Verlorenes

Lost in the Deep Blue“: So heißt das vierte Album des Mannheimer Musikers Frank Gingeleit innerhalb von zwei Jahren, das vor kurzem bei dem Label Fünfundvierzig 151 erschienen ist. Das Album ist eine Wiederveröffentlichung, weil der 1956 in Esslingen am Neckar geborene Gingeleit wie bei seinen drei bisherigen Arbeiten auch zunächst den Weg der Privatveröffentlichung gewählt hat. Gingeleit kann als „Spätberufener“ bezeichnet werden, das heißt er hat erst in seinen Vierzigern mit der Aufnahme von Alben begonnen. „Lost in the Deep Blue“ ist ausschließlich mit Gitarre und Gitarrensynthesizer aufgenommen. Damit setzt sich Gingeleit von seinen Vorgängeralben ab, die auf Synthesizer-Klängen basierten. Auch wenn dieser Mannheimer Musiker ein Neueinsteiger auf dem offiziellen Musikmarkt ist – er kann auf eine lange Erfahrung beim Mischen von Stilen, der Nutzung anspruchsvoller Aufnahmetechnik und dem Aufspüren rhythmischer und melodischer Zusammenhänge verweisen. Der Klangtüftler Gingeleit hat im Laufe der Jahre eine eigenständige Handschrift entwickelt, die mehr und mehr öffentliche Resonanz erfährt. Der Reiz seiner aktuellen elektroakustischen CD liegt darin, daß sie nicht, wie viele andere Alben im Bereich der elektronischen Musik, eintönig wird, sondern bei jedem neuen Hören neue Klangdimensionen erschließt. Dies gilt für alle acht Kompositionen des Album, das mit dem traumverlorenen „upbeat Jazz-Shuffle“-Stück „East of India“ eröffnet wird. Den Höhepunkt der CD bildet das Titelstück „Lost in the deep Blue“, das an die psychedelischen Ausflüge der 1970er Jahre von (legendären) Gruppen wie Tangerine Dream erinnert. Aber auch Assoziationen zu den Klangreisen eines Jon Hassell, Jean-Michel Jarre, Brian Eno oder den deutschen Elektronik-Künstlern Klaus Schultze und Manuel Göttsching stellen sich ein. Trotz der vielfältige Bezüge ist Gingeleit in seiner kreativen Verknüpfung völlig eigenständig. Auch deshalb wünscht man dieser ambitionierten Aufnahme viele Hörer. Um eine Wiederveröffentlichung handelt es sich auch bei Hank Mobleys im Oktober 1967 aufgenommenen Album „High Voltage“, das seit kurzem wieder im Handel ist (Blue Note Records: RVG-Edition). Der Hardbop-Tenorsaxophonist Mobley hat auf diesem Album mit Richard Mitchell (Trompete), Jackie McLean (Altsaxophon), John Hicks (Klavier), Bob Cranshaw (Baß) und Billy Higgins (Schlagzeug) eine illustre Schar von Kollegen zusammengebracht. Von der Zeitschrift Melody Maker einmal als „Vater des Hardbop“ bezeichnet, hatte Mobley seine beste Zeit in den 1950er und Anfang der 1960er, bis sein eher lyrisches Spiel spätestens Mitte der sechziger Jahre nicht mehr en vogue war. Der Durchbruch gelang ihm als Mitglied von Art Blakeys Jazz Messengers, denen er eine Zeitlang angehörte. Den Intentionen Mobleys auf „High Voltage“ kommt man näher, wenn man sich von der elektrischen Bedeutung von „voltage“ (dt: Spannung) löst und die zweite Übersetzungsvariante ins Auge faßt. „Voltage“ kann nämlich auch als „intensives Gefühl“ übersetzt werden. Intensiv sind die (Hör)Gefühle allemal, die die vielen gelungenen Soli und der Dialog von Mobley mit seinen Mitmusikern auslösen. Dieses Album markiert noch einmal einen Höhepunkt der Hardbop-Ära. Bedauerlich bleibt es, daß dieses Album quasi auch das Ende der großen Blue-Note-Karriere von Mobley markierte. Ende der 1970er Jahre bis zu seinem Tod veröffentlichte Mobley mehrere Blue-Note-Alben wieder oder zum ersten Mal, an seine Erfolge konnte er aber nicht anknüpfen. Von Drogenproblemen gezeichnet, verstarb dieser bemerkenswerte Musiker am 30. Mai 1986.

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