Diskriminiertes Deutsch

„Deutsche Euros gerne nehmen, aber die deutsche Sprache diskriminieren: Das paßt nicht zusammen.“ So begründet Johannes Singhammer seinen unermüdlichen Einsatz für die deutsche Sprache in der EU. Als Abgeordneter des Deutschen Bundestags kämpft er schon seit Jahren für die Besserstellung unserer Sprache.

Singhammer verlangt etwa, daß die Kommission „vor EU-Milliarden-Entscheidungen auch amtliche Übersetzungen in deutscher Sprache“ liefert. Außerdem empört er sich darüber, daß die Hohe Kommissarin für Außenpolitik, Lady Catherine Ashton, für den Auswärtigen Dienst der EU nur Englisch- und Französischkenntnisse verlangt, nicht aber Deutschkenntnisse. Die EU hält Deutschland von der Außenpolitik weitgehend fern. Nach Singhammers Angaben besetzt Deutschland nur zehn von 131 Botschafterposten – hinter Spanien (15), Frankreich (15) und Italien (14).

Verhandlungen mit der Kommission

Seit Singhammer im Oktober des vergangenen Jahres das Amt des Vizepräsidenten des Bundestags übernommen hat, verstärkt er seine Bemühungen um die deutsche Sprache. Ende März dieses Jahres fuhr er nach Brüssel, um unmittelbar mit der EU-Kommission über die Frage zu verhandeln, wie Deutsch als Amts-, Arbeits- und vor allem auch Verfahrenssprache bei der EU im täglichen Gebrauch stärker durchgesetzt werden kann.

Sein hartnäckiges Bemühen wird hoffentlich eines Tages Erfolg haben. Denn der Widerstand in der Kommission ist groß. Der Anteil der Texte, die ins Deutsche übersetzt werden, sinkt. Übersetzerstellen werden gestrichen. Wenn der Bundestag die unübersetzten Dokumente nicht bearbeitet, hat das „leider zur Folge, daß Brüssel ohne deutsche Stellungnahmen Entscheidungen trifft“, so Singhammer. Den Fortschrittsbericht der EU-Kommission zur Türkei gab es zwar immerhin auf deutsch, aber erst zwei Monate später als die englische Fassung. Da war die Debatte über den Bericht bereits vorbei.

Von der Leyen verzichtet auf Deutsch

Soll Singhammer Erfolg haben, müssen alle Minister der Bundesregierung Rückendeckung geben und der deutschen Sprache Vorrang einräumen. Das ist leider nicht der Fall. Als Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen ihre Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz Anfang Februar dieses Jahres vollständig auf englisch hielt – sie hatte in Deutschland über deutsche Verteidigungspolitik gesprochen – rüffelte Singhammer sie: „Ich würde dringend dazu raten, so etwas auf deutsch zu machen. Die wichtigste internationale Konferenz, die wir in Deutschland haben, sollte auch ein Aushängeschild für die deutsche Sprache sein.“ Es sei schwierig, bei der EU-Kommission für die deutsche Sprache zu werben, „wenn wir sie selbst nicht sprechen. Es ist ein Problem der deutschen Elite, daß sie ihre Englischkenntnisse so gern zur Schau stellt.“ Deutsch sei „viel zu schön und zu präzise“, um zur Freizeitsprache zu verkümmern.

Ursula von der Leyen sollte einmal einen Blick in den Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD werfen. Darin heißt es: „Der Umgang mit der deutschen Sprache in den europäischen Institutionen muß ihre rechtliche Stellung und ihren tatsächlichen Gebrauch in der EU widerspiegeln. Deutsch muß auch in der Praxis den anderen beiden Verfahrenssprachen Englisch und Französisch gleichgestellt werden.“ Doch Papier ist bekanntlich geduldig.

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