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Die Schrecken der Einheit der Welt

Wenn die Liberalen vor der Frage stehen: Jesus oder Barrabas?, dann beantragen sie Vertagung des Parlaments.“ Ähnlich berühmt wie dieses Bonmot Juan Donoso Cortés ist seine Definition der Bourgeoisie: Unfähig zum Befehlen wie zum Gehorchen ist sie eine des verächtlichen Spottes würdige „diskutierende Klasse“. Der zentrale Gedanke Donosos aber, so hat es uns sein wiederentdeckter Carl Schmitt gelehrt, ist, daß alles ankomme auf eine reine, nicht räsonierende und nicht diskutierende, aus dem Nichts geschaffene absolute Entscheidung: Potestas, non veritas facit legem, um Thomas Hobbes‘ Satz verdeutlichend abzuwandeln. Das aber, so Schmitt, sei wesentlich Diktatur und nicht legitimiert. Tatsächlich hat niemand mit solch rhetorischer Wucht das Ende des Zeitalters der Diskussion verkündet wie Donoso Cortés. Doch dabei wird fast stets vergessen, daß hier ein früherer Liberaler sprach, der den klarsichtigen Haß des Renegaten geworben hatte. Der Verwandte des großen Hernán Cortés war bis 1847 der brillanteste Verfassungsrechtler der spanischen Liberalen. Wichtiger: Er war ein mit allen parlamentarischen Wassern getaufter Führer der moderados, zumindest das intellektuelle Prunkstück dieser liberal-konservativen Partei. Deren bedeutendstes Interesse war es, in Ruhe, Ordnung und Sicherheit sich dem Genuß der von ihr eher geraubten denn gekauften Kirchen- und Klostergüter hinzugeben. Gerade weil Donoso, am 6. Mai 1809 in Valle de la Serena in der Extremadura geboren und im nahen Don Benito aufgewachsen, einer der reichsten Familien der Region angehörte, konnte er zum Wortführer dieser Partei von Säkularisationsgewinnlern aufsteigen, die alle anderen politischen Gruppen vom Zugriff auf die Beute abhielt und dabei die konservative Flagge der erworbenen Rechte schwenkte. Dies verband sich bei ihm mit treuem Epigonentum gegenüber den Ideen der französischen „doktrinären Liberalen“ um François Philippe. Sie stellten mit großem Pathos die moralisch-intellektuellen Pflichten der über Besitz und Bildung verfügenden Klasse heraus. Krude, jedoch zutreffend ließ sich das übersetzen mit: „Bereichert Euch!“ Der junge Abgeordnete glaubte, wie seine französischen Vorbilder, an die wohltätige Wirkung des Wahlzensus, an die gegenseitige Kontrolle der um die Wahrheit ringenden pouvoirs, an die Segnungen der Herrschaft der Intelligenz. Er glaubte an die Diskussion, mittels derer sich die Parlamentarier, vernünftig argumentierend, zu überzeugen suchten. Ja, er glaubte an die Utopie, daß eines Tages Gewalt und Politik verschwänden. Da verschlug es wenig, daß ab 1808 die spanische Wirklichkeit ganz anders aussah. Nachdem das Land den zerrüttenden Krieg mit Napoleon hinter sich hatte, rissen sich die meisten Kolonien von ihm los. Die Carlistenkriege forderten ihre Opfer ebenso wie die absolutistische Reaktion Fernandos VII. Schließlich kam es zu den endlosen, gewaltsamen Konflikten zwischen den moderados und den linksliberalen progresistas, deren genauere Erfassung den Historikern versagt blieb. In den zahllosen Aufständen und Offiziersrevolten wurde die Brüderlichkeit proklamiert, aber von ihr blieb nur der cainismo (von Kain) übrig. Zugleich kündigte sich der Sozialismus auch in Spanien drohend an und eine rapide Verarmung griff um sich – auf dem Lande durch die von Massenentlassungen und Bauernlogen begleitete Säkularisierung verursacht, in den Städten durch die vorerst scheiternde Industrialisierung und ihre Spekulationsfieber bedingt. Posaunen der Aufklärung und des Humanitarismus Doch im Parlament fiel es nicht schwer, den schönen