Bayern-Beschimpfung

Für großen Wirbel hatte die Empfehlung der CSU gesorgt, Einwanderer sollten auch zu Hause Deutsch sprechen. Im Leitantrag des CSU-Vorstands für den heutigen Parteitag in Nürnberg hieß es in der ersten Fassung noch: „Für Ausländer, die ohne Sprachkenntnisse einreisen oder hier bleiben dürfen, bieten wir Sprachförderung in allen Lebenslagen an. Wer dauerhaft hier leben will, soll dazu angehalten werden, im öffentlichen Raum und in der Familie deutsch zu sprechen.“

Da sich die Politik aus der Frage heraushalten sollte, was man zu Hause sprechen soll, stieß der zweite Teil des letzten Satzes zu Recht auf Kritik. Folgerichtig formulierte die CSU den Satz um: „Wer dauerhaft hier leben will, soll motiviert werden, im täglichen Leben deutsch zu sprechen.“ Für viele, die es nicht so sehr mit der deutschen Sprache haben, ist dieser Satz immer noch eine Provokation. So schimpft das linke „Sprachlog“ um Anatol Stefanowitsch, es gehe der CSU doch nur „schlicht darum, sich den Realitäten einer kulturellen (und damit auch sprachlichen) Vielfalt zu verweigern“. Das Problem der doppelten Halbsprachigkeit kennt das „Sprachlog“ nicht, da es Hochdeutsch nicht als Leitnorm anerkennt.

Auch Bairisch ist Deutsch

Der Protest gegen die ursprüngliche Formulierung des Leitantrags war also zum Teil berechtigt. Die Art und Weise jedoch, wie die Kritik vorgetragen wurde, ähnelt doch stark dem, was die politische Linke in anderen Zusammenhängen gern als Fremdenfeindlichkeit und Rassismus bezeichnet. Das Erschreckende dabei: Rassismus gegen Bayern scheint – zumindest außerhalb des Freistaats – gesellschaftsfähig zu sein. Das Klischee des bierberauschten, lederbehosten und unverständlich grunzenden Normbayern sitzt nördlich des Mains anscheinend immer noch sehr tief.

Da wurde zum Beispiel behauptet, die Bayern könnten kein Deutsch, und Bairisch sei kein richtiges Deutsch. SPD-Vize Ralf Stegner spottete etwa: „Schließlich ist die Deutschpflicht auch für CSU-Mitglieder eine echte Anstrengung.“ Natürlich spricht nicht jeder bayerische Bürger Dialekt, und natürlich gehören auch Dialekte zur deutschen Sprache.

Sprachpolizei kommt von links

Auch die Bayern können Hochdeutsch. Wer etwas anderes behauptet, will vielleicht in seinem Hochmut gewisse Minderwertigkeitsgefühle verarbeiten. Wenn die Bayern schon wirtschaftlich und bildungspolitisch so erfolgreich sind und über den Länderfinanzausgleich das Armenhaus Berlin finanzieren, dann müssen sie wenigstens schlecht deutsch sprechen können, scheinen manche zu denken. Übrigens sind in Bayern die Einwanderer besser integriert als in der Hartz-IV-Hauptstadt Berlin, die am bayerischen Tropf hängt.

Völlig absurd ist es schließlich, wenn ausgerechnet linke Politiker der CSU vorwerfen, eine Sprachpolizei einrichten zu wollen. Die bayerische SPD-Generalsekretärin Natascha Kohnen meint: „Jetzt fehlt nur eine CSU-Sprachpolizei, die das Ganze kontrollieren soll.“ Dabei verdrängt sie, daß die Sprachpolizei eigentlich von links kommt. Ideologen, die SPD und Grünen nahestehen, haben es geschafft, daß sprachpolizeiliche Vorgaben immer stärker um sich greifen. Zahlreiche Leitfäden halten Angehörige von Behörden und Universitäten dazu an, politisch korrektes Genderdeutsch zu verwenden. Wer im Glashaus sitzt, sollte also nicht mit Steinen werfen.

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