Erschreckend: Antifeministische Grimm-Märchen

Nachdem eben noch über so sekundäre Themen wie das Aussterben der Deutschen und islamistische Parallelgesellschaften diskutiert wurde, haben die Medien nun endlich wieder Zeit, sich den wirklich elementaren Fragen der Nation zu widmen. Zum Beispiel: Sexismus in den Märchen der Gebrüder Grimm.

Über den ist die Kinder- und Jugendbuchautorin Cornelia Funke entsetzt. Wenn man Märchen lese, sei man „erstaunt darüber, wie reaktionär wir oft sind“, meint Funke. Es folgt Funkes Grauensbericht einer unvorstellbaren reaktionären Kulturbarbarei, die auch die 68er anscheinend noch gar nicht entdeckt haben: „Märchen sagen oft: Glück ist, wenn du es als armer Bauer schaffst, eine reiche Prinzessin zu heiraten. Wenn du dich an allen rächst, die dir nur irgendwie im Weg sind und ihnen möglichst auch noch die Augen aushackst. Märchen bestätigen im Grunde immer bloß bestehende gesellschaftliche Machtverhältnisse. Bei den Grimms zieht der Held aus in die Welt, hat aber danach gefälligst ins bürgerliche Leben zurückzukehren.“

Doch als wäre dies mit Blick auf die deutsche Geschichte nicht schon bedenklich genug, setzen die Märchen der Gebrüder Grimm noch eins drauf. Deren „antifeministischer Zug“ sei ,,erschreckend stark“, so die Roman-Autorin alarmiert. Funke: „Das Rotkäppchen ist eines der drastischsten Beispiele, woran allerdings nicht nur die Brüder Grimms schuld sind. Am Anfang der Überlieferung steht nämlich gar kein dummes, eitles Mädchen, das sich ein rotes Käppchen aufsetzt und damit in den Wald marschiert, sondern eines, das auf einen Werwolf trifft. Ursprünglich rettet es sich aus eigener Kraft, und den Wolf erledigen einige Wäscherinnen am Fluß – nicht der Jäger.“

„Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“

Offensichtlich besteht hier Handlungsbedarf für die „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“. Das typisch deutsche, Eva-Herman-mäßige Rotkäppchen reproduziert eindeutig sexistische Stereotype. Es müssen daher augenblicklich politisch korrekte Versionen von Grimm-Märchenbüchern herausgegeben werden, in denen Rotkäppchen durch eine links-grüne Kampflesbe ersetzt wird! Da sucht sich der Wolf schon im Voraus lieber ein anderes Mittagessen.

Erstaunlicherweise würden die Feministinnen plötzlich schweigen, wenn man den Spieß umdrehen und entsprechend Funkes Argumentationsweise über Männerfeindlichkeit in Märchen klagen würde: Warum muß der böse Wolf, der auch noch so perfide ist, sich als Rotkäppchens Großmutter auszugeben, um so sein Opfer besser überwältigen zu können, männlich sein? Frechheit! Sollte ebenso in eine Wölfin geändert werden!

Aber im Ernst: Natürlich sind solche Radikalfeministinnen in vielerlei Hinsicht belustigend, in gewisser Weise aber zugleich ein ernstes Problem. Denn gesellschaftlich bilden sie zwar eine winzige Minderheit, die kaum jemand ernst nimmt, wie auch die spöttischen Leserkommentare bei Welt Online zu meiner Beruhigung bezeugen. Doch in den Medien und insbesondere in den Schulen, dort also, wo die „Bewußtseinsindustrie“ wirkt, bilden sie einen mächtigen Mainstream (Cornelia Funke ist wie gesagt Kinder- und Jugendbuchautorin!).

Und es wird jeden Tag schlimmer

Wenn solche LeherInnen nun etwa deutschen Schülern tagtäglich derart die Schlechtigkeit von allem Männlichen einhämmern, muß man sich über die Folgen bei manchen Jungen nicht wundern: Beim Fußball trauen sie sich schon kaum noch richtig zu grätschen, ohne Regenschirm fangen sie beim geringsten Nieselregen an zu jammern und anstatt eines Profi-Boxkampfes wird lieber der „Christopher Street Day“ aufgesucht. Und es wird jeden Tag schlimmer. Wer dem entfliehen will, der landet meist im anderen Extrem, in der Verprollung und beim Macho-Kult der Rapper. Die Machos wollen der böse Wolf sein, weil ihnen die Rolle des Jägers unter unerbittlichster Strafandrohung strikt verboten ist.

Wie immer abschließend ein Zitat vor zwanzig Jahren von Walter Kempowski:

Nartum/Dienstag, 11.9.1990: „<<...die noch drei Wochen bestehende DDR...>> Diesen Satz fand ich heute in der FAZ. <> Die evangelische Kirche weigert sich!”

Statt dessen wurden von der evangelischen Kirche später Glocken „gegen rechts” geläutet.

 

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