„Randalierende Burschenschaften“

Am vergangenen Wochenende war in der Universitätsstadt Marburg mal wieder etwas los. Zum einen veranstaltete in der Studentenhochburg die Neue Deutsche Burschenschaft ihren Burschentag, ihre satzungsgemäße Jahreshauptversammlung.

Zum anderen war dies für zahlreiche „antifaschistische“ Gruppen endlich mal wieder Anlaß genug, eine Gegendemonstration unter dem Motto „Verbindungen kappen! Männerbünde auflösen!“ zu organisieren. Daß das Wochenende in Marburg nicht friedlich verlaufen würde, war also sicher.

Die Neue Deutsche Burschenschaft (NDB) wurde 1996 in Hannover gegründet und gilt als liberal; die NDB ist ein Zusammenschluß von Burschenschaften, die aus dem „alten“ Dachverband, der Deutschen Burschenschaft (DB), ausgetreten sind oder ausgeschlossen wurden.

„Überwiegend friedlich“

Und obwohl sich einzelne NDB-Verbindungen gegen „Anhänger rechter Gruppierungen“ (gemeint sind wohl rechtsextreme?) engagieren und auch versuchen, sich von den konservativeren Bünden der Deutschen Burschenschaft abzugrenzen, reißt die Kritik auch an diesen liberalen Burschenschaften nicht ab.

Aus Interesse an dem, was in Marburg los war, gelangte ich auf die Internet-Seite der Frankfurter Rundschau (FR) mit der Überschrift „Protest gegen randalierende Burschenschaften“. Die Burschenschafter haben randaliert? Was war geschehen?

Die angemeldete Demonstration gegen den Burschentag am Samstag soll „überwiegend friedlich“ verlaufen sein, nur einer Person wurde ein Platzverweis erteilt. Doch es sollte noch ganz anders kommen: „Am Samstagabend hielt eine Gruppe von rund 20 Personen ein Taxi an und entriß dem 47jährigen Fahrgast seine Verbindungsmütze. Als er versuchte, seine Mütze zurückzuholen, wurde er mit Tritten traktiert. Das Taxi wurde mit gelber Farbe besprüht.“

Realität völlig auf den Kopf gestellt

Je später der Abend, desto unruhiger wurde es in Marburg. So berichtet die FR weiter: „Rund 250 Personen hatten sich nach Polizeiangaben gegen 1 Uhr nachts in der Stadt versammelt. 150 von ihnen zogen in Richtung der Verbindungshäuser der Burschenschaft Alemannia Marburg. Aus der Menge wurden vereinzelt Flaschen gegen Polizeibeamte geworfen.“

„Die Protestierer entfernten sich zunächst wieder in Richtung Marktplatz, zogen dann aber gegen 2 Uhr erneut vor die Verbindungshäuser. Dabei wurden auch Steine gegen ein Haus geworfen…“

Wie paßt die Überschrift von den „randalierenden Burschenschaftern“ mit den geschilderten Ereignissen in Marburg zusammen? Warum hat die Redaktion der Frankfurter Rundschau eine Überschrift gewählt, in der die Realität völlig auf den Kopf gestellt wurde? Ist das böser Wille – oder sind die einfach nur blöd?

Nächtliche Randale als Demonstration bezeichnet

Oder war es ein Zusammenspiel aus beidem? Wohlwollend könnte man annehmen, daß es wohl ein unglückliches, sprachliches Versehen war. Daß die Journalisten wohl nicht ganz die richtige Überschrift wählten, haben sie inzwischen bemerkt und diese geändert.

Aber konzentrieren wir uns auch auf den Inhalt: Wenn sich 150 Menschen zusammenrotten, um nachts vor einem Verbindungshaus zu randalieren, ist es meines Erachtens nach keine „Demonstration“. Es waren nur „vereinzelte“ Flaschenwürfe auf Polizisten, es haben also nicht alle geworfen, dann war es wohl nach Meinung der Presse auch nicht so schlimm.

Zudem wurde angemerkt, daß „niemand verletzt wurde“; es war also eigentlich doch gar nicht so gefährlich, soll das wohl heißen. Daß die Steinwürfe gegen ein Haus „aber nach Polizeiangaben ohne Folgen“ blieben, bedeutet wohl nichts anderes, als daß dabei an dem Verbindungshaus kein Schaden entstanden ist.

Wenn eine linke Zeitung nächtliche Randale als Demonstration ansieht und das Flaschen- und Steinewerfen auf Polizisten und fremdes Eigentum heute verharmlost, dann macht sich diese Redaktion mitschuldig, wenn künftig bei solchen Übergriffen Menschen verletzt oder Häuser abgefackelt werden.

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