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Abschied vom Volksaltar

Die Neuerungen der Liturgiereform in der katholischen Kirche werden vom einfachen Gottesdienstbesucher gelegentlich so umschrieben: "Früher stand der Priester mit dem Rücken zum Volk und sprach nur Latein. Heute kann man alles sehen und verstehen. Das verdanken wir dem Konzil." Macht sich jemand allerdings die Mühe, die Konzilstexte zu lesen, wird er feststellen, daß dort nicht die Abschaffung der lateinischen Kultsprache, sondern ihre Beibehaltung gefordert und auch keineswegs die Einführung eines sogenannten Volksaltars angeordnet wird. Das Römische Meßbuch von 1969 ordnet an, der Altar solle umschritten werden können und die Zelebration zum Volk hin möglich sein.

Der junge Theologe Uwe Michael Lang problematisiert jedoch die Hinwendung des Priesters zum Volk zuungunsten einer gemeinsamen Gebetsausrichtung von Priester und Volk in seiner jüngsten Untersuchung. Der in England lebende Oratorianerpater greift damit eine Problematik wieder auf, die vor allem von Kardinal Joseph Ratzinger und dem verstorbenen Regensburger Liturgiewissenschaftler Klaus Gamber immer wieder thematisiert wurde. So hat Kardinal Ratzinger auch für Langs kleines Buch ein Geleitwort geschrieben.

Im historischen Teil seiner Schrift weist Lang nach, daß die ersten Christen stets mit Blick nach Osten beteten, da die aufgehende Sonne für sie den auferstandenen und wiederkommenden Christus symbolisierte. Selbst wenn eine Ausrichtung nach Osten wegen der topographischen Gegebenheiten nicht möglich war, beteten Priester und Volk oftmals in dieselbe Richtung, wobei die Apsis oder ein Kruzifix als "ideeller Osten" galt. Die Angemessenheit dieser gleichen Gebetsrichtung unterstreicht Lang dann im theologischen Teil seines Buches. Steht der Priester mit dem Gesicht zum Volk, scheint dieses der Adressat seines Sprechens zu sein. Ein solcher Gottesdienst kann dann aber kaum mehr als eine katechetische Veranstaltung sein.

Die Gebetsrichtung, die oft polemisch als "mit dem Rücken zum Volk" bezeichnet wird, ist die Richtung zum Herrn hin. Gerade in der Zeit des herrschenden Anthropozentrismus sollte auch rituell zum Ausdruck kommen, daß Gott das Gegenüber allen Betens und Opferns ist. Lang stellt fest, daß bei der heiligen Messe ohne gleiche Gebetsrichtung der Opfercharakter zunehmend vom Mahlcharakter verdrängt wird. Ebenso schwindet der Glaube an die Realpräsenz Christi in der heiligen Eucharistie.

Insofern beruft sich Kardinal Ratzingers geforderte "Reform der Reform" direkt auf den heiligen Augustinus, der ein conversi ad Dominum – "hingekehrt zum Herrn" – in der christlichen Liturgie forderte.

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