Haarsträubend, aber wahr

Daß es um die Wahrheit in deutschen Medien nicht immer gut bestellt ist, wußte man spätestens seit Udo Ulfkottes Erfolgsbuch „So lügen Journalisten“. Nun hat ein weiterer Udo, der ebenfalls aus der Journalistenzunft stammt, Ulfkottes spannenden Tatsachenbericht mit einem eigenen Buch noch einmal bestätigt. Zwar geht es hier in der Regel um den Boulevard, Bild und RTL also, und dementsprechend locker vom Hocker ist es auch geschrieben, doch das tut der Sache keinen Abbruch. Was Udo Schulze, so heißt – oder nennt sich – der Mann, über seine Kollegen in den Redaktionsstuben der Boulevardmagazine, egal ob in den Printmedien oder im TV schreibt, ist so haarsträubend, daß man zunächst geneigt ist, das alles für einen schlechten Scherz zu halten. Ist es aber nicht! Ob es um die Doppelzüngigkeit der Blätter geht oder um den Journalismus in Deutschland als „Tummelplatz der Eitelkeiten, Treffpunkt von Barbaren und Cholerikern, von Kranken und Diktatoren“, der Autor nimmt im wahrsten Sinne des Wortes kein Blatt vor den Mund und schreibt frisch von der Leber weg. „Alkoholismus, Unterdrückung, Banküberfälle, Selbstmorde und Drogensucht, Tobsuchtsanfälle und Weinkrämpfe, Sexismus und Nervenzusammenbrüche“ habe er in deutschen Redaktionen erlebt, „ein ausgeklügelteres, zynischeres und mehr manipulierendes System“ sei ihm noch nicht untergekommen. Das klingt in der Tat ganz schön hart, aber Schulze belegt seine Vorwürfe und Enthüllungen mit ebenso harten Daten und Fakten. Andererseits war einem natürlich auch schon vor der Lektüre klar, daß auf den Gehaltslisten der Geheimdienste auch Redakteure stehen, eher hätte man sich gewundert, wenn das nicht der Fall ist. Und ist es wirklich so wichtig, ob die Stars im Dschungel auch realiter im Dschungel waren? Da gilt doch: Wer RTL guckt und diesen Quark auch noch glaubt, ist selbst schuld. Nichtsdestotrotz ist das Buch eine kurzweilige Lektüre, und daß der Autor bei einer Lesung die JUNGE FREIHEIT ausdrücklich von der oben genannten Art von Journalismus ausnahm, sollte auch einmal erwähnt werden. Udo Schulze: Die Abrechnung. Deutschland, deine Jounalisten. Extrem Verlag, Alsfeld 2004, 204 Seiten, broschiert, 19,90 Euro

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