Globalisierte Unkultur

Der Kopftuchstreit polarisiert Deutschland. Dürfen muslimische Lehrerinnen mit Kopftuch an öffentlichen Schulen unterrichten? Während in Österreich diese Frage noch pragmatisch gehandhabt wird, wollen in der BRD die Unionsparteien mit Gesetzen dagegen vorgehen. Das Kopftuch, so heißt es, ist politisches Zeichen, ja das Symbol für die Unterdrückung der Frau. Doch keine Frau kann hierzulande gezwungen werden, ein Kopftuch zu tragen. Viele junge Türkinnen oder Bosnierinnen tragen es auch nicht aufgrund familiären Druckes, sondern frei und selbstbewußt. Und wer einmal Malaysia bereist, sieht, wie junge Frauen dort mit Kopftuch und buntem, körperbetonendem Gewand in gleicher Weise fröhliche Offenheit und religiösen Ernst verkörpern. Sie alle tragen ihre Kopftücher nicht als Zeichen einer Ideologie, sondern als selbstverständlichen Bestandteil ihrer Religion, Und darum geht es. Begreifen die gegen das Kopftuch kämpfenden deutschen Konservativen nicht, daß nur eine Argumentationslinie Chancen auf Erfolg hat: zu bekennen, daß in unserem politischen System jeder das Recht hat, die Symbole seiner Religion zu zeigen, daß aber die Länder Europas immer noch von ihrer kulturellen Herkunft wie von der überwiegenden Mehrzahl ihrer Bewohner her christlich sind und daher christliche Symbole auch in öffentlichen Gebäuden ihren Platz haben. Dies ist ja schon bestritten. Kreuze sollen abgehängt werden in Schulen, weil Atheisten sich in ihren Gefühlen verletzt behaupten. Wer glaubt, daß die Feinde jeder Religion dabei stehenbleiben, offenbart große Naivität. Wenn jetzt muselmanischen Frauen das Tragen von Kopftüchern in der Schule verboten wird, dann verbietet morgen der „religiös neutrale Staat“ den Lehrerinnen auch das Tragen von Kreuzen um den Hals. Selbst das Läuten von Kirchenglocken wurde von Atheisten bereits beeinsprucht – bisher erfolglos, aber wie lange noch? Die Tendenz in der EU ist eindeutig die hin zum ganz und gar laizistisch-säkularen Staat. Christen sollten rasch beginnen, und zwar schon beim Kopftuch, das individuelle Tragen religiöser Symbole zu verteidigen, wenn sie nicht bald selbst in die Gleichschaltungsmühlen der europäischen Bürokratie geraten wollen. Und noch ein Grund spricht für das Kopftuch: Schon jetzt sind, die Eingebürgerten mitgerechnet, 10 bis 15 Prozent der Bewohner unseres Landes ausländischer Herkunft. Allein heuer wurden in Österreich über 40.000 Immigranten eingebürgert. Durch weiteren Zuzug und das unterschiedliche Gebärverhalten wird dieser Prozentsatz binnen weniger Jahre auf wohl 30 Prozent ansteigen. Selbst wenn mittelfristig ein Zuwanderungsstopp durchsetzbar wäre, würde dies die Schaffung amerikanischer Verhältnisse bedeuten – verschiedene Ethnien unter, wenn überhaupt, einem Verfassungspatriotismus. Das kann man wollen. Dem kann man gleichgültig gegenüberstehen. In einer Demokratie muß es aber auch möglich sein, diese Entwicklung mit jedem legalem Mittel zu bekämpfen. Und dann heißt das Ziel größtmögliche Rückführung. Die Geschichte kennt Beispiele von Volksgruppen, die sich unter veränderten Verhältnissen wieder dem Mutterland zuwandten. Den Rußlanddeutschen etwa hat die stalinistische Deportation die Lebensbasis zerstört, deshalb, und aufgrund der Verlockungen des reichen Westens wenden sie nach mehr als zwei Jahrhunderten in der Ferne ihren Blick wieder nach Deutschland. Für uns kann dies nur heißen, allen Immigrantengruppen die Aufrechterhaltung ihrer Kulturen in größtmöglichem Maße zu ermöglichen. Ein Türke in einer islamischen Schule bleibt der Kultur seines Heimatlandes weit eher verbunden als in einem deutschen Gymnasium. Und nur der, für den eine solche lebendige Beziehung zum Mutterland aufrecht bleibt, wird auch eine Rückwanderung für möglich halten, wenn deutlich wird, daß die mit der Auswanderung verbundenen Hoffnungen unerfüllbar sind. Integration zerstört diese Option. Letztlich wird behauptet, das Kopftuch passe nicht zu unserer Kultur. Doch das stimmt nicht. Noch bis vor wenigen Jahrzehnten bedeckten auch bei uns Frauen ihren Kopf in der Öffentlichkeit, und insbesondere in der Kirche, mit Hut oder Tuch. Gefahr für unsere Kultur droht vielmehr von einer ganz anderen Seite. Als ihr Symbol mag der Trainingsanzug gelten. Menschen tragen ihn im Supermarkt, beim Taxifahren und im Wirtshaus. Dieser Anzug ist geradezu die bildhafte Verneinung jeglicher Kulturgesinnung und Kampfansage an das ästhetische Empfinden per se. Dabei vermehren sich die in kühne Farbkombinationen gehüllten Mikrofaserträger als Vorboten globalisierter Unkultur von Jahr zu Jahr und erobern immer neue öffentliche Räume. Wehret den Anfängen! Wo ist eine Initiative, die das Tragen von Trainingsanzügen auf Sportausübende beschränken will? Ich bin dabei! Mag. Wolfgang Dvorak-Stocker ist Inhaber und Geschäftsführer des Leopold Stocker Verlages in Graz, der unter anderem viermal im Jahr die Zeitschrift „Neue Ordnung“ herausgibt. Den hier abgedruckten Text haben wir mit freundlicher Genehmigung des Autors der Ausgabe 4/03 entnommen.

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