Den Müll selber entsorgen

Ein lauter Aufschrei ging durch das Land. Dem monolithischen Komplex aus Medien, Militär und Kongreß war es mit seiner Dauerpropaganda gelungen, das verängstigte Volk von der Notwendigkeit einer militärischen Offensive im Irak und Syrien gegen ein Rudel wilder Hunde zu überzeugen: den Islamischen Staat im Irak und der Levante (ISIS oder ISIL). Eine Mehrheit der befragten Amerikaner sagte, es liege im Interesse der USA, militärische Maßnahmen gegen die Terrororganisation zu ergreifen.

Das Volk brach in Wehklagen aus. Ihr Herrscher, beschwerten sich die Menschen, stehe dieser Macht, die – so hatte man ihnen gesagt – eine existentielle Bedrohung darstelle, planlos gegenüber. Worüber aber waren die Falkenküken im Hühnerhaus von Fox News so arg ins Flattern geraten? Barack Obama hatte gegenüber Reportern gesagt, er habe noch keine Strategie für eine Konfrontation mit ISIS „auf regionaler Ebene“. Derweil schienen die Nachbarstaaten – einschließlich Israel – nicht sonderlich bekümmert angesichts der Barbaren vor ihren Toren. Durchaus möglich, daß die ewige Aussicht auf amerikanische Intervention Tatenlosigkeit und Apathie unter den regionalen Akteuren gefördert hat.

Lächerliche Versprechen der USA

Despotismus und Populismus haben endlich eine unheilige Allianz geschlossen. Der Präsident beugte sich der Macht der Umfrageergebnisse und schusterte eine Strategie zusammen. Und siehe da, plötzlich war alles wieder gut: Die Mitglieder der liebeskranken linksliberalen Medien wuselten so aufgescheucht herum wie Teenager beim Abschlußball, der Präsident war auf einmal so beliebt wie schon lange nicht mehr. In seiner Fernsehansprache an die Nation versprach Obama eine Verstärkung der Luftangriffe auf den Irak sowie die Ausweitung des Kampfes auf Syrien. Die Hormonmesser bei CNN schossen bei jedem väterlichen Schutzversprechen in die Höhe. „Wer Drohungen gegen Amerika ausspricht, für den gibt es nirgendwo eine sichere Zuflucht“, brüllte Big Daddy.

Die gutgläubigen Amerikaner wollten ganz offensichtlich nicht begreifen, wie lächerlich diese Versprechungen waren. Man bedenke, daß im aktuellen FBI-Bericht zur Gefahreneinschätzung in bezug auf inländischen Terrorismus der islamistische Terrorismus nicht einmal erwähnt wird. Wie schon sein Vorgänger bildet sich auch dieser Präsident mitsamt seinen böswilligen Lakaien ein, die eigentliche Gefahr für das Heimatland (d. h. für ihre Herrschaft) ginge von der einheimischen Einfalt aus: „regierungsfeindliche Milizen“, „Rechtsextreme“ verschiedenster Provenienz und, was sonst, „puertorikanische Nationalisten“. Den ISIS-besessenen Sturköpfen hat er mit seinen vollmundigen Versprechen zwar einen Knochen hingeworfen – die Südgrenze seines Reichs jedoch steht auch weiterhin weit offen, weil er es so verfügt hat.

Unmöglich, die gute von der schlechten syrischen Opposition zu unterscheiden

Der bei weitem lächerlichste Aspekt von Obamas sogenanntem Plan ist seine Zusage, der syrischen Opposition militärische Unterstützung zu leisten. In Wirklichkeit ist es vollkommen unmöglich, die gute syrische Opposition von der schlechten zu unterscheiden. Eher ist „eine zunehmende Vorherrschaft der radikalen Islamisten unter den syrischen Rebellen, die gegen Assads Armee kämpfen“ zu beobachten, wie der hervorragende israelische Informationsdienst DEBKAfile berichtet. Der einzige, der ISIS definitiv bekämpft, ist der von allen Seiten unter Beschuß stehende syrische Staatspräsident Bashar al-Assad, den Obama, John McCain und Hillary Clinton entthronen wollen.

Die Entfesselung von ISIS verdanken wir der Entthronung eines anderen äußerst effektiven Ordnungshüters, Saddam Hussein. Mit anderen Worten, dieses Verdienst gebührt George W. Bush: daß nämlich aus dem Schurkenstaat Irak ein gescheiterter Staat wurde, in dem tollwütige Hunde marodieren.

Syrien, Iran und Israel in die Pflicht nehmen

Erst vor wenigen Wochen gingen laut Berichten von DEBKAfileaus dem Konflikt zwischen Israel und der Hamas zwei organische Bündnisse hervor: eine „regionale Koalition“ zwischen dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, dem saudi-arabischen König Abdullah, dem ägyptischen Präsidenten Abdel-Fatteh El-Sisi, Scheich Mohammed Bin Raschid Al Maktum, dem Premier der Vereinigten Arabischen Emirate, und … dem Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde Mahmud Abbas. Auf der Gegenseite fanden sich die Hamas, Katar, die Türkei, der US-Außenminister John Kerry, UN-Generalsekretär Ban Ki-moon zusammen. Ersteres Bündnis wiederum entsprang aus „Netanjahus Dilemma: Obamas Hamas-Rettungspolitik zu unterstützen oder gemeinsam mit Ägyptern und Saudis auf ihren Untergang hinzuarbeiten“.

Worauf ich hinaus will? Amerika glaubt immer noch, die Zustände in Nahost beeinflussen zu können und zu müssen. Die Realität sieht anders aus. Allen amerikanischen Bemühungen zum Trotz ist Assad immer noch an der Macht. Die israelische Regierung ist bereits dabei, „ihre Haltung gegenüber Syrien radikal zu ändern, indem sie ihre langjährige politische und militärische Strategie der Opposition gegen Baschar Assad aufgibt“. Die amerikanischen Wichtigtuer sollten sich ein Beispiel daran nehmen und den Kampf gegen ISIS Damaskus, Teheran und Tel Aviv überlassen. Höchste Zeit, daß die einheimische Bevölkerung ihren Müll selber entsorgt.

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