Die Ewigkeit dauert auch nur einen Augenblick

Was hat das Ewige verschuldet, / Daß man’s nur nebenher noch duldet?“ So fragte einst traurig der deutsche Dichter Graf Platen. Cliff Richard (63), die englische Popstar-Legende, ist noch schlimmer dran. Ihm hat die Stadt Birmingham jetzt sein „Ewiges Feuer des Friedens“, das er dort Ende 2000 zur Jahrtausendwende feierlich entzündete, einfach abgeschaltet. Aus und vorbei. Die Stadtverwaltung wollte die Ewigkeit nicht einmal nebenher noch länger dulden. „Zu hoher Gasverbrauch“, lautete ihr lapidarer Bescheid. Sir Cliff selbst wollte die aufgelaufene Gasrechnung von mittlerweile über 18.000 Pfund nicht bezahlen; er hatte gedacht, wenn er seinen berühmten Namen dazu gäbe, sei das von seiner Seite aus genug und würde Sponsoren anlocken wie die Wespen der Honigtopf. Aber die Sponsoren blieben aus. Statt dessen meldeten sich Umweltschützer. Die Luftreinheitswerte hätten sich in der Umgebung des Ewigen Feuers meßbar verschlechtert, argumentierten sie. Ewigkeit hin oder her, so etwas könne man nicht hinnehmen. Da half auch Sir Cliffs Hinweis nichts, daß sein Feuer doch den Frieden symbolisiere, der auch für Umweltschützer das höchste Gut sei. „Einen Frieden, der die Luft verschmutzt, wollen wir nicht“, wurde ihm erwidert. Gerade mal drei Jahre hat die Herrlichkeit gedauert. Das ist ein beklemmend niedriger Halbzeitwert, der einen auf manchen trüben Gedanken bringen kann. „O Ewigkeit, du Donnerwort“, singt man ja noch heute in Gottesdiensten. Aber die Ewigkeit ist eben auch nicht mehr das, was sie einmal war. In Birmingham jedenfalls ist daraus ein verzweifelter kleiner Augenblick geworden. Andererseits: Wie hieß doch eines von Richards berühmtesten Alben? „32 Minuten und 17 Sekunden mit Cliff Richard“. Das muß genügen. Für einen echten Sänger liegt in jedem Sanges-Augenblick die Ewigkeit.

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