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Kampf ums Binnen-I

Österreich streitet um das Binnen-I. In Deutschland machen sich die Genderbewegten eher darüber Gedanken, ob sie der Sprachgemeinschaft lieber die „a-Form“ („Studenta“), die x-Form („Studierx“) oder das „Gender Gap“ („Student_innen“ oder „Student*innen“) aufnötigen wollen. Schließlich soll man die vielen anderen Geschlechter nicht diskriminieren. Das wird jedenfalls als Grund genannt, sich den albernsten Schreibweisen unterwerfen zu müssen.

Die Österreicher allerdings, vor allem die Innen, hängen noch sehr an dem überkommenen Binnen-I, das von der ideologisch veralteten Sicht der Zweigeschlechtlichkeit getragen ist. In dem bergigen Binnenland ist der politisch-korrekte Rechtschreibfehler weiter verbreitet als in der Bundesrepublik. Österreichische Verwaltungen errichten Schilder, auf denen von „RadfahrerInnen“ die Rede ist, und schreiben etwa von „BearbeiterIn“. Seit 1995 gibt es ganz amtlich ein „ArbeitnehmerInnenschutzgesetz“, das sich – anders als der Name vermuten läßt – nicht auf den Innenschutz von Arbeitern bezieht.

Sprachfeministischer Geßlerhut

Doch nun tobt in den Zeitungen ein heftiger Streit über Sinn und Zweck dieses sprachfeministischen Geßlerhuts. Ausgelöst hat ihn das österreichische Normungsinstitut „Austrian Standards“. Es wollte die „geschlechtergerechte Sprache“ in den neuen „Richtlinien für die Textgestaltung“ (ÖNORM A 1080) normieren. Einen Entwurf stellte es Anfang März zur Diskussion.

Überraschenderweise richtet sich der Entwurf nicht an den ideologischen Vorgaben des „Gender Mainstreamings“ aus, sondern am gesunden Menschenverstand. So heißt es darin etwa „Jeder Text muß unmittelbar laut (vor-)lesbar sein“ und: „Im Zweifelsfall ist es besser, statt krampfhaft nach Umformulierungen zu suchen, die verallgemeinernde Wortform zu wählen.“ Also nicht: „Das Verhältnis der Lernenden zu den Lehrenden wird von der Einstellung der Lehrkräfte geprägt“, sondern: „Das Verhältnis der Schüler zu den Lehrern wird von der Einstellung der Lehrer geprägt.“

„Durchsetzung zweifelhafter politischer Ziele“

Verantwortlich für den Entwurf ist Walburg Ernst, die Leiterin des „Komitees zur Regelung des Schriftverkehrs“. In der „Wiener Zeitung“ vom 19. März wurde sie noch deutlicher: „Die Sprache dient der klaglosen Verständigung und nicht der Durchsetzung zweifelhafter politischer Ziele. Großbuchstaben gibt es nur am Wortanfang oder bei durchgehender Schreibweise in Blockbuchstaben, das weiß schon jedes Volksschulkind. Außerdem: Gleichbehandlung ist ein Ziel, das auf der Ebene des Faktischen vorangetrieben werden muß. Welcher Frau hat das Binnen-I zu einem besseren Job oder zu mehr Bezahlung verholfen?“

Mit dieser Aussage stach Ernst in ein Wespennest. Die „Österreichische HochschülerInnenschaft“ ist entsetzt. Der „Verband Sozialistischer Student_innen“ nennt den Entwurf „widerwärtig“. Die SPÖ schäumt, das Normungsinstitut habe seine Zuständigkeiten überschritten und mißachte „jahrzehntelange gesellschaftspolitische Diskussionen“. Die Partei droht: „Dem werden wir mit gesetzgeberischen Mitteln entgegenwirken.“ Es gebe doch bereits Empfehlungen des Bundesministeriums für Frauen. Die FPÖ-Frauensprecherin Carmen Gartelgruber hingegen freut sich über die endlich erreichte Erkenntnis, daß das Binnen-I „nicht praktikabel“ sei.

Aufgrund des Proteststurms sieht sich das Normungsinstitut zur Distanzierung gezwungen: „Die Aussagen der Vorsitzenden des Komitees 045 ‚Büroorganisation und schriftliche Kommunikation‘ spiegeln nicht die Position von Austrian Standards wider.“ So dürfte der Entwurf für die Norm so umgearbeitet werden, daß er doch noch den politisch-korrekten, aber sprachlich-vertrackten Vorgaben entspricht. Bis zum 31. März noch können sich die Bürger zum Entwurf äußern.

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