Quod erat demonstrandum

In der heutigen Zeit, da nun jeder kleine Gauner gelernt hat, sich mit „Nazi, Nazi“-Geschrei auf die moralisch richtige Seite zu definieren, haben Vergleiche mit dem Nationalsozialismus stets einen unangenehmen Beigeschmack. Wenn, wie hier vor zwei Wochen geschehen, angesichts der zu erwartenden Folgen nach dem Attentat in Norwegen an den Reichstagsbrand erinnert wurde, verlangt dies nach einer Begründung. Betrachten wir doch einfach einmal die Reaktionen auf diesen Vergleich.

Auf Spiegel Online konstruierte Volker Weiß eine Parallele zwischen islamischen Gotteskriegern und denjenigen, die den Vormarsch des Islam mit wenig Freude betrachten. Als Beleg diente unter anderem meine Kolumne: „Im Dunkel der Andeutung unausgesprochen bleibt dabei der Gedanke, es sei eine Verschwörung gewesen, die in Norwegen das Massaker herbeigeführt habe, um den Rechtspopulismus in Europa zu zerschlagen. Dabei kam jetzt nur heraus, wie ähnlich man dem Gegner ist.“

Nun, ich habe lediglich geschrieben, daß der Hintergrund dieses Attentates völlig egal ist, es wird politisch benutzt. Und Weiß bietet dafür ein sehr gutes Beispiel. Denn an keiner Stelle erläutert er, wieso a) ein Konservativer, der durch seinen Einsatz für die öffentliche Ordnung beschrieben ist, diese durch Terror destabilisieren will, b) ein Nationalist, dem an den Fortbestand seines Volkes gelegen ist, dessen Jugend ermordet, c) ein Christ, der dazu angehalten ist, Christus in jedem Menschen zu erkennen, ein Massaker begeht und so weiter.

Der Breivik-Virus in uns allen

Statt die erschöpfende, aber politisch nicht verwertbare Antwort zu geben, daß es sich bei dem norwegischen Attentäter schlichtweg um einen Verrückten handelt, dessen Tat keine Rationalität erkennen läßt, macht Weiß genau das, was er mir vorwirft. „Im Dunkel der Andeutung“ ergeht er sich in einer Verschwörung, in der ein Breivik irgendwie in uns allen steckt. Ja, auch ich trage diesen Breivik-Virus in mir. Warum das Attentat beim Schmidt-Ahmad „nicht zum Nachdenken über die Inhalte seiner Überzeugungen“ geführt hat, sorgte man sich entsprechend beim „Netz gegen Nazis“.

Nun, die Inhalte meiner Überzeugungen überprüfe ich ständig, und im Laufe von Jahren haben sich diese auch erheblich gewandelt. Allerdings vermutlich nicht im Sinne vom „Netz gegen Nazis“, weshalb es meine Kolumne „zu dokumentarischen Zwecken“ festhielt. Man könnte auch sagen, zum Mord aufrief. „Ähnlich argumentieren auch Neonazis in einschlägigen Foren“, wird behauptet. Auch eine „Drohung“ will man bei mir herausgelesen haben.

Soso, der Schmidt-Ahmad geht über eine Straße und Judenmörder gehen über die gleiche Straße, da werden der Schmidt-Ahmad und die Judenmörder ja wohl irgendwie schon ein gemeinsames Ziel haben. So funktioniert Volksverhetzung. Julius Streicher wäre stolz auf euch gewesen. Eine Botschaft, die im Übrigen angekommen ist:

„Dem Hurensohn das Handwerk legen“

Auf einer linksextremen Seite heißt es über „ein stück scheiße in menschengestalt namens fabian schmidt-ahmad“ welches angeblich „die ermordeten zu den wahren tätern“ erklärt habe. „leider ist aufgrund der nationalen grenzen der rechtsweg nach §189 stgb ausgeschlossen. um dem hurensohn das handwerk zu legen, wird mensch also zu anderen mitteln greifen müssen.“

Schon ärgerlich, nicht war? Bis der Tag „X“ gekommen ist, wo ihr endlich euren politischen Terror offen ausleben könnt, müßt ihr Andersdenkende in mühseliger Kleinarbeit auf der Straße einzeln tottrampeln. „ein stück scheiße in menschengestalt“ – aber nicht doch, warum so eine komplizierte Metapher? Sagt doch einfach ganz offen, was ihr wollt, damit auch jeder hört, wer hier zur Rettung der Menschheit angetreten ist.

Den geneigten Leser aber möchte ich bitten, mir jetzt nüchtern und sachlich, unter Berücksichtigung der hier angeführten Beispiele, ehrlich und geradeweg die Frage zu beantworten: Habe ich mit meiner Bezugnahme auf den Reichstagsbrand und dessen Ausnutzung durch die Nazis irgendeine Gefahr verharmlost oder übertrieben?

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