Quantitative Lockerungsübungen

„Was bringt die US-Banken und ihre Kunden davon ab, auf ihren Computertastaturen 1 Billion, 10 Billion oder sogar 50 Billionen Dollar zu erzeugen, mit denen sie alle Aktien und Anleihen auf der Welt aufkaufen, … in der Hoffnung, mittels Krediten von weniger als einen Prozent Zins Kapitalzuwächse zu erzielen und Arbitrage-Gewinne einzustecken? Das ist das Spiel, das heute gespielt wird.“

Zu Erläuterung: Bei Arbitrage-Geschäften werden die Preisunterscheide für gleiche Waren auf verschiedenen Märkten ausgenutzt. Obige Sätze stammen im übrigen von dem Ökonomie-Professor Michael Hudson (Universität von Missouri), einem ehemaligen Wall-Street-Ökonomen (Chase Manhattan Bank), der auf den Internetseiten von „Counterpunch“ in scharfer Form die Art und Weise der amerikanischen „Währungskriegführung“ angreift.

Hudson geißelt dabei vor allem die Heuchelei, die hinter der Beschuldigung der Vereinigten Staaten stehe, wenn sie anderen Staaten, vor allem China, „Währungsmanipulationen“ vorwürfen: „US-Regierungsmitglieder dämonisieren andere Länder als aggressive ‘Währungsmanipulatoren’, die ihre Währungen absichtlich schwach hielten. Diese Staaten versuchen ihre Währungen aber lediglich davor zu bewahren, daß diese im Hinblick auf den Dollar nach oben getrieben werden, indem Arbitrage-Händler und Spekulanten deren Finanzmärkte mit Dollars überschwemmen.“

Dollarflut durch elektronische Kredite

Dahinter stehe nach Hudson die Politik der „Quantitativen Lockerung“ (QL), einer euphemistischen Umschreibung dafür, eine Wirtschaft mit Krediten zu überfluten. Das bedeute aber nichts anderes, als auf der anderen Seite der Bilanz Schulden anzuhäufen.

Genau diese Politik betreibe nach Hudson die Federal Reserve Bank, was dazu führe, daß der Dollar im Wert nach unten gedrückt wird und der anderer Währungen nach oben, und zwar unter dem Applaus der Währungsspekulanten. Der Schlüssel dieser Politik liege darin, ausländische Zentralbanken zu „überzeugen“, die elektronischen Kredite zu akzeptieren. Genau dieses System versuchten die USA jetzt zu verteidigen, weil sie befürchteten, es könnte zu einer weltweiten Finanzanarchie kommen, wenn kein neues Plaza-Abkommen (vor allem mit China) zustande komme.

Im Rahmen des Plaza-Abkommens vom 22. September 1985 im Plaza Hotel in New York einigten sich die Teilnehmer (Frankreich, Bundesrepublik Deutschland, Japan, USA und Großbritannien) darauf, durch kontrollierte Einflußnahme auf die internationalen Währungsmärkte eine Abwertung des US-Dollars (vor allem) gegenüber dem Yen, aber auch der Deutschen Mark zu erreichen.

Lizenz zum Gelddrucken

Das QL-Instrument ist, zur Präzisierung, ein Instrument der Zentralbank, das dann zum Einsatz kommt, wenn der Zinssatz der bereits fast auf null oder ganz auf null gesetzt worden ist. Ziel ist es, die Wirtschaft mit mehr Geld zu versorgen. Weniger freundlich kann man auch sagen, daß mit dem Einsatz von QL die Lizenz zum Gelddrucken erteilt wird. Das ist faktisch das, was die Fed seit geraumer Zeit praktiziert, auch wenn Fed-Chef Ben Bernanke lieber von „Credit easing“ („Lockerung der Kreditvergabe“) spricht.

Die Folge ist eine weltweite Konkurrenz bei der Bereitstellung von Krediten, mit denen ausländische Immobilien, öffentliche und private Infrastruktur, Anleihen, Aktien und anderes mehr gekauft werden. Hudson erblickt hier eine neue Form der Kriegführung, die ohne Kosten für eine Armee oder die Besetzung feindlichen Territoriums auskommt.

Die Antwort der BRIC-Staaten

Die große Frage im Hinblick auf die globale Finanzentwicklung laute, wie sich die anderen Nationen verhalten werden, wenn die kumulativen Kosten dieser Politik die „finanzielle Stratosphäre“ erreichten? (sprich: wenn es zu „finanziellen Gewittern“ kommt) Die Welt stehe derzeit vor zwei Alternativen, nämlich zwischen finanzieller Anarchie und Unterwerfung unter dem ökonomischen Nationalismus der USA zu wählen.

Es überrasche deshalb nicht, daß vor diesem Hintergrund die Schaffung eines alternativen Finanzsystems in der Luft liegt. Falls es dazu komme, so Hudson, dürfte dies zu einer Verabschiedung von der Politik der offenen Märkte führen, so wie sich nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt haben.

Ein Beispiel hierfür seien die BRIC-Staaten (= Brasilien, Rußland, Indien und China), die dabei seien, ein Parallelsystem zu entwickeln. Zwischen China und Rußland liefen Vorbereitungen, den Handel zwischen Rubel und Yuan abzuwickeln. Ähnliches entwickele sich zwischen Brasilien und China.

Und der Premierminister der Türkei Erdogan verkündete am 8. Oktober mit Blick auf die Wirtschaftsbeziehungen mit China: „Wir arbeiten an unserer eigenen strategischen ökonomischen Partnerschaft …; wir stimmen darin überein, Yuan und (türkische) Lira zu nutzen.“ Verfestigt sich diese Entwicklung, sind die USA auf dem besten Weg, den maßgeblich von ihr mit verursachten Währungskrieg zu verlieren.

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