Joachim Kuhs

 

Menschliche Maßstäbe

Wir feiern in diesen Tagen den eigentlich unglaublichen Vorgang der Menschwerdung Gottes. Und die geschah nicht etwa zu einer nicht mehr bestimmbaren Zeit im Reich der Legenden grauer Vorzeit, sondern an einem bestimmbaren Datum mitsamt einer nachvollziehbaren Vorgeschichte.

Man kann sich vielleicht vorstellen, welche Mischung aus Glücksgefühlen und Angst die junge Maria während ihrer Schwangerschaft empfunden haben muss, weil sie ja wusste, dass sie einen Gott zur Welt bringen wird. Und nicht nur aus heutiger Sicht (damals waren die Menschen ja auch schon „schlau“), war es unfassbar leichtgläubig von Josef, sich von seiner Verlobten diese Geschichte der unbefleckten Empfängnis auftischen zu lassen.

Die heilige Familie

Neben all‘ den Widrigkeiten, die eine Schwangerschaft und eine Reise während der Schwangerschaft, mit sich bringen, könnte sich ein Mensch aus Fleisch und Blut permanent die Frage stellen, warum man denn Gott austrägt und warum man von niemandem dafür gefeiert wird, noch nicht mal eine angemessene Unterkunft erhält. Und Eltern wissen: Nach der Geburt passieren einem stoffwechselnden Baby Dinge, deren Geruch man wirklich niemals einem Gott zugeschrieben hätte.

Es ist mit menschlichen Maßstäben nicht zu begreifen, wie Gott sich zum Menschen… erniedrigen konnte, um dann wenige Jahrzehnte später auf diese grässliche Art sich töten zu lassen. Wenn wir es erstmal durchdacht und glaubend verinnerlicht haben, dann können wir eine liebende Zuneigung entwickeln, nicht nur zum Menschgewordenen, sondern auch zur Heiligen Familie.

Einige Tage innehalten

Und damit verliert auch das ganze angestrengte Brimborium von Weihnachtsmärkten, Lichtermärkten, Schokolade und Geschenken seinen Schrecken und auch das, was Widerwillen und im Affekt vielleicht auch Ekel erzeugt. Es wird erträglich, wenn wir es als Umwelt auf unserem Weg nach Bethlehem erkennen, der von allerlei Menschlichem flankiert wird.

Wir dürfen jetzt einige Tage innehalten und uns immer wieder genau daran erinnern, dass Gott die Welt so sehr geliebt hat, „dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“ Das ist wunderbar, freut Euch!

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