Hausverbot für Sankt Nikolaus

Schon seit meinen Studententagen mache ich folgendes Langzeit-Experiment: Zu Beginn der Adventszeit frage ich in Kaufhäusern, wo es denn Schokoladen-Nikoläuse zu kaufen gebe. Eine hilfsbereite Verkäuferin zeigt mir zumeist recht schnell das große Sortiment an Weihnachtsmännern. Dann kommt mein Einwand, dies seien aber keine Nikoläuse; denn dieser trägt Bischofsstab und Mitra und keinen roten Bademantel.

Auf meine Frage, ob es denn in dem großen Kaufhaus keinen einzigen Schokoladen-Nikolaus gibt, folgt meist das hilflose Eingeständnis, daß dem wohl so sei. Gelegentlich verweist man mich auf traditionsreiche Konditoreien, die noch Nikoläuse aus den alten Formen gießen. Immerhin gab es vor noch nicht allzu langer Zeit – beispielsweise noch in meiner Jugend – tatsächlich Schokoladenfiguren des heiligen Bischofs von Myra in der heutigen Türkei, der sich aufgrund seiner großen Güte, Hilfsbereitschaft und gelebten Nächstenliebe weltweit große Wertschätzung erwarb.

Darf es das geben: Fremdenfeindlichkeit?

Seit einigen Jahren läßt sich beobachten, daß der Protest gegen die inhaltslose Kommerzialisierung gerade unter Katholiken zunimmt. Das deutsche Bonifatiuswerk und andere kirchliche Initiativen setzen sich zunehmend ein für die Rettung des heiligen Bischofs Nikolaus. Dies bleibt allerdings ein sehr kleines Hoffnungszeichen entgegen dem großen Trend der Entchristianisierung unseres Landes.

In der Süßwarenabteilung wurde der Nikolaus also längst schon durch sein aus der Coca-Cola-Werbung stammendes, verkitschtes Zerrbild ersetzt. Allerdings lebt er derzeit immer noch fort im Brauchtum. So lassen viele Familien am Nikolaustag (6. Dezember) oder an dessen Vorabend einen als Sankt Nikolaus verkleideten Mann kommen zur vorweihnachtlichen Bescherung der Kinder. Wo dies gut gemacht wird, ist es tatsächlich eine schöne Gelegenheit zur Glaubensverkündigung.

Doch auch damit hat es wohl bald ein Ende. So wurde in diesem Jahr für sämtliche Kindergärten in Wien ein Nikolaus-Verbot erlassen. „Wenn Fremde kommen, kann es sein, daß die Kinder Angst bekommen; das wollen wir nicht.“ So rechtfertigt Sylvia Minich, Chefin der 360 Kindergärten in Wien, das Verbot. Darf es das geben: Fremdenfeindlichkeit? Und dann auch noch gegen einen Türken?

„Europa ohne Christus?“

Doch vermutlich ist das, was aus der Türkei kommt, nur dann gefährlich, wenn es christlich ist. Eltern und auch Religionspädagogen vermuten, daß es bei diesem Verbot christlicher Tradition darum geht, muslimische Kinder nicht „auszugrenzen“. Es ist also dieselbe Strategie wie bei der Entfernung von Schulkreuzen, die gefordert wird, da die Schüler angeblich unter dem Anblick des Gekreuzigten so sehr leiden.

In seinem schmalen Buch „Europa ohne Christus?“ spricht Stefan Meetschen von einer Christianophobie, die sich in Europa immer mehr breit macht. Beispiele für dieses Phänomen lassen sich stets aufs Neue entdecken.

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