Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

Armer Konrad

Das Jahr 1514 war ein unruhiges Jahr. Es gärte überall im Reich deutscher Nation, dessen innere Ordnung von der Konkurrenz zwischen geistlichen wie weltlichen Fürstentümern, den Städten, dem reichsunmittelbaren Adel, dem langsam aufkommenden Religionskonflikt mit einer gottvergessenen Kirche, dem Kaiser und dem ebenso neuen Nationalgefühl in Frage gestellt wurde. Letzteres wurde bald von Ulrich von Hutten repräsentiert, der eben 1514 aus Italien zurückkehrte, um die deutsche politische Landschaft künftig mit Mahnschreiben zu traktieren, das Große Ganze nicht zu vergessen, zum Beispiel den Krieg in Italien und die Türkengefahr.

Außerdem gab es da noch diejenigen, die man das vorläufig unorganisierte  Bürger- und Bauerntum nennen könnte. Was man als Angehöriger dieses Standes für Rechte hatte, hing in starkem Umfang vom Zufall des jeweiligen Landesherrn ab und der Stärke der eigenen Vorfahren, diese Rechte zu verteidigen. Mit Sicherheit aber gab es für jeden nur wenig Möglichkeiten, sich im Rahmen der Verhältnisse gegen weitere Einschränkungen zur Wehr zu setzen.

So war denn der gemeine Mann gezwungen, irgendwie die hohen Abgaben beizubringen, die in breitem Strom an einen Ort ins Ausland flossen, der damals noch nicht Brüssel, sondern Rom hieß und zudem natürlich die Reformen und die Kriege im eigenen Land zu finanzieren.

Das Ganze endete dann doch in einem Gemetzel

Wie es in der Geschichte immer so gewesen ist: Eines Tages war Schluß. Im Jahr 1514 kam es jedenfalls in Südwestdeutschland zu einem Aufstand. Anlaß war eine neue „Abgabe“, aber offenbar auch eine weitere „Reform“, in diesem Fall der Maßeinheiten. Das Stück Fleisch sollte fürs gleiche Geld nun plötzlich weniger schwer sein als früher, was sich in der schönen Legende niederschlug, jemand hätte die neuen Gewichte beim Metzger gestohlen, vor Empörung in den Fluß geworfen – und sie seien noch nicht einmal untergegangen.

Warum sich der zeitweise angeblich mehrere Tausend (nach anderen Angaben wenige Hundert) Menschen umfassende Trupp aus Bauern, Bürgern und ein paar Geistlichen, die nun bewaffnet die Rückkehr zu alten Verhältnissen forderten, ausgerechnet „Armer Konrad“ nannte, ist nicht so richtig geklärt worden. An eine Person war es scheinbar nicht geknüpft.

Das Ganze endete nicht ohne vertraglichen Teilerfolg, aber dann doch in einem Gemetzel. Vor fünfhundert Jahren, Ende August bis Anfang September 1514 wurde der Arme Konrad zerschlagen. Man ließ seine Anhänger nach damaliger Sitte foltern, köpfen und verbrennen. Wie aus der Geschichte überhaupt, lassen sich auch aus dieser nur wenige allgemeine Lehren ziehen. Dazu gehört zum Beispiel diese: Irgendwann ist Schluß, und der Aufstand beginnt – aber wann, das weiß keiner so genau.

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