Schein zu erhalten. Während draußen die Parteiungen einander die Hälse durchschnitten, erklangen hier die Posaunen des Humanitarismus und der Aufklärung (wenn auch meist disharmonisch), hier durfte der Dialog, befrachtet mit Drohungen, Erpressungen und Korruptionen aller Art, nicht aufhören, wollte man sich der behaglichsten aller Geborgenheiten, der Handlungsverhinderung, nicht entledigen. Das Philiströse Wir-können-über-alles-reden bedeutete, daß man über das Wichtige nicht sprach. Zugleich lösten sich die durch organisierten Wahlbetrug entstandenen Mehrheiten bei den geringsten Meinungsunterschieden in übereinander herfallende Fraktionen auf, um tags darauf so repressive wie hilflose Regierungen zu gebären: der anarchische Liberalismus raubte dem anarchischen Autoritarismus die physische, dieser jenem die legale Kraft. Radikale Absage an den Liberalismus So zeigte sich auch in Spanien die Schwäche einer Klasse, die, in der Revolution wurzelnd, an ihre Beendbarkeit glaubte. Sie hatte die haltenden Mächte durch ihr Räsonnement zersetzt und durch ihre menschenfreundlichen Parolen wie durch ihre davon abstechende Praxis der demokratischen wie der sozialistischen Bewegung die Wege geebnet. Angesichts des Schreckens, der das ungewollte Kind ihrer Thesen war, konnte die clase discutidora nur die Nützlichkeit der von ihr gewohnheitsmäßig diffamierten Armee entdecken und auf die sänftigende, den Konflikt entschärfende Kraft der von ihr jahrzehntelang gedemütigten Kirche hoffen. Donosos Hinwendung zum Glauben entschlägt sich solchem Nützlichkeitsdenken. Sie erfolgt 1847 und ist verbunden mit einer scharfen, vollständigen Absage an den Liberalismus. Auf dem Höhepunkt seiner politischen Karriere – seit 1840 ist er der engste Berater der Regentin, der Königin-Mutter Maria Christina und trägt 1843 entscheidend zur Inthronisierung von deren Tochter Isabella II. bei – steigert sich seine Radikalität derart, daß er sich zur eigenen politischen Tat unfähig fühlt und das Angebot, Regierungschef zu werden, ausschlägt: er sei weder fähig, die Diktatur abzulehnen, noch sie auszuüben. Angesichts der von ihm prognostizierten, fast ganz Europa bedrohenden Revolution, in der für ihn der religiöse Niedergang seinen blutigen Ausdruck findet, ist er nur noch imstande, Diagnosen zu formulieren: „Für die heutige Gesellschaft, die im Sterben liegt, hat der Todeskampf begonnen. Das ist das Ergebnis der menschlichen Zivilisation, die vor drei Jahrhunderten begann und heute zu Ende geht. Die Zivilisation göttlichen Ursprungs und katholischen Charakters hätte unserem Erdteil diesen frühen, schmachvollen Tod erspart und Europa eine ewige Jugend geschenkt“, heißt es in einer späteren Depesche. Der Tod des Lieblingsbruders Pedro und die Freundschaft mit dem Musiker Santiago Mesarnau bilden nur den individuellen Grund, daß er den Glauben wiedergewinnt. Doch wie er des öfteren betont: Die Individuen können zum Glauben zurückfinden, die Völker, einmal abgefallen, nicht. Mit jedem Schritt, den die Menschen unternehmen, um nicht mehr Gottes Knechte zu sein, verlieren sie ein Stück der ihnen zugedachten Herrschaft über die Erde und werden zum Schluß, in der für Donoso bereits beginnenden Endzeit, Sklaven eines „gigantischen, kolossalen, universellen, unmeßbaren Tyrannen“. Kennzeichen dieser Despotie des Antichristen, der die Eine Welt will, in der weder Mühen noch Tränen sein sollen, Frieden und Sicherheit, und in der kein Blut mehr fließen darf, wird es sein, „daß das Blut selbst aus den harten Felsen sprudeln wird.