Spekulanten als Sündenböcke

Jede Krise braucht einen Schuldigen. Auch in der aktuellen Krise des Euro sind die Bösen schon identifiziert: die Spekulanten! Angela Merkel, Sigmar Gabriel und sonstige Genossen haben schnell ihr Feindbild gefunden.

Die deutsche Bundeskanzlerin sprach sogar von einem „Angriffskrieg“, gegen den es sich mit allen Mitteln zu wehren gelte. Aber es stellt sich eine entscheidende Frage: Ist es tatsächlich moralisch verwerflich, gegen eine Währung zu spekulieren?

Ökonomen erklären die Gründe für die Spekulation gegen den Euro ganz einfach. Die Märkte haben sich überlegt, ob die Gemeinschaftswährung aufgrund der hohen Staatsverschuldung vieler Staaten zukunftsfähig ist. Lange Zeit ging das gut, da die Annahme galt, die EU würde die Larifari-Staaten bändigen und das Wirtschaftswachstum sorge schon für Stabilität.

Sündenböcke für die Schlamperstaaten

Daher wurde Staaten wie Portugal und Griechenland zum selben Zinssatz Geld geliehen, wie dem halbwegs solide wirtschaftenden Deutschland. Nachdem immer mehr statistische Betrügereien der Griechen aufflogen, kamen die Spekulanten zu einem anderen Schluß: der Euro ist instabil. Daher mußte der griechische Staat immer höhere Zinsen für seine Staatsanleihen berappen.

Spekulanten machen sich keine Freunde. Sie bauen Druck auf die Staaten auf, die sich extrem verschulden. Damit werden für sie neue Kredite teurer. Normalerweise müssen solche Staaten dann ihre Ausgaben drosseln und mit dem Sparen beginnen. Was tun aber unsere Politiker? Die Ursache der Krise, nämlich die hohe Staatsverschuldung, beseitigen sie indes nicht. Stattdessen wollen sie lieber verschiedene Finanzinstrumente verbieten.

Spekulanten erzeugen nicht die Krise, sie profitieren nur von ihr. Damit machen sie sich keine Freunde in der Politik. Im Gegenteil: Zurzeit sind sie die Sündenböcke für die Schlamperstaaten.

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