Wählen nach Farben

Demographie ist Schicksal. Das gilt auch für US-Präsidentenwahlen. Gleich mehrere Kommentatoren weisen darauf hin, daß der – nach Stimmenzahlen knappe, nach Wahlmännerstimmen deutliche – Wahlsieg des Amtsinhabers Obama wesentlich dem Stimmverhalten der ethnischen Minderheiten zu verdanken sei. Für deren Angehörige gehört es vielfach zum guten Ton, den linksliberalen Demokraten anzuhängen und etwaige Sympathien für die Republikaner zu verleugnen.

Fast drei Viertel der „Hispanics“ haben Obama gewählt, und die Zahl der Wahlberechtigten dieser Gruppe ist in den letzten vier Jahren um ein Fünftel gestiegen. Bei den Schwarzen sollen es Umfragen zufolge über 90 Prozent gewesen sein, die beim „Wählen nach Farben“ für „ihren“ Bruder gestimmt haben. Wenn Weiße so wählen, nennt man das „Rassismus“, bemerkt ein Blogger.

„Die Gruppe der ‚minorities‘, besonders der asienstämmigen und der hispanischen Amerikaner wächst, die Geburtenrate der Weißen dagegen schrumpft. Ergebnis: ein sozusagen demographisch eingebauter Vorteil von 1,7 Prozentpunkten für die Demokraten alle vier Jahre“, kommentiert die FAZ.

Eine Schicksalsfrage, die uns Deutsche nicht gleichgültig sein kann

Die liberale Konsequenz daraus lautet: Paßt euch eben an. Macht eine weichere Einwanderungspolitik, dann wählen euch die Latinos (ein Rezept, mit dem es schon George W. Bush versucht hat); und serviert um Gotteswillen die „Tea Party“ ab, damit ihr in der „Mitte“ wieder punkten könnt. Die Suche nach einer Führungsfigur, die diesen Spagat hinbekommt, scheint bereits in vollem Gange.

Klingt verdächtig nach der opportunistischen Strategie, mit der sich in unseren Breiten die CDU angesichts der fortschreitenden Ergrünung und Multikulturalisierung selbst überflüssig gemacht hat. Aber ganz so simpel sind die Verhältnisse in den USA eben doch nicht. Nach absoluten Stimmenzahlen lagen Obama und Romney weniger als einen Prozentpunkt auseinander; die Mehrheit im Kongreß haben die Republikaner behauptet. Kandidat Romney mag unattraktiv für typisch demokratische Zielgruppen gewesen sein, er hat aber offensichtlich auch konservative Stammwähler wie z.B. die Evangelikalen verschreckt, weil diese dem Mormonen nicht trauten.

Die eigentliche Aufgabe lautet also, republikanisch-amerikanische Werte wie Selbstverantwortung vor Staatsbevormundung und Freiheit vor Gleichheit so überzeugend zu vertreten, daß auch die Neubürger sie übernehmen. „Integration“ könnte man das auch nennen. Weil Macht in Amerika dezentral vergeben und ausgeübt wird, können gerade da Konservative und „Tea-Party“-Leute zeigen, was sie draufhaben. Ob es im Multikulti-Labor USA gelingt, den ethnischen Zerfall der Staatsgewalt und der politischen Lager doch noch aufzuhalten, ist eine Schicksalsfrage, die uns Deutsche schon deshalb nicht gleichgültig lassen kann, weil sie sich auch hierzulande bereits stellt.

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