Niederrheinische Alt-Germanen im Parkhotel

Er müsse halt manchmal seinen „Orientalismus“ ausleben, sagte der Maler und Kunstprofessor Jörg Immendorff (58) in Zeitungsinterviews zur Entschuldigung, nachdem er am vorvergangenen Samstag in einem Düsseldorfer Luxus-Hotel bei einer Kokain-Orgie mit sage und schreibe neun Prostituierten ertappt wurde. Das klang drollig und nicht ganz unsympathisch, war aber auch ziemlich riskant. Die Fundamentalisten unter den Düsseldorfer Muslimen jedenfalls fühlen sich jetzt in ihrer kulturellen Ehre verletzt. Wieso sind, so fragen sie, Prostituierte und Kokain orientalisch? Sollte Immendorff damit auf die Verhältnisse im Harem angespielt haben, so müsse ihm gesagt werden, daß dort strengste Ordnung herrscht und von „Orgien“ nicht im mindesten die Rede sein kann. In der Tat, was hat Immendorff denn für einen Begriff von Orgien! Als Kunstprofessor müßte ihm eigentlich geläufig sein, daß die Orgie religiösen Ursprungs ist und in allen alten Kulturen üblich war, auch bei den Germanen am Niederrhein. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bezeichnete ursprünglich die ekstatischen Feiern der Geheimkulte, zum Beispiel des Dionysos-Kults. Die Orgie, das entfesselte Sichaustoben unter Drogeneinfluß, ist also durchaus ein abendländisches Gewächs, dem die während der Spätantike aus der Wüste einbrechenden Anhänger Mohammeds zunächst äußerst feindselig gegenüberstanden und das sie bekämpften. Man kann das, was sich in Düsseldorf abspielte, auch beim schlimmsten Willen nicht dem Orient in die Schuhe schieben. Eher sollte man das Immendorff-Kokain-Huren-Event als ein betrübliches Beispiel neu-abendländischer Säkularisierung und Profanierung abheften. Denn von religiöser Kulthandlung war im Steigenberger Parkhotel, als die Polizei eintraf, nicht die Spur zu bemerken. Nicht einmal Dionysos war offenbar anwesend, denn Immendorff ist längst kein „Junger Wilder“ mehr, eher ein älterer Spießer. Mit dem romantischen Orient hat das nichts zu tun.

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