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Gott kann sich nicht wehren

Die Ermordung Theo van Goghs wird vornehmlich als Attentat auf eine offene Gesellschaft begriffen, die Toleranz braucht, um jedem die uneingeschränkte Entfaltung seiner autonomen Individualität zu ermöglichen. Theo van Gogh war unkonventionell, ein ehrlicher Rabauke, ein lächelnder Grobian. Er hatte vor nichts Respekt. Ein unauffälliger Student, assimilierter Marokkaner, ermordete diesen Feind aller Intoleranz und Unmenschlichkeit. Als gläubiger Mohammedaner fühlte er sich von Theo van Gogh beleidigt, was heißt, ihm wurde ein Leid zugefügt. Denn für den fröhlichen Holländer waren alle Mohammedaner „Ziegenficker“, und den Propheten schalt er einen „pädophilen Vergewaltiger“. Das fassen Holländer als Ausdruck ihres ungekünstelten, herrlichen Humors auf. Wenn Theo van Gogh in einem Kurzfilm Koranverse auf die Haut einer nackten Frau projizierte, dann sollte auch das keinen liberalen Menschenfreund irritieren. Im Gegenteil, das sollte „uns alle“ nachdenklich machen, geht es doch um die sexuelle Befreiung der vom Islam unterdrückten Frau, um ihre Befreiung von Gott und den Männern, die sie im Namen Gottes vergewaltigen. Fröhliche Holländer möchten gerne alle fröhlich machen, tolerant und unbekümmert. Der assimilierte Marokkaner, durchaus vertraut mit den Skurrilitäten niederländischer Lebenslust, fand allerdings, daß nicht nur der Geschmack verletzt war, was Holländer und überhaupt tolerante Menschen nicht weiter stört. Er hielt die Verbindung heiliger Worte mit nackter Haut für Gotteslästerung. Den beleidigten Gott, der auch in ihm als Gläubigen entwürdigt und entweiht war, wollte er rächen. Damit stört er die tolerante Gesellschaft, die offen für alles ist, nur nicht für den Respekt vor Gott, vor dem Glauben und vor der Gemeinschaft des Gläubigen mit Gott. Die dialogfreudigen Europäer, denen nichts Menschliches fremd ist, stehen ratlos vor einem solchen Racheakt, den sie als Symptom steinzeitlicher Unfähigkeit zum Dialog verurteilen. Sie sind sich keiner Rücksichtslosigkeit bewußt, die einzelne zu fanatisieren vermag. Sie sind an ihre religiös indifferente Gesellschaft gewöhnt, die sie für ein hohes Gut halten. Gotteslästerung kann es unter solchen Voraussetzungen nicht geben. Der Bürgermeister von Amsterdam sagte deshalb ganz unbefangen, daß Theo van Gogh mit allen gestritten habe, auch mit ihm. Immerhin, zwischen einem Bürgermeister und Gott gibt es doch zumindest den Unterschied, daß jener, wenn er öffentlich verleumdet und verächtlich gemacht wird, sich mit Hilfe des Rechtes wehren kann, sofern er es will. Gott kann sich nicht wehren. Die Christen haben sich deshalb längst an Gotteslästerungen als alltägliche Begleiterscheinungen der Toleranz gewöhnt und nehmen sie hin, wie im alten Rom. Goethe erinnerte die Freunde der Toleranz daran, daß diese doch immer nur eine vorübergehende Gesinnung sein könne. „Sie muß zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.“ Die Laizisten wollen aber nur dulden und verweigern den ihnen fremden Phänomenen wie dem Glauben an Gott die Anerkennung. Das ist im übrigen erst eine sehr junge Entwicklung. Sonst hätten doch nicht in der Kathedrale von Reims bei einer Messe, die Adenauer und de Gaulle als christliche Europäer feierten, die deutsch-französische Freundschaft ihre besondere Würde empfangen können. Keiner sah damals darin eine ärgerliche Vermischung von Staat und Kirche oder gar eine ultramontane Bevormundung. Im übrigen hielten die meisten Aufklärer, von denen viel die Rede ist, wenn es gilt, die religiöse Neutralität zu rechtfertigen, Gott, ein höchstes Wesen oder das Göttliche für unentbehrlich. Sie gaben vielleicht die Kirche dem Spott preis, aber doch nicht Gott oder das Göttliche, das zugleich mit dem Guten, Schönen und Wahren identisch ist, wie deutsche Idealisten lehrten. Ein strikte Trennung von Staat und Kirche gibt es in Deutschland nicht, nur eine „balancierte“, eine Partnerschaft mit gegenseitigen Bindungen. Ist Gotteslästerung auch nicht mehr strafbar, so macht sich gleichwohl strafbar, wer mit Bildern oder Worten das religiöse Bekenntnis anderer in einer Weise beschimpft, die den öffentlichen Frieden beeinträchtigt. Die Christen haben längst resigniert und suchen keinen Schutz bei diesem Paragraphen. Aber unter dem Eindruck der Ereignisse in den Niederlanden müßte doch darüber nachgedacht werden dürfen, ob nicht mit Rücksicht auf den inneren Frieden unnötige Aggressionen vermieden werden sollten. Wer für die Rechte der islamischen Frauen meint fechten zu müssen, kann das doch erfolgreicher tun, ohne den Glauben von Mohammedanern zu verletzen, die mehrheitlich an Gewalt nicht interessiert sind und friedlich leben. Mittlerweile ist der Laizismus jedoch zum aggressiven Programm geworden, nicht zuletzt in der Auseinandersetzung mit dem Islam. Der unbedachte Kulturkampf gegen Fundamentalismus und Islamismus ist längst zu einem Kulturkampf gegen den Monotheismus überhaupt ausgeweitet worden, der immer wieder in der Geschichte Schrecken, Unfrieden, Unfreiheit und Unmenschlichkeit verursacht. Wer an Gott glaubt, ist ein Fundamentalist. Er darf keine Rücksicht erwarten, er muß schweigen, damit nicht der öffentliche Frieden gefährdet wird. Die Laizisten sind ihrerseits zu Fundamentalisten geworden, die ihre Unduldsamkeit und Intoleranz allerdings Befreiung nennen.

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