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Film sucht Verleih

Hinter der Premiere des Christus-Films „The Passion“ des Schauspielers, Regisseurs und Produzenten Mel Gibson stehen große Fragezeichen. Der in aramäischer Sprache gedrehte Film, der von den letzten zwölf Stunden Jesu vor seinem Kreuzestod handelt, soll Ostern 2004 in die Kinos kommen. Jetzt hat Gibson aber offenbar Schwierigkeiten, eine Verleihfirma zu finden. Nach amerikanischen Medienberichten will selbst die 20th Century Fox, die ein Vorrecht auf Filme von Gibsons Produktionsfirma Icon habe, das etwa 25 Millionen teure Werk nicht vertreiben. Fox News Group, die über das Filmstudio 20th Century Fox die Erstvertriebsrechte an „The Passion“ hält, erklärte vergangene Woche, Gibson müsse sich einen anderen Partner für den Vertrieb suchen. Damit scheinen die Antisemitismus-Vorwürfe gegen den Film offenbar erste Wirkung zu zeigen. Linke Zeitungen, vorneweg die New York Times, und jüdische Organisationen haben schwerwiegende Vorwürfe erhoben. Gibsons filmische Darstellung der letzten zwölf Stunden des Lebens von Jesus Christus könne antisemitisch verstanden werden, lautet die Anklage. Derart unter Feuer geraten, gab Gibson Anfang August für Rabbi Eugene Korn und Abraham H. Foxman von der Anti-Defamation League (ADL) eine Vorführung der Rohfassung des Films. Korn und Foxman erklärten anschließend, „The Passion“ enthalte finstere, mittelalterliche Stereotypen über Juden. Gibson betont dagegen immer wieder, sein Film handle von christlicher Liebe und Versöhnung. Keinesfalls dürften „die Juden“ kollektiv für das Leiden Christi verantwortlich gemacht werden. Um Zweifel auszuräumen, wolle er zudem für die Endfassung des Films einige kontroverse Stellen ändern (siehe JF 35/03). Doch trotz aller Beteuerungen Gibsons nehmen die Proteste an Schärfe zu. Einige jüdische Gruppen fordern nun, den Film überhaupt nicht in den Kinos zu zeigen. Bei einer kleinen Demonstration vor dem Hauptsitz von Fox News Group im Zentrum von New York vorletzten Freitag warnte der demokratische Politiker und orthodoxe Jude Dov Hikind: „Dieser Film kann potentiell zu Gewalt gegen die jüdische Gemeinde führen.“ Die Bilder brächten uns zurück ins Mittelalter, die Inquisition und die Kreuzzüge. Ein Rabbi aus Brooklyn nannte den Film „pornographisch“. Auf Spruchbändern junger Demonstranten war zu lesen: „‚The Passion‘ ist eine tödliche Waffe gegen Juden.“ Eine ältere Dame, die sich als Holocaust-Überlebende ausgab, sagte gegenüber Pressevertretern, der Streit erinnere sie an das Dritte Reich: „So hat es damals auch angefangen.“ Der Brooklyner Demokrat Simcha Felder warf Gibson vor, dieser habe „eine Passion, Haß zu sähen und Bigotterie“. Im Gegensatz dazu erklärte der jüdische, ehemals linksradikale und heute konservative Schriftsteller David Horowitz nach einer Privatvorführung von „The Passion“, er könne keinen Antisemitismus ausmachen, nicht einmal in Spurenelementen. Unterdessen kommen Gibson nun auch vermehrt Stimmen aus dem katholischen Lager zu Hilfe. In einem Aufsatz für die britische Zeitschrift Spectator schreibt der Publizist Deal W. Hudson: „Meiner Ansicht nach erzählt uns die ganze Kontroverse mehr über Anti-Christentum als über Antisemitismus.“ Die Erregung in religiösen Angelegenheiten sei wohl eine selektive, meint Hudson, der Herausgeber des katholischen Magazins Crisis ist. Er erinnert daran, wie unterschiedlich liberale und linke Kommentatoren „The Passion“ im Vergleich zu dem Film „The Last Temptation of Christ“ von Martin Scorsese aufgenommen hätten. Diese Produktion von 1988 zeigt einen Christus am Kreuz, der im Moment seines Todes sexuelle Phantasien über Maria Magdalena hat. „Die Liberalen haben damals Scorsese verteidigt, indem sie ‚Kunstfreiheit‘ schrieen“, wundert sich Hudson. Mit dem bekennenden Katholiken Gibson, der eine christliche Antithese zu Hollywood vorgelegt habe, werde nun ungleich härter umgesprungen.

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