“ Der Gläubige wird die Katastrophe gelassen hinnehmen, weil er in ihr das unabwendbare Strafgericht Gottes sieht und den ihm auferlegten Kampf gegen den „Kataklysmus“ durchfechtet, wissend, daß er besiegt wird, weil auf Erden stets das Böse siegt. Aber er wird in diesem aussichtslosen Kampf zum Manne reifen und sich die toga virilis erwerben. Am 4. Januar 1849 betritt Donoso die Tribüne der Cortés und hält jene Rede, von der der sonst allzu gern in Superlativen schwelgende Carl Schmitt zu Recht sagte, daß sie „die großartigste Rede der Weltliteratur“ sei: die „Rede über die Diktatur“. Die Regierung des Generals Narváez, die soeben die Aufstände in Madrid, Barcelona, Valencia und Sevilla niedergeschlagen hatte, wollte vom Parlament die Zustimmung, verschiedene Verfassungsgarantien für neun Monate aussetzen zu können. Damit bleib sie streng im Rahmen einer legalen, kommissarischen Diktatur. Kaltblütiger Politiker und feuriger Redner Aber der frío político, der kaltblütige Politiker, der Donoso gewesen war und der er ab 1849, als Botschafter in Berlin und später in Paris, wieder sein sollte, wurde jetzt zum cálido retórico, zum feurigen Redner, der die realen Ereignisse mit barocker, pathetischer Wucht überhöhte und sie zu Momenten einer Geschichtstheologie vom konstanten Niedergang der europäischen Gesellschaft erklärte. Seine unmittelbar politische Botschaft war einfach: „Wenn die Legalität genügt, die Gesellschaft zu retten, dann die Legalität. Wenn sie nicht genügt, bleibt nur die Diktatur.“ Damit war Narváez‘ Anliegen – wohl bewußt – verfehlt, aber hier findet sich schon der Keim einer Theorie der „legalen Diktatur“, die Donoso als erster formulieren sollte. Da die Diktatur des Dolches drohte, die des Aufstandes, entschied sich Donoso für die Diktatur der Regierung, für die des Säbels. Der Säbel des Narváez erschien hier als Werkzeug des kat-echon gegen die herannahende Herrschaft des „gigantischen, kolossalen, universellen Tyrannen“. Aber das wirkliche Zentrum der Rede war das Thermometer-Gleichnis: Je weiter der Wahn des Ihr-werdet-sein-wie-Gott sich befestigte, desto mehr wurde die Geschichte vermeintlich zunehmender politischer Freiheit eine der zunehmenden Versklavung. „Zwischen Jesus und seinen Jüngern gab es keine andere Liebe als die des Meisters zu seinen Schülern und als die der Schüler zu ihrem Meister. Als die innere, religiöse Repression vollkommen war, war die Freiheit absolut. Es kommt zu den apostolischen Zeiten. In diesen Zeiten befand sich die Religion, das heißt, die innere Repression auf ihrer ganzen Höhe, aber ein Keim begann sich zu entwickeln, ein Keim der Schamlosigkeit und der Freiheit von der Religion. Diesem Anfang des Abstiegs im religiösen Thermometer entsprach ein Anfang des Aufstiegs im politischen Thermometer. So gab es in der christlichen Gesellschaft keine wirklichen Behörden, sondern Schiedsrichter und freundschaftliche Vermittler, die der Embryo einer Regierung sind.“ Entsetzen vor der Entortung und Formlosigkeit Und weiter heißt es bei Donoso: „Es kommen die feudalen Zeiten. Nun ist schon eine effektivere Regierung nötig, aber die feudale Monarchie, die schwächste aller Monarchien, genügt noch. Wir kommen zum 16. Jahrhundert. In diesem Jahrhundert, mit der großen Reformation Luthers, mit diesem politischen, sozialen und religiösen Skandal, werden die feudalen Monarchien absolut. Weil das religiöse Thermometer tiefer fiel, mußte das politische Thermometer höher steigen. Und was für eine neue Institution wurde geschaffen? Die der stehenden Heere. Es genügte den Regierungen nicht, absolut zu sein; sie verlangten, eine Million Arme zu haben. Trotzdem war es nötig, daß das politische Thermometer weiter stieg, weil das religiöse Thermometer weiter fiel. Und die