Segregation

Am Seeufer fiel es mir am frappierendsten auf: Keine Kopftücher. Und kein Müll in der Landschaft, nirgends. Lauter ruhige Nachbarn auf der Bergwiese, ganz normale Familien, Pensionisten und junge Pärchen. Die einzigen, die leicht nerven, sind ein paar bierselige Tschechen, die offenkundig den Zimmerlautstärke-Comment nicht kennen, aber schon bald samt Söhnchen und Hängematte friedlich wieder verschwinden. Alpensee-Idylle, Sommer 2010.

Wer aus aller Herren Länder ins Salzkammergut kommt, sucht nicht nur malerische Bergkulissen und Postkartenschönheit. Ist es ein Zufall, daß auf den Parkplätzen so viele Kennzeichen aus Berlin und anderen deutschen Ballungsräumen zu finden sind?

Erholung vom Alltag kann auch heißen: Kulturelle Homogenität erleben, die man zu Hause nicht mehr kennt. Und sei es nur, einen Badenachmittag mit Frau und Kindern zu verbringen, ohne lärmenden oder hauptstadttypisch marodierenden Migrantenbanden zu begegnen.

Zurück bleibt, wer keine Chance mehr hat

„Papa, warum können wir eigentlich nicht mit unserer Wohnung und allen unseren Spielsachen für immer hierherkommen?” – Ja, warum eigentlich nicht? Warum nicht den Nachwuchs in einem Umfeld großwerden lassen, wo ihm wenigstens in der Kindheit die Segnungen der multikulturellen Großstadtwelt erspart bleiben?

Viele Deutsche ziehen seit Jahrzehnten diese Konsequenz. „White Flight“ nennen amerikanische Soziologen dieses Phänomen: Wenn der Einwandereranteil eine gewisse Schwelle überschreitet, geht die Mehrheit. Zurück bleibt, wer keine Chance mehr hat.

Der Fluchtreflex ergreift keineswegs nur die üblicherweise des „Rassismus“ verdächtigten Leidtragenden staatlicher Fehlsteuerungen, sondern ebenso die Protagonisten des Multikulturalismus selbst, deren Schwärmerei für die herrlich bunte Vielfalt plötzlich verblaßt, wenn der erste Sprößling in eine Problemschule einrücken soll.

Mit der ehemaligen Mehrheitsbevölkerung geht die Minderheit der integrations- und aufstiegswilligen Einwanderer, die nicht gekommen sind, um mit ihren Kindern im Monokulti-Ghetto steckenzubleiben. In Frankreich sind es die Banlieues, die sozialistischen Städteplanungsmonster in den Vorstädten, die auf diese Weise der autochthonen Zivilisation verlorengehen, in Deutschland die ehemaligen Arbeiterviertel in den Innenstädten.

Gegenstück zum oktroyierten Multikulturalismus

Die Migration der Einheimischen aus den Städten erfaßt nicht nur junge Familien, sondern auch die Älteren, die der zur Fremde gewordenen Lebensumgebung den Rücken zukehren. Sie vor allem suchen in den aufwendig restaurierten, aber ausgebluteten Städten Mitteldeutschlands eine neue – und im Gegensatz zu Kreuzberg, Wedding, Duisburg-Marxloh auch noch deutsche – Heimat finden. Deutschland 2030 – gekippte Städte, wiederbesiedeltes Land?

Segregation ist das logische Gegenstück zum oktroyierten Multikulturalismus. Erhält die politische Klasse den Migrationsdruck auf die einheimische Bevölkerung aufrecht, indem sie vor der Assimilationsverweigerung der bereits ungesteuert ins Land gekommenen Einwanderer kapituliert und der kulturfremden Landnahme auch weiterhin die Tore öffnet, ist der Zerfall Deutschlands in ethnisch separierte Territorien, die nicht mehr gemeinsam demokratisch regiert werden können, unvermeidlich.

Die räumliche Trennung von Einwandererghettos und Autochthonen-Reservaten wird dann das Ergebnis der Summe rationaler Einzelentscheidungen von Individuen sein, die angesichts von ihnen nicht zu beeinflussender politischer Rahmenbedingungen Auswege zu suchen gezwungen sind, um der von ihnen bevorzugten Lebensart möglichst ungehindert nachgehen zu können.

Noch freilich ist es nicht zu spät, etwas zu verändern. Der Diskurs über Thilo Sarrazins neueste Streitschrift ist nur ein Symptom dafür, daß das Aufbegehren der Einheimischen gegen die schleichende Enteignung ihrer Lebenswelt nicht länger marginalisiert werden kann. Deswegen geht es auch nach diesem kurzen Sommerurlaub wieder zurück – in die Großstadt.

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