Joachim Kuhs

 

Wenn Liberale Katzen töten wollen

Wer geglaubt hatte, daß mein satirischer Ausblick auf das Jahr 2030 vollkommen unrealistisch sei, der wurde kürzlich von der FDP-Jugendorganisation „Junge Liberale“ eines Besseren belehrt. Aus Sachsen-Anhalt überraschte uns die Nachricht, daß der dort ansässige Landesverband dafür eintritt, das Schlachten und Verspeisen von Katzen und Hunden in Deutschland zu legalisieren. „Wir trauen den Menschen zu, diese Wahl für sich eigenverantwortlich zu treffen“, informierte der FDP-Nachwuchs über seine radikalliberale Position.

Das Schlachtverbot sei nämlich nur „durch merkwürdige Moralvorstellungen zu erklären“, da es nicht einzusehen sei, warum man etwa ein Schwein schlachten dürfe, eine Katze aber nicht. Und, Obacht: Es stelle mithin „eine Diskriminierung anderer Kulturen dar, in denen Fleisch der genannten Tiere als Delikatesse gilt“. Nachdem sich massive Kritik an diesem Vorschlag entzündete, gab sich der Landesverband weiterhin kämpferisch: „Der Antrag bleibt jedoch Beschlußlage in Sachsen-Anhalt und wird daher zum nächsten Bundeskongreß wieder eingereicht. Er ist daher noch nicht vom Tisch.“

Was ist dazu nun zu sagen? Nur eine unbedeutende Provinzposse, die man nicht weiter beachten sollte? Nur ein paar Hinterbänkler, die sich profilieren wollten? Mitnichten. In einem extremen Einzelfall zeigt sich vielmehr der generelle Wahnsinn einer Partei, die sich mit politischer Korrektheit ihr parlamentarisches Grab schaufelt.

Aber zunächst frage ich mich natürlich, warum wir bei der Toleranz gegenüber anderen Kulturen nicht gleich noch konsequenter sind. Wie steht es zum Beispiel mit unserer Offenheit gegenüber Kulturen, in denen Nacktheit als Normalität gilt? Müssen wir jetzt auch der „merkwürdigen Moralvorstellung“ ein Ende bereiten, daß Abgeordnete des Bundestags ihre Reden nicht nackt halten dürfen? Und darf ein Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer verbieten, daß dieser seine Arbeitspartner nicht mit Handschlag, sondern mit einem ungefragten Eskimokuß begrüßt? Diese beiden Beispiele zeigen letztlich, wohin die Multikulti-Ideologie der „Jungliberalen“ von Sachsen-Anhalt führen würde, wenn man sie konsequent zu Ende dächte. Das liefe nämlich auf eine faktische Auflösung jeglicher Kultur hinaus. Aber wie soll man das einem „Jungliberalen“ erklären, der oftmals die Vorstellung für selbstverständlich hält, daß es so etwas wie Kulturen gar nicht gäbe?

Der Liberalismus ist eine vernünftige Sache, doch mit den Liberalen ist es derzeit zum Verzweifeln. Wenn ich darüber nachdenke, wieso ich die FDP 2009 das letzte Mal wählte, und wieso ich sie 2013 bewußt nicht mehr im Bundestag haben wollte, so hat das nicht nur mit der unverantwortlichen Europolitik oder dem Verrat in punkto Steuerpolitik zu tun. Sondern ich kann einfach keine Partei unterstützen, die sich als Papagei des Öko-, Hippie-, Gender- und Mein-Freund-ist-Ausländer-Establishments betätigt. Und jene Wähler, die das wollen, haben bereits genügend Parteien jenseits der FDP zur Auswahl. Eine „Grüne Jugend“ für Apotheker ist schlicht überflüssig. Die FDP ist teils unfähig, teils unwillig, den rotgrünen Herrschenden ein fundamental anderes Menschenbild entgegenzusetzen.

Derweil greift Sachsens FDP-Landeschef Holger Zastrow die Alternative für Deutschland mit dem Argument an, daß  deren Parteichef Bernd Lucke gesagt habe, daß die Gefahr einer Unterwanderung seiner Partei durch ein paar NPD-Hansels „lächerlich“ sei. Dies sei „kein verantwortungsvoller Umgang mit dem Problem“, so Zastrow. Mit etwas anderem als Anti-Diskriminierung und „Kampf gegen rechts“ scheinen sich die Gedanken von FDP-Politikern kaum noch zu beschäftigen.

Einen Aspekt dieses Wahnsinns beschrieb ein Facebook-Kommentator, der sich über die „Jungliberalen“ erregte: „Früher waren Politiker einst Gelehrte und Philosophen, heute sind es spätpubertierende Kids mit Profilneurose, die vom Wahnsinn dieser Welt medial verblödet wurden… (…) Und die Kacke hat erst angefangen zu dampfen.“ Am 22. September 2013 hat die FDP die Quittung dafür bekommen.

Erfreut über die Entwicklung kann indessen die AfD sein. Denn sollte die FDP ihre politisch korrekte Infantilisierung  fortsetzen und sich im Bundestagswahlkampf 2017 als Partei der Katzentöter profilieren wollen, so dürfte klar sein, welche Partei im Überlebenskampf um die bürgerlich-liberale Vorherrschaft das Rennen machen wird.

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