Frisur, Partei und Religion – Was paßt zu mir?

Zum Hellseher habe ich keine und zum Frauenversteher allenfalls eine mäßige Veranlagung, aber bei Anna-Maria Lagerblom sowie der Boulevardpresse, die Sarah Connors jüngere Schwester und den WM-Kurzzeit-Star Mesut Özil zum Traumpaar des Fußballsommers erhoben hat, scheine ich den richtigen Riecher gehabt zu haben:

In meiner Kolumne vom 30. Juni echauffierte ich mich über die Torheit des Fußball-Groupies, „aus Liebe“ die Religion zu wechseln, und vor allem über die Narretei der Klatschreporter, die in der Islam-Konversion des C-Promis einen rührenden Liebesbeweis sehen wollten, und fragte mich, was Frau Lagerblom wohl tun wird, wenn ihr nächster Schwarm zum Beispiel ein Hindu ist?

Wird sie dann wieder Schweinefleisch essen und stattdessen auf Rindfleisch verzichten? Und hat sie sich auch darüber Gedanken gemacht, daß der Islam keinen neuerlichen Wechsel des Glaubensbekenntnisses vorsieht? (Allenfalls bei mangelndem Urteilsvermögen, Unzurechnungsfähigkeit und so weiter können Ausnahmen gemacht werden.)

Frage nach dem Stellenwert der Religionszugehörigkeit

Fragen dieser Art könnte sich die junge Frau womöglich bald stellen, da die türkische Zeitung Hürryet in den letzten Tagen meldete, daß sich die hübsche Physiotherapeutin und der mit mäßigem Erfolg bei Real Madrid spielende Özil kürzlich getrennt hätten.

Ob dies nun stimmt oder nicht, sei dahingestellt – es wurde in anderen Medien bereits dementiert –; was mich daran eigentlich interessiert, ist die völlige Gleichrangigkeit der Religionsfrage etwa mit der nach der „richtigen“ Frisur (Frau Lagerblom hat sich aus Liebe übrigens auch das Haar dunkler gefärbt).

Vor einigen Jahren gab es ganz in diesem Sinne in der Zeit einen großen Multiple-Choice-Test zur Frage „Welche Religion paßt zu mir?“, und in zahllosen Internetforen wird entsprechender Rat gesucht, was etwa auf www.allmystery.de so klingt (Orthographie im Original belassen):

„Wie finde ich herraus, welche Religion am ehesten zu mir passt? Ich bin evangelisch, finde es schonmal viel besser, als kath. zu sein (soll nich böse gemeint sein!), denn da gehts viel lockerer zu. Allerdings kann ich mit Gottesdienst und ähnliches nicht viel anfangen.

Tradition der Dummheit

Ein Arbeitskollege ist Menonit (falls das jemandem was sagt) und der rennt den ganzen tag fröhlich auf der arbeit rum als hätt er tabletten genommen er sagt er kommt durch seinen glauben. da es ja soviele Glaubensrichtungen gibt, Buddhismus, Hinduismus (sorry wenn ichs vertausche… ) dann ist doch bestimmt eine dabei, die mich mehr interessiert als die jetzige…. nämlich kaum. […] In einer Simpsonsfolge, hat Lisa einen Konflikt mit der Religion, und trifft Richard Gere, der buddistisch oder hinduistisch ist… auf jedenfall sitzen da nicht alle auf ner bank und murmeln das gleiche, sondern meditieren dort… dieser eindruck hat interesse geweckt… Weil es dann auch ruhiger von statten geht. Man kann sich in die ecke setzen mit leiser musik und beim meditieren beten… (richtig ?)“ 

Zwar gab es auch vor dem Zeitalter sozialdemokratischer Schulreformen „bildungsferne“ Menschen, aber wenn die jeweilige Tradition der Dummheit einen Halt gibt, ist dies für den einzelnen allemal hilfreicher, als sich den Ratschlägen anderer Internetnutzer auszusetzen oder unter www.beliefnet.net, dem größten Online-Portal zur angeblich neutralen Religionsberatung, einen kleinen Test („Belief-O-Matic“) zu absolvieren, wie er sonst als „Wahlomat“ zur politischen Orientierung angeboten wird.

Konversion nicht aus reiner Beliebigkeit

Kann man sich bei uneindeutiger prozentualer Verteilung politischer Ansichten aber immerhin dafür entscheiden, einmal sein Kreuz „wegen sozialer Gerechtigkeit“ bei der Linkspartei und ein anderes mal bei der CDU zu machen („wegen menschlicher Werte“ oder warum auch immer), so steht weiterhin orientierungslos da, wer zwar an einen einzigen Gott glaubt, Jesus aber vielleicht nicht als dessen Sohn, sondern nur als einen „ganz besonderen Menschen“ ansehen mag und überdies zum Beispiel auch den Gedanken der Seelenwanderung nicht ganz ausschließen möchte.

Man kann daraus wie die evangelische Kirche die Konsequenz der „Lockerheit“ ziehen (außer natürlich in politischer Hinsicht, in der sich der offizielle Protestantismus der jeweiligen Obrigkeit stets geschmeidig anpaßte), aber gegen die Langeweile als deren Kehrseite ist man damit nicht gefeit. Vielleicht ist das Fußball-Groupie ja auch gerade deswegen – nicht aus reiner Beliebigkeit und nicht nur wegen Mesut – zum Islam konvertiert.

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