Gremliza in Göttingen

Es hat schon etwas Erhebendes an sich, wenn Hermann L. Gremliza, Herausgeber des antideutschen Fanzines Konkret, zur Philippika gegen den grassierenden Antisemitismus unter seinesgleichen, also der radikalen Linken, anhebt. Gefördert „mit freundlicher Unterstützung“ durch das städtische Kulturamt sprach der bekennende Polemiker kürzlich im Göttinger Alten Rathaus zum Thema „Nation, Patriotismus, Antisemitismus. Deutschlands Weg in die Normalität“. Welch Wonne zu hören, wer da alles sein Fett abbekam: Von MLPD über KPD zu PDS und SPD – überall Antisemiten. Und das Schlimmste daran ist, daß sie es unbewußt und daher ohne schlechtes Gewissen sind. So dozierte Gremliza über Antiisraelismus im Gewande des Antiimperialismus, verwünschte die einst und noch heute von den Linken umgarnte PLO, deren Terror früher gut, da mit emanzipatorischer Perspektive versehen, heute jedoch schlecht, da nur noch nationalistisch oder religiös fundamentalistisch motiviert sei. Wer als Linker vom Recht der Palästinenser auf einen eigenen Staat spreche, höre auf, ein Linker zu sein und könne gleich zur Sudetendeutschen Landsmannschaft konvertieren. Überhaupt das Nahost-Problem: Da sollte ein deutscher Linker – weil er in diesem Punkt nämlich automatisch mehr deutsch als links ist, die Schuld also in seinen Genen trägt – „doch für die nächsten tausend Jahre die Klappe halten“. Immer noch sei es langfristiges Ziel deutscher Außenpolitik, Israel zu vernichten! Daher die hohen finanziellen Unterstützungen für die Palästinenser, daher der Pro-Saddam Kurs Schröders gegen Bush. Offenen Antisemitismus verhindere in Deutschland derzeit noch die exportorientierte Wirtschaft, was werde aber, wenn die Hure Kapitalismus sich lieber zu den arabischen Abnehmerländern ins Bett legen möchte? Besondere Heiterkeit kam während Gremlizas Strafpredigt immer dann im Auditorium auf, wenn er den Deutschen verbal ans Leder ging. Etwa bei seinem Bedauern, daß die Mauer leider keine dauerhafte Lösung für das „deutsche Problem“ geboten habe. Oder daß er zufriedener wäre, wenn als Heimstatt für das jüdische Volk nicht Palästina, sondern Teile Deutschlands bereitgestellt, „zuvor Länder wie beispielsweise Niedersachsen von der Urbevölkerung gereinigt“ worden wären. Derartiges kam gut an bei den anwesenden überwiegend Schwarzberockten und der jungen Dame im trendigen „Stalingrad“-Leibchen. Wahrlich, dem jüdischen Volk ist in seiner Geschichte viel Feindseligkeit entgegengebracht worden. Um so schlimmer, daß es auch noch solche „Freunde“ haben muß.

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