen geprägt ist als von einem maroden Schulsystem.“ Offensichtlich werden im Zuge der von Islamisten geschürten Kampagnen auch mehr und mehr moderate islamische Kreise infiltriert, die durch Miteinstimmen in den Chor der antiwestlichen Eiferer möglicherweise hoffen, Angriffen der Islamisten entgehen zu können. Tatsachenverdrehungen und böswillige Unterstellungen, wie am Beispiel der Papst-Rede wieder deutlich wurde, kommen nicht von ungefähr zustande, sondern werden von islamistischen Kreisen bewußt eingesetzt. Worum es letztlich geht, drückte Bin Laden in seiner „Botschaft an seine muslimischen Brüder in aller Welt“ vom 23. August 1996 wie folgt aus: „Man kann den Angreifer (sprich: den Westen, d. V.) nur zurückschlagen mit der Gesamtheit der Muslime. Darum müssen sie vorübergehend beiseite lassen, was sie trennt …“ Die Herstellung der Diskurshoheit ist ein erster entscheidender Schritt in diese Richtung. Eine Kommunikation zwischen dem Christentum und dem Islam soll es nur innerhalb jener Bahnen geben, die der Islamismus, der behauptet, den wirklichen Willen Gottes zu kennen, zuläßt. Das heißt aber nichts anderes, als daß der Westen genötigt werden soll, die freie Rede im Gespräch mit dem Islam aufzugeben. Eine Entschuldigung des Papstes, die derzeit immer wieder eingefordert wird, käme einer Bestätigung dieser islamistischen Nötigungsstrategie gleich.

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