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Der weit gespannte Bogen der Verschwörung

Wer heute behauptet, daß die Terroranschläge vom 11. September 2001 von der US-Regierung billigend in Kauf genommen wurden, um geopolitische Machtinteressen durchzusetzen, wird in der Regel den Verschwörungstheoretikern zugeschlagen und nicht mehr ernst genommen. Aktuelles Beispiel dafür ist der ehemalige Bundesforschungsminister und heutige Bonner Rechtsanwalt Andreas von Bülow, der inzwischen als nicht mehr satisfaktionsfähig gilt. Nichtsdestoweniger versucht Nafeez M. Ahmed, Brite mit ostpakistanischer Abstammung, in seinem Buch „Geheimsache 09/11. Hintergründe über den 11. September und die Logik amerikanischer Machtpolitik“ ebendiese Behauptung erneut zu verifizieren. Ahmed leitet das Institute for Policy Research and Development, eine unabhängige „Denkfabrik“ im englischen Brighton. Der Autor verweist darauf, daß bereits am 12. September 2001, also einen Tag nach den beispiellosen Terroranschlägen vom 11. September, seitens der US-Regierung der Name Saddam Hussein ins Spiel gebracht worden sei. Ahmed ist der Überzeugung, daß die US-Regierung im Hinblick auf Staaten wie den Iran, Irak oder Libyen eine langfristige Strategie verfolgt, in deren Rahmen sie die Anschläge auf New York und Washington geschickt zu instrumentalisieren verstand. Die vielen offiziellen Dokumente, auf die sich Ahmed bezieht, sprechen für den Autor. Ahmed weist zum Beispiel auf die unterlassenen Maßnahmen zur Verhinderung der Flugzeugentführungen hin. Der gesamte Notfallapparat, mit dem sonst auf Verstöße des Luftverkehrs, auf die Verletzung der Flugrouten etc. reagiert wird, wurde an diesem Tag nicht angewendet – ein Befund, der zumindest nachdenklich stimmen muß. Ahmed beschäftigt sich gründlich mit der Vorgeschichte der Anschläge. Er weist detailliert auf die wirtschaftlichen Verbindungen zwischen US-amerikanischen Konzernen und den Geldgebern des internationalen Terrorismus hin. Viele derjenigen US-Politiker, die aktuell Macht ausüben, haben einen großen finanziellen Gewinn aus diesen Verbindungen gezogen. Der Autor weist weiter nach, daß viele Ermittlungen aktiv behindert wurden. Immer wieder steht die jüngste Geschichte Afghanistans im Mittelpunkt der Betrachtungen. Der Autor zeigt auf, wie sich die damaligen beiden Supermächte USA und Sowjetunion im Zuge des Staatsstreichs von 1978 in die inneren Angelegenheiten des Landes einmischten. Laut der grauen Eminenz der US-amerikanischen Außenpolitik, Zbigniew Brzezinski, gab es bereits vor der sowjetischen Invasion US-amerikanische Unterstützung für die antikommunistischen Mudschaheddin. Die Sowjets sollten in die afghanische Falle gelockt werden. Als die Sowjetunion den USA tatsächlich den Gefallen taten und 1979 Afghanistan besetzten, flüchteten hochrangige Generäle, Politiker und Techniker nach Pakistan, um von dort aus den Widerstand gegen die Rote Armee zu organisieren. Müßig, darauf zu verweisen, daß die Exilierten in dieser Zeit von den USA unterstützt wurden. Die afghanischen Guerillas wurden durch den US- und den pakistanischen Geheimdienst ausgebildet. Es war die CIA und damit die US-Regierung, die während der sowjetischen Intervention in Afghanistan die Taliban-Miliz geschaffen hatte, um die Sowjetunion zu destabilisieren. Osama bin Laden war damals ein Freund der Amerikaner, die ihn zur Ausbildung und Führung der afghanischen Freischärler benutzten. Der dabei proklamierte radikalislamische Gottesstaat wurde von der CIA im Kampf gegen die UdSSR unterstützt. Diese Erkenntnisse sind natürlich nicht mehr neu. Brisant wird das Buch erst durch den Versuch der Beweisführung, daß die USA lange vor den Anschlägen des 11. September 2001 militärische Pläne für eine weltweite Vorherrschaft der USA entwickelt hätten. Bei diesen Plänen sollen wohlbekannte Politiker wie Dick Cheney, Donald Rumsfeld, Paul Wolfowitz und Colin Powell federführend gewesen sein. Immer bezieht sich Ahmed im Zuge seiner Beweisführungen auf die aktuelle Lage in Afghanistan. Er unterstreicht, daß sich seit der „Befreiung“ von den Taliban nur in Kabul etwas verändert habe. So ist beispielsweise die Situation der Frauen im Rest des Landes unverändert katastrophal. Regierungschef Hamid Karsai, so Ahmed, sei allen Dementis zum Trotz jahrelang Berater der amerikanischen Unocal gewesen. Dieser Konzern werde die Führung beim Bau der geplanten Öl- und Gaspipeline übernehmen, die jährlich 30 Milliarden Kubikmeter turkmenisches Gas auf den Weltmarkt bringen könnte. Die Seriosität der Quellen, die Ahmed benutzt, hebt dieses Buch aus der Reihe sonstiger verschwörungstheoretischer Literatur zum 11. September 2001 heraus. Zitiert werden unter anderem Washington Post, New York Times, New Yorker, Independent, Guardian oder BBC. Diese Quellen dokumentieren, daß die Umstände, die zum 11. September 2001 geführt haben, keineswegs aufgehellt sind. Es dauerte Jahrzehnte, bis die Vorgeschichte, die zum Überfall der Japaner auf den US-amerikanischen Marinehafen Pearl Harbor führte, „entmythologisiert“ werden konnte. Im öffentlichen Bewußtsein lebt Pearl Harbor freilich bis heute als „feiger Überfall“ der Japaner auf die „friedliebende USA“ fort. So dürfte es noch lange dauern, bis die Hintergründe des 11. September 2001 erhellt sind. Nafeez hat mit seinem Buch einen Schritt in diese Richtung unternommen. Weitere müssen und werden aller Voraussicht nach folgen. Nafeez M. Ahmed: Geheimsache 09/11. Hintergründe über den 11. September und die Logik amerikanischer Machtpolitik. Riemann Verlag, München 2003, 500 Seiten, 24 Euro

Ahriman Verlag Der Kalte Krieg
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