Multi-Kulti in der Provinz

Die Einwohner unserer Kleinstadt in Bayerisch-Schwaben (etwa 9.000 Einwohner) gehören drei unterschiedlichen Gruppen an. Neben den Alteingesessenen ist vor allem eine große Anzahl türkischer Mitbürger. Offiziell beträgt der Ausländeranteil 18 Prozent; da aber viele Migranten einen deutschen Paß haben, stellen in vielen Schulklassen die Muslime die Mehrheit.

Viele Lehrer(innen) haben mir schon erzählt, daß ein Morgengebet in der Schule – wie in der bayerischen Verfassung vorgeschrieben – gar nicht möglich ist. Auch die gerade in der Grundschule so wichtige Begleitung durch das Kirchenjahr und die entsprechende Ausgestaltung des Klassenzimmers kann kaum noch durch den Klassenlehrer geschehen. Höchstens noch im Religionsunterricht sind hierzu Möglichkeiten vorhanden. Hier wird deutlich, wie wichtig ein konfessioneller christlicher Religionsunterricht mit klarem Profil ist.

Da ich mit den muslimischen Mitbürgern – vom missionarischen Auftrag einmal abgesehen – eher wenig Kontakt habe, ist doch die dritte Gruppe für mich sehr wichtig. Dies sind die Jenischen, ein ehemals „fahrendes Volk“, das heißt aus dem Elsaß stammende Händler, die sich in den zwanziger Jahren in unserer Stadt niedergelassen haben. Diese sind nämlich ausnahmslos katholisch.

Drei Fußballvereine

Wer nun annimmt, das Zusammenleben zwischen den Schwaben und den schon seit Jahrzehnten hier ansässigen Jenischen würde keine Probleme mit sich bringen, erliegt allerdings einem Trugschluß. Noch immer haben sich die beiden Bevölkerungsgruppen kaum vermischt und pflegen ihr Eigenleben.

Da die Jenischen ein sehr geselliges Volk sind, haben sie im Stadtgebiet mitlerweile vier Kneipen, die ausschließlich von Jenischen besucht werden. Weiterhin gibt es zwei türkische Kneipen und eine einzige Kneipe mit schwäbischem Publikum. Da wundert es nicht, daß es in unserer Stadt selbstverständlich drei Fußball-Vereine gibt, einen schwäbischen, einen türkischen sowie den einzigen jenischen Fußball-Verein Deutschlands.

Heute lese ich im Evangelium die Worte Jesu aus dem hohepriesterlichen Gebet: „Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, daß du mich gesandt hast“ (Joh 17,21). Vielleicht kann solche Einheit überhaupt nur erbetet werden.

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