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Zur Ökonomik des E10-Sprits

Die deutschen Autofahren lehnen mit überwältigender Mehrheit das neue Ökobenzin E10 ab. Der Absatz ist kurz nach der Einführung nahezu zusammengebrochen. Andererseits sind die Deutschen bei keinem Produkt preiskritischer als beim Kraftstoff. Für 2 Cent Ersparnis pro Liter werden gelegentlich kilometerweite Umwege in Kauf genommen. Die Gesamtkostenbilanz kann dann schnell negativ ausfallen.

Grundsätzlich ist die Preisempfindlichkeit jedoch als Marktsignal zu begrüßen. Auf diese Weise wurde die Ölpreiskrise in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts erfolgreich überwunden. Die hohe Preisempfindlichkeit kann daher grundsätzlich zu einer zunehmenden Akzeptanz des verbilligten E10-Sprits führen. Wenn da nicht die zweitgrößte Empfindlichkeit des mobilen Deutschen wäre, die Sorge um das Auto.

Automobile Kostenbilanz

Schadet das E10-Benzin nun dem Auto, insbesondere dem Motor oder der Benzinleitung oder nicht? Man weiß es nicht genau, man befürchtet es. Die Hersteller halten sich mit absoluten Unbedenklichkeitserklärungen zurück. Sie befürchten, im Schadensfalle zur Haftung herangezogen und zum Schadensersatz verurteilt zu werden. Eine clevere Tankstellenkette verkauft ihr Benzin neuerdings mit einem Versicherungsschein, der den Schadensersatz im Falle des Falles zusichert. Aber wenn es eine Versicherung für mögliche Schadensfälle gibt, dann sind auch diese Schadensfälle möglich. Der rechnende Autofahrer wird als den Kostenvorteil des E10-Preises mit den möglicherweise notwendigen Reparaturen verrechnen müssen.

Eine zweite Kalkulation berührt den Mehrverbrauch. Liegt er wirklich bei 5 Prozent gegenüber der Nutzung des herkömmlichen Super-Benzins muß E10-Benzin mindestens 4,762 Prozent günstiger sein. Kosten das Super-Benzin 1,60 Euro, muß der E10-Preis unter 1.524 Euro liegen, um einen Kostenvorteil zu bieten. Bislang erreicht die Differenz diese Vorgabe nicht. Um eine Wechselwirkung von Super auf E10 zu erzielen, muß sie sogar deutlich größer sein. Der Schwellenwert dürfte, wenn der Liter Super-Benzin 1,60 Euro kostet, daher bei 1,49 Euro für den Liter E10 liegen.

Ökologische Kostenbilanz

Der Mehrverbrauch belastet auch die Öko-Bilanz, die der Autofahrer als durchaus beachtenswert einstuft. 5 Prozent mehr Öko-Mix bedeutet: Pro gefahrener Kilometer wird fast genausoviel Mineralöl verbraucht, wie beim herkömmlichen Benzin. Dabei ist schon eingerechnet, daß das herkömmliche Benzin bereits 5 Prozent Ethanol enthält. Hier die Übersicht: Bisher wurden mit 100 Liter Benzinverbrauch 95 Liter Mineralölanteil und 5 Liter Ethanol verbrannt. Nun sollen mit 105 Liter E10-Verbrauch 94,5 Liter Mineralölanteil und 10,5 Liter Ethanol dem Verbrennungsmotor zugeführt werden. Der Verbrauch an Mineralölbestandteilen geht damit gerade einmal um 5,26 Promille zurück.

Der Ethanol-Verbrauch für den Treibstoff steigt allerdings von 5 Litern auf 10,5 Liter, insgesamt also um 110 Prozent gegenüber dem früheren Zustand. Die mehr als verdoppelte Menge muß natürlich auch produziert werden. Bioethanol wird aus pflanzlichen Produkten hergestellt. Das können pflanzliche „Abfallprodukte“ wie Holzreste, Stroh oder nicht eßbare Nutzpflanzenbestandteile sein (Cellulose-Ethanol). Effizienter ist die Erzeugung aus stärke- und zuckerhaltigen Pflanzen wie Getreide, Zuckerrüben oder Zuckerrohr, da diese nicht auf die Aufspaltung des Ethanols durch Säuren und Enzyme angewiesen ist (Glukose-Ethanol).

Steigende Lebensmittelpreise

Die verstärkte Nachfrage nach Bioethanol verleitet den Agrarökonomen (Landwirt), seinen landwirtschaftlichen Ertrag vermehrt den Nachfragern von Treibstoffen anzubieten – zu Lasten der Nachfrager von Lebensmitteln. Das Ausmaß der Umwidmung wird durch den Preis bestimmt. Da sich in Deutschland die Lebensmittelpreise auf einem Vergleichsweise hohen Niveau befinden, muß die Auswirkung auf die Lebensmittelerzeugung noch nicht sehr hoch sein.

Zumal möglicherweise noch brachliegende Flächen, wenn sie von der Europäischen Union freigegeben werden, für die zusätzliche Produktion von Bioethanol nutzbar sind. Allerdings ist die Arbeitskapazität der Landwirte begrenzt und eine Nachfrageausweitung geht in der Regel mit allgemeinen Preiserhöhungen einher, egal welche Verwendung vorliegt. Die Lebensmittel werden durch die verstärkte Nachfrage nach Bioethanol somit in jedem Falle teurer.

(wird fortgesetzt)

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