Regierenden sagten: Wir haben eine Million Arme, wir müssen eine Million Augen haben. Und sie bekamen die Polizei. Dann wollten sie eine Million Ohren haben. Und sie bekamen die Zentralregierung der Verwaltung. Und dann sagten die Regierungen: Zur Unterdrückung genügen uns eine Million Arme, eine Million Augen, eine Million Ohren nicht. Wir benötigen das Vorrecht, uns zur gleichen Zeit an allen Orten zu befinden. Und sie bekamen es. Und man erfand den Telegraphen. Betrachten Sie die Analogien und daß, als die religiöse Repression auf ihrer höchsten Höhe stand, keine Regierung nötig war, auch wenn keine religiöse Repression vorhanden ist, keine Art von Regierung noch genügen kann und alle Despotismen noch zu gering sein werden.“ Der kommende Tyrann findet auf seinem Wege weder moralische noch materielle Widerstände. Die Dampfschiffe und die Eisenbahnen heben die Grenzen auf, der Telegraph und die Elektrizität die Entfernungen; der Trieb zur Einheit, zur politischen, administrativen, kommerziellen, industriellen, sprachlichen Einheit wird zu einem Babel führen, das so enden muß wie das Babel der Heiligen Schrift. „Le futur, – c’est le massacre!“, pflegte Julien Freund auszurufen. Dieses Entsetzen vor der Beschleunigung, Entortung, zunehmenden Formlosigkeit des Geschehens ist der gemeinsame Nenner der Geschichtspessimisten um die Mitte des 19. Jahrhunderts (belassen wir es bei diesem Verlegenheitsausdruck), der das Unheil mitten in der Fortschrittseuphorie ankündigenden „Regenpfeifer“, seien es nun Donoso, Kierkegaard, Karl Vollgraff, Ernst v. Lasaulx, Baudelaire oder Jacob Burckhardt oder ihr großer Nachfahr Henry Adams. Doch nur bei Donoso bricht immer wieder eine vage Hoffnung auf eine „religiöse Reaktion“ aus, welche die das Ende einleitenden Wirren hinausschiebt. Die Menschen hegen Verehrung nur für das Heilige und das Starke, doch wie die Dinge stehen, kann nur die Stärke das Heilige wieder in seine Rechte setzen, muß die Gewalt die Diskussion, deren letztes Attribut das Chaos ist, beenden. Die Barbarei ist mit den Büchern gekommen, die Zivilisation muß durch die Waffen neu etabliert werden: die einzig wirkliche Zivilisation, die katholische. Insofern steht Donoso jenseits der Legitimität, an die man glauben muß und die dahin ist, wird über ihren Rechtsanspruch debattiert. Kampf gegen die Ankunft des Antichrist Dennoch ist sein Eintreten für die Diktatur kein bloßer Dezisionismus, wie es der frühe Carl Schmitt behauptete: für Donoso war nicht so wichtig, daß entschieden wurde, sondern wie. Gerade Thomas Hobbes, mit dem Schmitt den Spanier zusammenbringt, wurde von diesem mit Kommentaren bedacht, die man nur als Wutanfälle bezeichnen kann. Der Herr wird kommen, in suo tempore, und die Ankunft des Antichristen ist eines der Zeichen, die seiner Parusie vorausgehen. Es ist eines der Paradoxa des Christentums, daß der Gläubige das Ende herbeizusehnen hat, daß er aber verpflichtet bleibt, so erfolglos wie mannhaft gegen die Ankunft des Antichrist zu kämpfen. Dies macht die flackernde Spannung, den das Spätwerk Donosos durchwaltenden „Widerspruch“ aus und auch das Nebeneinander von Handlungslähmung und dezisionistischer Gebärde. Gerade diese Spannung und dieser Widerspruch, der Abdruck des verzweifelt-hoffenden Lebens eines Todkranken, der sah, daß die Religion der absoluten Humanität nur in Blutbädern enden kann, darüber aber nicht in die Sarkasmen seines Vorbildes Joseph de Maistre verfiel – sie sind das immer wieder Anziehende wie Abstoßende an Donoso, mit dem man nie fertig wird. Diese Spannung durchzieht auch Donosos Hauptwerk, den 1851 erscheinenden „Essay über den Katholizismus, den