Zeitenklänge

In diesem Jahr gedenkt die Musikwelt des 250. Todestages von Gottfried Silbermann. Der bedeutende Orgelbauer, der über Jahrzehnte hinweg den sächsischen Orgelbau prägte und noch heute für seine Kunst bewundert wird, verstarb am 4. August 1753. Das innovative Altenburger Label „Querstand“ veröffentlicht nun die erste Gesamtschau aller 32 noch erhaltenen Orgeln aus der Werkstatt Gottfried Silbermanns. Die Serie wird acht CDs umfassen, auf denen jeweils vier Instrumente von einem Organisten vorgestellt werden. Die ersten vier CDs sind erschienen. CD Nr. eins wurde von dem niederländischen Organisten Ewald Kooiman eingespielt. Kooiman hat bereits zweimal Bachs gesamtes Orgelwerk aufgenommen. So ist es konsequent, daß er nunmehr dem Schaffen des großen Thomaskantors breiten Raum einräumt, darunter befinden sich Werke, die erst in den letzten Jahrzehnten wiederentdeckt wurden, so Choralbearbeitungen aus der Neumeister-Sammlung. Diese Musik ergänzen Werke von Johann Rudolf Ahle, Johann Christoph Kellner und Johann Bernhard Bach. Die CD enthält Aufnahmen der Orgeln aus Freiberg (St. Petri), Tiefenau, Niederschöna und Großhartmannsdorf. Der Altenburger Schloßorganist und Vizepräsident der Gottfried-Silbermann-Gesellschaft e.V., Felix Friedrich, fungierte nicht nur als künstlerischer Leiter des gesamten Edition, sondern spielte auch selbst eine CD ein. Friedrich versucht, zeitliche und regionale Bezüge stets in seine Programme einfließen zu lassen. So wählte er für die Orgel von Glauchau unter anderem Werke von Christian Gotthilf Tag aus, der im unweit von Glauchau gelegenen Hohenstein wirkte. Auch Georg Andreas Sorge, dessen Sonate F-Dur an der kleinen Röthaer Silbermannorgel in der Marienkirche erklingt, war mit Silbermanns Instrumenten eng vertraut. Der zweite Teil der CD-Serie enthält Aufnahmen aus Bad Lausick, Rötha (St. Marien), Schweikershain und Glauchau. Der belgische Organist Jean Ferrard wählte ein besonderes Konzept für seine CD. Er präsentiert Choralbearbeitungen namhafter (hauptsächlich mitteldeutscher) Komponisten über insgesamt vier Choräle des Evangelischen Gesangbuches, jeweils einen pro Instrument. Damit spannt er zugleich einen Bogen durch das Kirchenjahr. „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ ist ein Weihnachts- bzw. Epiphaniaschoral, „Christus, der uns selig macht“ gehört in die Passionszeit, „Christ lag in Todesbanden“ ist ein Oster- und „Werde munter, mein Gemüte“ schließlich ein Abendlied. So ergibt sich ein reizvoller Einblick in die Musizierpraxis der Gottesdienste in der damaligen Zeit. Die CD enthält Klangbeispiele der Kirchen von Rötha (St. Georgen), Ringenthal, Lebusa und Fraureuth. Der Österreicher Martin Haselböck fand in den über eine Million Blättern der 2001 aus Kiew in das Archiv der Berliner Singakademie zurückgekehrten Notenbibliothek unter anderem sechs Sonaten des Bach-Schülers Johann Ludwig Krebs, die bisher völlig unbekannt waren, und spielte zwei von ihnen an der Orgel in Zöblitz ein. Auch die anderen auf der CD vertretenen Komponisten, Georg Andreas Sorge, Friedrich Wilhelm Marpurg und Michael Gotthard Fischer, hatten ihre Hauptschaffenszeit eine bis zwei Musikergenerationen nach Bach und stehen mit ihren Werken für den Übergang von der Weiterführung der Bachschen Musikauffassung zum „empfindsamen Stil“. Die vierte CD enthält Aufnahmen aus Zöblitz, Reinhardtsgrimma, Frankenstein und Reichenbach (St. Peter und Paul). Allen CDs gemeinsam ist die sorgfältige Ausstattung, das informative Beiheft und die exzellente Cover-Gestaltung. Vertrieb: Tel. 0 34 47 / 3 7 56 10, In-ternet: www.querstand.de

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