Joachim Kuhs

 

Verkaufsschlager Hitler

Tiere und Kinder gehen gut, Sex geht noch besser. Kaum zu toppen aber ist Hitler, jener Zombie aus der deutschen Geschichte, die partout nicht vergehen will. Bald 60 Jahre nach dem Ende des Dritten Reiches verspricht Hitler, mehr denn je, hohe Auflagen. Diese Journalisten-Weisheit haben besonders die Spiegel-Macher verinnerlicht. Wann immer sich ein Anlaß bietet, und sei er auch noch so konstruiert, macht das Hamburger Nachrichtenmagazin groß mit Hitler auf. Die einschlägigen Titel klingen dann wie aus der Geschichtswerkstatt des ZDF-Haushistorikers Guido Knopp: „Hitlers letzte Tage“ (14/1995), „Hitler: Vollstrecker des Volkswillens?“ (33/1996), „Hitlers langer Schatten“ (19/2001), „Hitlers Stalingrad“ (51/2002). Mindestens zwölfmal hatte der Spiegel in den letzten zehn Jahren Hitler auf dem Titel, zuletzt erst in der vergangenen Woche mit einem Bild neben dem von Kaiser Wilhelm II. zum Auftakt einer Serie über den Ersten Weltkrieg. Vor diesem Hintergrund erstaunen die Seitenhiebe, die das Blatt in dieser Woche austeilt. „Hitler alt, Hitler jung, bloß keine Pause im negativen Prominentenkult“, heißt es in einem Beitrag über die Fernsehfilme zum sechzigsten Jahrestag des Stauffenberg-Attentats vom 20. Juli 1944. Da ist die Rede von der „braunen Jubiläumsglocke“ und einer „öffentlich-rechtlichen Nazi-Beschwörung“. Und: „Die Faszination des bösen Greises kennt keine Altersschranke, sie scheint Quote zu garantieren“, greint der Spiegel – und ignoriert geflissentlich, daß er selbst im Glashaus sitzt.

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