Liberalismus und den Sozialismus“. Bei aller politisch-rhetorischen Schärfe enthält er letztlich keine politische These mehr. Gewartet wird nur auf den Zusammenstoß der beiden einzig konsequenten Theologien: dem Katholizismus und dem atheistischen Sozialismus. „Der Sozialismus ist stark, weil er eine Theologie ist, und er ist zerstörerisch, weil er eine satanische Theologie ist. Durch das, was die sozialistischen Schulen an Theologischem haben, setzen sie sich gegenüber der liberalen Schule durch, die antitheologisch und skeptisch ist; durch das, was sie an Satanischem haben, unterliegen sie der katholischen Schule, die theologisch und göttlich zugleich ist. Die Instinkte der Sozialisten stimmen mit unseren Darlegungen überein, bedenkt man, daß sie den Katholizismus hassen, den Liberalismus aber nur verachten.“ Der Spanier hatte die Geduld Gottes unterschätzt Gerichtet werden soll also zuerst der, der unfähig ist zum Guten, weil ihm zum Aufbau jede dogmatische Grundlage fehlt und der zugleich unfähig ist zum Bösen, weil ihm jede tapfere Negation ein Greuel ist. Gerichtet aber werden sollte er, so hoffte Donoso immer wieder, noch auf Erden. „Die liberale Schule, zugleich Feindin der Finsternis und Feindin des Lichts, hat sich im ungewissen Dämmer eines Niemandslands postiert und mit dem aberwitzigen Unternehmen begonnen, ohne Volk und ohne Gott zu regieren. Ihre Tage sind gezählt, denn an einem Punkte des Horizontes erscheint Gott, an einem anderen das Volk. Niemand wird sagen, wo der Liberalismus geblieben ist an dem furchtbaren Tage, an dem das Schlachtfeld erfüllt ist von den katholischen Phalangen und von den sozialistischen Phalangen.“ Der große Prognostiker, mit dem sich nur Tocqueville messen konnte, war hier dem Franzosen unterlegen. Zwar kam es zu den von ihm vorhergesehenen Bluthochzeiten und wird es auch weiter zu ihnen kommen. Aber es kam auch zur Entropie und zu den Friedenssüchtigen in den termitisierten Massendemokratien, die nur noch einen Feind kennen: den Tod. Einen Blick für diese Art von Nihilismus, auswegloser als das Pulsieren irrewerdender Gewalt, besaß er nicht; daß das ungewisse Dämmer zur geliebten Heimat werden sollte, war ihm nicht vorstellbar. „Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien“, sagt die Offenbarung. Es kommt der Tag der radikalen Verneinungen und der souveränen Behauptungen, so betonte Donoso gern. Aber wird dies noch hier, auf der scheinbar festgegründeten Erde geschehen? Der Spanier hatte wohl die Geduld Gottes unterschätzt, doch das hatte er aus Liebe zu Gott getan. So starb er am 3. Mai 1853 in Paris, und Graf Hübner, ein illegitimer Sohn Metternichs, der sein Sterben miterlebte, schrieb über den Toten: „Er war ein Anachoret, verloren in den öden Steppen der Diplomatie; ein Apostel, pre-digend zu den Wilden in den Salons; ein Asket, in der goldbestickten Uniform eines Botschafters.“ Ansicht des Hafens von Sevilla mit dem „Goldenen Turm“, Stahlstich von H. Herzer (um 1850): „Wenn die Legalität genügt, die Gesellschaft zu retten, dann die Legalität. Wenn sie nicht genügt, dann die Diktatur“, lautete Juan Donoso Cortés‘ einfache politische Botschaft Bild: Juan Donoso Cortés (1809-1853) Günter Maschke lebt als Privatgelehrter und Publizist in Frankfurt am Main. Er ist Übersetzer und Herausgeber von Donoso Cortés‘ Essay über den Katholizismus, den Liberalismus und den Sozialismus (2. Aufl., Akademie Verlag, Berlin 1996) sowie von „Über die Diktatur. Drei Reden aus den Jahren 1849/50“ (Karolinger, Wien 1996). In der JUNGEN FREIHEIT schrieb er zuletzt über Joseph de Maistre (JF 15/03).

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